11.01.2017

Hamburg (AFP)

Hamburgs Bürgermeister verteidigt Elbphilharmonie vehement gegen Kritik

Unmittelbar vor der feierlichen Eröffnung der Elbphilharmonie hat Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) das neue Konzerthaus gegen Kritik verteidigt. Die Hamburger hätten es bereits für sich entdeckt und "adoptiert", sagte er.
Foto: © 2017 AFP Elbphilharmonie soll Hamburgs neues Wahrzeichen werden
Kurz vor der Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie hat Bürgermeister Olaf Scholz den Bau gegen Kritik verteidigt. "Es war eine schwere Geburt, aber sie haben das Kind adoptiert", sagte Scholz. Am Abend wird das Konzerthaus eröffnet.

Unmittelbar vor der feierlichen Eröffnung der Elbphilharmonie hat Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) das neue Konzerthaus gegen Kritik verteidigt. Die Hamburger hätten es bereits für sich entdeckt, sagte Scholz am Mittwoch vor Journalisten. "Es war eine schwere Geburt, aber sie haben das Kind adoptiert." Hamburgs Linke sprach von "Begeisterungs-PR", die über die wahre Stimmung täusche.

Die Elbphilharmonie wird am Abend nach zehnjähriger Bauzeit mit einem Festakt und einem Eröffnungskonzert eingeweiht. Unter den hunderten Gästen befinden sich Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Die Fertigstellung des bautechnisch anspruchsvollen Konzerthauses mit seiner weithin sichtbaren Glasfassade und der auffällig geschwungenen Dachkonstruktion hatte sich jahrelang verzögert, massive Preissteigerungen machten das Projekt zusätzlich zu einem bundesweit bekannten Negativbeispiel. Die Elbphilharmonie kostete die Stadt 789 Millionen Euro - etwa zehnmal so viel wie in einer ersten Machbarkeitsstudie genannt.

Nach seiner Einschätzung sei der hochkomplexe Bau zu keinem Zeitpunkt für weniger als 500 bis 600 Millionen Euro zu realisieren gewesen, betonte Scholz am Mittwoch während der Pressekonferenz zu der Eröffnungsveranstaltung. Es sei ein "Fehler" der damals Verantwortlichen gewesen, dies in der öffentlichen Diskussion nicht gesagt zu haben.

Die Elbphilharmonie führe auch nicht dazu, dass andere kulturelle Einrichtungen oder soziale Belange vernachlässigt würden, sagte Scholz. Es habe außerdem die Hoffnung, dass Menschen, die sonst nicht mit klassischer Musik in Berührung kämen, durch sie neue Impulse bekämen. Alle Hamburger Schulklassen sollten ein Konzert dort besuchen.

Die Idee für die Philharmonie stammt von einem Projektentwickler und von Architekten. Die Politik in der Hansestadt griff das Projekt Anfang der 2000er Jahre auf, der damalige CDU-Senat unter Bürgermeister Ole von Beust trieb den Bau intensiv voran. Im Februar 2007 genehmigte die Bürgerschaft den Bau dann einmütig.

Das markante Gebäude am Hafen soll sich zu einem Konzerthaus von Weltrang und einem architektonischen Wahrzeichen entwickeln, das Hamburg international bekannter macht. Es sei "ein perfektes Marketinginstrument" und werde die Hansestadt im Wettbewerb um Unternehmen, Köpfe und Touristen "in eine neue Liga katapultieren", erklärte der Hauptgeschäftsführer der Hamburger Handelskammer, Hans-Jörg Schmidt-Trenz, am Mittwoch.

Die Linke äußerte sich kritisch. "Die Begeisterungs-PR spiegelt nicht die Stimmung in der Stadt wider", erklärte der kultur- und haushaltspolitische Sprecher ihrer Bürgerschaftsfraktion, Norbert Hackbusch. Viele Menschen seien auch weiterhin wütend über die Kostenexplosion und die "organisierte Verantwortungslosigkeit" hinter dem Bauprojekt. Dieses habe der "demokratischen Kultur in Hamburg kräftig geschadet".

Nach Angaben des Senats sind die rund 500.000 Karten für die im ersten halben Jahr nach Eröffnung geplanten Konzerte und sonstigen Veranstaltungen der Elbphilharmonie bereits seit Wochen vergriffen. Zudem besuchte bisher bereits mehr als eine halbe Million Menschen die seit November öffentlich zugängliche Besucherterrasse des Komplexes, in dem auch ein Hotel, Bars, ein Restaurant und 45 Luxuswohnungen untergebracht sind.

Autor: Hamburg (AFP)

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