Wochenblatt
31.05.2012

Berlin (AFP)

Gauck zurückhaltend über Wulff-Satz zum Islam

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich zurückhaltend zu dem umstrittenen Satz seines Vorgängers Christian Wulff geäußert, wonach der Islam zu Deutschland gehöre.
Foto: © 2012 AFP Moschee in Berlin
Bundespräsident Joachim Gauck hat sich zurückhaltend zu dem umstrittenen Satz seines Vorgängers Christian Wulff geäußert, wonach der Islam zu Deutschland gehöre.

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich zurückhaltend zu dem umstrittenen Satz seines Vorgängers Christian Wulff geäußert, wonach der Islam zu Deutschland gehöre. Er nehme die Intention des Satzes an, er hätte selber aber "einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland", sagte Gauck der Wochenzeitung "Die Zeit". Bei Muslimen in Deutschland stieß die Äußerung Gaucks auf Kritik.

Die Einschätzung Wulffs hatte eine heftige Debatte ausgelöst. Gauck zeigte sich nun überzeugt, die Absicht seines Vorgängers sei es gewesen, zu sagen: "Leute, bitte einmal tief durchatmen und sich der Wirklichkeit öffnen." Und die Wirklichkeit sei, "dass in diesem Lande viele Muslime leben." Er habe in seiner Antrittsrede von "der Gemeinsamkeit der Verschiedenen" gesprochen. Dahinter stecke eine Vorstellung "von Beheimatung nicht durch Geburt, sondern der Bejahung des Ortes und der Normen, die an diesem Ort gelten."

"Ein-Satz-Formulierungen" über Zugehörigkeit seien "immer problematisch, erst recht, wenn es um so heikle Dinge geht wie Religion", sagte der Bundespräsident. Er könne auch diejenigen verstehen, die fragten: "Wo hat denn der Islam dieses Europa geprägt, hat er die Aufklärung erlebt, gar eine Reformation?" Dafür habe er Verständnis, "solange das keinen rassistischen Unterton hat."

Er sei "hoch gespannt auf den theologischen Diskurs innerhalb eines europäischen Islam", sagte Gauck. Er begrüße, dass in Deutschland Lehrstühle für Islamwissenschaften geschaffen würden und es schon bald hier ausgebildete islamische Religionslehrer gebe. "So etwas kann einen Diskurs auf Augenhöhe nur befördern", zeigte sich der Bundespräsident überzeugt.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mayzek, kritisierte die Äußerungen Gaucks. "Das europäische Abendland steht ganz klar auch auf muslimisch-morgenländischen Beinen. Wer das leugnet, betreibt Geschichtsfälschung", sagte Mayzek der "Passauer Neuen Presse". Er begrüßte aber Gaucks Einladung zu einem Dialog über europäischen Islam.

Auch die Türkische Gemeinde in Deutschland ging auf Distanz zu Gauck. "Der Islam gehört zur Geschichte Europas und Deutschlands", sagte deren Vorsitzender Kenan Kolat ebenfalls der "PNP". Er wandte sich gegen eine ideologische Debatte zu diesem Thema.

Autor: Berlin (AFP)

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