Frankfurt/Main (AFP)
Hunderte Stellungnahmen zu neuen Strom-Autobahnen

Hunderte Bürger, Organisationen und Unternehmen haben sich bislang an den Planungen für den Neu- und Ausbau des Stromnetzes im Zuge der Energiewende beteiligt. Rund 700 schriftliche Stellungnahmen zum Netzentwicklungsplan (NEP) erreichten bislang die Übertragungsnetzbetreiber, wie ein Sprecher des Unternehmens Amprion sagte. Kritik und Anregungen sollen nun in einem zweiten Entwurf des NEP berücksichtigt werden.
Der NEP soll festlegen, wo in Deutschland neue Stromautobahnen gebaut werden. Der Ausbau ist vor allem nötig, um den im Norden des Landes erzeugten Windstrom in die Industriezentren im Westen und Süden zu transportieren. Ersetzt werden soll durch den sauberen Strom unter anderem die Energie aus den Atomkraftwerken, die in den kommenden Jahren stillgelegt werden und von denen viele in Süddeutschland stehen.
Die Netzbetreiber hatten im Mai mit dem NEP die Grundzüge dafür vorgelegt. Zu einem großen Teil soll demnach das bereits bestehende Netz optimiert und erweitert werden, es sind aber auch bis zu 3800 Kilometer neuer Stromtrassen geplant. Den Verlauf der Trassen legt der NEP noch nicht fest, er definiert lediglich den Anfangs- und Endpunkt. Die konkrete Streckenführung müssen die Behörden in den Bundesländern beschließen.
Da es in den vergangenen Jahren vielfach erbitterten Widerstand gegen den Bau neuer Stromleitungen gab, sollen nun möglichst früh alle Betroffenen angehört werden. Deshalb begann gleich nach der Vorstellung des NEP eine erste Konsultationsphase, bei der sich Interessierte im Internet, per E-Mail oder Brief zu Wort melden konnten. Einwendungen sollen noch bis heute um 23.59 Uhr möglich sein.
Im Internet haben bislang 434 Interessierte eine Stellungnahme zum NEP eingereicht. Zudem waren bei den Netzbetreibern bis Ende vergangener Woche rund 200 E-Mails und etwa 70 Briefe mit Lob, Kritik und Anmerkungen eingegangen, wie der Amprion-Sprecher einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bestätigte.
Kritisiert wurde dabei demnach unter anderem, die Unternehmen hätten die Grundlagen für den NEP nicht offen genug dargelegt. Auch seien die Möglichkeiten zur dezentralen Stromversorgung nicht ausreichend bewertet worden. Zahlreiche Eingaben beschäftigten sich den Angaben zufolge aber auch mit Dingen, die nicht Thema des NEP sind. So fragten Bürger etwa bereits nach dem konkreten Verlauf von Netztrassen oder äußerten sich zu Bauvorhaben, die schon vor dem NEP auf den Weg gebracht wurden.
Wer sich zu Wort gemeldet hat, erhält nun zunächst noch die Möglichkeit, seine Kritik oder Anmerkungen mündlich zu begründen. Die Netzbetreiber müssen die Stellungnahmen dann in einem Bericht an die Bundesnetzagentur weiterleiten, die ein zweites Anhörungsverfahren beginnt. Dessen Ergebnisse sollen in das bis zum Jahresende geplante Bundesnetz-Gesetz einfließen. Mit dem neuen Verfahren sollen die Planungs- und Bauzeiten für neue Stromleitungen von zehn auf fünf Jahre halbiert werden.
Die Bundesnetzagentur startete derweil ein neues Internetangebot zum Netzausbau. Unter www.netzausbau.de können sich Interessierte über Hintergründe, die Planung und den Stand des Ausbaus informieren, wie die Bonner Behörde mitteilte. "Ist in meiner Gegend eine neue Leitung geplant? Wie kann ich Einfluss auf die laufenden Planungen nehmen? Diese und viele weitere Fragen soll das neue Internetangebot beantworten", erklärte Netzagentur-Chef Jochen Homann.




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