05.07.2012

Karlsruhe (AFP)

Karlsruher Schütze kaufte Waffen womöglich in Frankreich

Bei einer Zwangsräumung hat ein Mann in Karlsruhe vier Menschen zunächst als Geiseln genommen und dann offenbar getötet. Nach Angaben der Polizei fanden die Beamten am Mittag nach der Erstürmung der Wohnung fünf Leichen vor.
Foto: © 2012 AFP Tatort in Karlsruhe
Weil ihm die Zwangsräumung drohte, hatte ein 53-Jähriger am Mittwoch in Karlsruhe vier Menschen kaltblütig erschossen. Die Polizei untersucht nun, ob er sich die Waffen in Fankreich gekauft hatte. Dort hatte der Mann seinen Zweitwohnsitz.

Nach dem Geiseldrama mit fünf Toten in Karlsruhe prüfen die Ermittler, ob der Täter sich in Frankreich Waffen besorgt hat. Über das gemeinsame Zentrum der deutschen und französischen Polizei in Kehl nahmen sie Kontakt zu den französischen Behörden auf, sagte ein Polizeisprecher. Die Obduktion der Leichen soll am Freitag näheren Aufschluss über den Ablauf des Blutbads geben.

Ein 53-Jähriger hatte am Mittwoch bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Lebensgefährtin in Karlsruhe offenbar vier Menschen erschossen und danach sich selbst getötet. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tat geplant war.

Demnach nahm der Mann zunächst einen 47-jährigen Gerichtsvollzieher, einen 33-jährigen Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes sowie den 49 Jahre alten neuen Besitzer der Wohnung als Geiseln, bevor er sie später erschoss. Auch die 55-jährige bisherige Wohnungsbesitzerin und Lebensgefährtin des Täters fanden die Ermittler erschossen in der Wohnung. Einen Sozialarbeiter, der zunächst mit in der Wohnung war, ließ der Mann laufen, bevor die tödlichen Schüsse auf die Männer fielen.

Der Täter stammt dem Polizeisprecher zufolge aus der französischen Region Elsass, wo er auch noch einen weiteren Wohnsitz hatte. Den Ort wollte der Polizeisprecher nicht nennen. Bei den Ermittlungen in Frankreich gehe es nun unter anderem um die Frage, ob der Mann dort möglicherweise seine Waffen legal erworben habe. Die Beamten hatten in der Tatwohnung ein Schrotgewehr, zwei Pistolen, ein weiteres Gewehr, reichlich Munition sowie Übungshandgranaten gefunden.

Meldungen vom Vortag, wonach der Schütze ein Jäger gewesen sein soll, konnte die Polizei nicht bestätigen. Auch dies sein noch "Gegenstand der Ermittlungen", sagte der Sprecher. Der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) bestritt derweil bereits eine Mitgliedschaft des 53-Jährigen in einem Jägerverbund. "Er war weder bei der Waffen- noch bei der Jagdbehörde in Frankreich oder Deutschland gemeldet und besaß keinen Europäischen Feuerwaffenpass", teilte der Verband unter Berufung auf "gut unterrichtete Kreise" mit.

Die Obduktion der Leichen wurde nach Angaben der Polizei auf Freitag verschoben. Für den Nachmittag erwarten die Ermittler dann bereits ein vorläufiges Ergebnis der Untersuchung. Aufschluss erhoffen sie sich unter anderem darüber, wann die Lebensgefährtin des Schützen starb. Polizisten hatten sie erschossen in ihrem Bett gefunden. Es sei derzeit nicht klar, ob die Frau im Verlaufe der Geiselnahme ums Leben kam oder bereits vorher getötet worden war, sagte der Polizeisprecher. Die Ermittler gingen zudem Hinweisen von Anwohnern nach, die bereits am Abend vor der Tat Schüsse gehört haben wollten.

Einmal war der Täter laut Polizei in der Vergangenheit mit dem Gesetz in Konflikt geraten: Im Jahr 2003 habe er einen Ladendiebstahl verübt und dabei ein Messer bei sich gehabt, mit diesem aber niemanden verletzt. Für diese Tat sei er verurteilt worden. Wegen einschlägiger Gewaltdelikte hingegen sei der Mann vor der Tat vom Mittwoch noch nie aufgefallen.

Autor: Karlsruhe (AFP)

Das könnte Sie auch interessieren

Polizeihubschrauber

Bande

Hubschrauber im Einsatz: Polizei schnappt Einbrecher, zwei weitere können flüchten

In den Vormittagsstunden des Montags, 20. Februar, drangen mehrere unbekannte Täter in ein Einfamilienhaus bei Velden im Landkreis Landshut ein. Mit geringer Beute konnten sie zunächst flüchten. mehr ...

Joachim Wolbergs, Christian Schlegl

Sparkasse

Sondersitzung der Sparkasse: Ging es beim Millionen-Kredit für Tretzel doch mit rechten Dingen zu?

Sondersitzung des Verwaltungsrats: Die Vorsitzende Tanja Schweiger hat für Dienstag um 13 Uhr eine Sitzung anberaumt. Hintergrund ist die Kredit-Vergabe an den Bauträger BTT. Deren Chef Volker Tretzel sitzt in Untersuchungshaft. Pikant: CSU-Verwaltungsrat Christian Schlegl behauptete öffentlich, Kontrollinstanzen bei der Sparkasse seien „ausgehebelt“ worden. mehr ...

Polizeihubschrauber

Bande

Hubschrauber im Einsatz: Polizei schnappt Einbrecher, zwei weitere können flüchten

Fahndungserfolg für die Landshuter Kriminalpolizei. Am Montag hat sie Mitglieder eine Einbrecherbande gestellt, die seit längerer Zeit bayernweit operiert. An der Festnahme war auch ein Polizeihubschrauber maßgeblich beteilgt. mehr ...

Zwei Verletzte

Eingeklemmte Fahrer durch Feuerwehr befreit

Durch den heftigen Zusammenstoß wurden beide Fahrer in ihren Autos eingeklemmt. mehr ...

mehr Bilder ansehen
NGG: "Milch ist kein Ramschprodukt"

Schlechte Nachricht für Mitarbeiter und Bauern der Hochwald Foods

Werk Weiding schließt zum 31. März 2018

Von der Schließung der Hochwald Foods GmbH sind 230 Mitarbeiter und die Bauern in den Landkreisen Altötting und Mühldorf betroffen mehr ...

T2 Trainspotting

T2 Trainspotting

Zwanzig Jahre nach seinen vom Drogenmissbrauch geprägten Jahren in Schottland kehrt Mark Renton dorthin zurück. Er will sich mit seinen Freunden versöhnen, die er einst belogen und verlassen hat, um ein anständiges Leben zu beginnen. Spud und Sick Boy sind auch noch ganz die Alten, der psychopathische Begbie wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen. Die Freunde raufen sich zusammen, geraten aber auf selbstzerstörerische Abwege. mehr ...