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15.04.2012

Tel Aviv (AFP)

Israel unterbindet Solidaritätsaktion für Palästinenser

Die israelischen Behörden haben wegen einer Solidaritätsaktion für die Palästinenser hunderte Aktivisten aus dem Ausland an der Einreise gehindert. Am internationalen Flughafen in Tel Aviv wurden mindestens neun Menschen festgenommen.
Foto: © 2012 AFP Festgenommene Aktivistin in Israel
Die israelischen Behörden haben wegen einer Solidaritätsaktion für die Palästinenser hunderte Aktivisten aus dem Ausland an der Einreise gehindert. Am internationalen Flughafen in Tel Aviv wurden mindestens neun Menschen festgenommen.

Die israelischen Behörden haben wegen einer Solidaritätsaktion für die Palästinenser hunderte Aktivisten aus dem Ausland an der Einreise gehindert. Am internationalen Flughafen in Tel Aviv wurden mindestens neun Menschen festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Die meisten der erwarteten pro-palästinensischen Demonstranten wurden jedoch noch in ihrer Heimat auf Drängen Israels am Abflug gehindert.

Von den neun am Ben-Gurion-Flughafen für Befragungen festgenommenen Passagieren sollten sechs wieder zurückgeschickt werden, drei Franzosen wurde die Weiterreise aber gestattet, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die Polizei hatte 650 Beamte mobilisiert, die am Flughafen die Aktion "Willkommen in Palästina" unterbinden sollten. Israels Verkehrsminister Israel Katz hatte im Vorfeld zur Begründung gesagt, der jüdische Staat könne es sich "nicht erlauben, Provokateure ins Land zu lassen".

Zu der Aktion, die noch bis zum 22. April läuft, hatten sich rund 1500 Aktivisten angekündigt, darunter allein 600 Franzosen. Sie wollen von Israel aus nach Bethlehem im Westjordanland gelangen, um dort eine internationale Schule einzuweihen. Sie wollen mit "Willkommen in Palästina" ihre Solidarität mit den Palästinensern bekunden und gegen die strikte Kontrolle der Palästinensergebiete durch Israel protestieren. Die Aktion fand bereits 2010 und 2011 statt. Einer kleinen Gruppe war es dabei jeweils gelungen, ins Westjordanland zu gelangen.

Diesmal scheiterte ein Großteil der Aktivisten aber bereits am heimischen Flughafen, da auf Drängen der israelischen Behörden europäische Linien wie Air France, Jet2.com und auch Lufthansa massenhaft Tickets annulliert hatten. Ein Lufthansa-Sprecher sagte in Frankfurt (Main) es handle sich dabei um eine von den israelischen Behörden übermittelte Liste mit Namen von Passagieren, denen die Einreise verweigert werde. Dann informiere die Airline die Passagiere über die Annullierung der Tickets. Proteste an deutschen Flughäfen seien ihm nicht bekannt, sagte der Sprecher.

Am Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle protestierten dutzende Aktivisten, nachdem ihnen der Check-In verwehrt worden war, in Brüssel waren es nach Angaben der Organisatoren rund 120 Menschen, die ihrem Ärger über die Zustiegsverweigerung für hundert von ihnen Luft machten. Auch aus Genf, Rom und Istanbul wurden Proteste dutzender Aktivisten gemeldet, die nicht nach Tel Aviv reisen durften.

Auch über das Vorgehen der Beamten in Tel Aviv regte sich Protest. Es handle sich um eine "erneute illegale Prozedur", erklärten die Organisatoren der Aktion. Demnach mussten einreisende Passagiere eine Erklärung unterschreiben, dass sie "keinen Kontakt zu Mitgliedern pro-palästinensischer Organisationen haben und nicht mit solchen kooperieren".

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Samstag die Aktivisten aufgefordert, sich lieber um die "richtigen Probleme in der Region" zu kümmern. In einer von seinem Büro verbreiteten Mitteilung an die Aktivisten nannte er die Krise in Syrien, die Unterdrückung der iranischen Opposition durch die dortige Führung sowie das Vorgehen der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen als dringendere Anliegen. "Danach könnt Ihr wiederkommen und eure Erfahrung mit uns teilen."

Autor: Tel Aviv (AFP)