28.05.2012

Tokio (AFP)

Fukushima: Ex-Regierungschef räumt Versäumnisse ein

Japans Ex-Regierungschef Naoto Kan hat vor einem Untersuchungsausschuss sein Vorgehen während des Reaktorunfalls von Fukushima verteidigt, zugleich aber Versäumnisse seiner Regierung eingeräumt. Mehrere Entscheidungen seien zu spät gefallen.
Foto: © 2012 AFP Kan vor dem Untersuchungsausschuss
Japans Ex-Regierungschef Naoto Kan hat vor einem Untersuchungsausschuss sein Vorgehen während des Reaktorunfalls von Fukushima verteidigt, zugleich aber Versäumnisse seiner Regierung eingeräumt. Mehrere Entscheidungen seien zu spät gefallen.

Der frühere japanische Regierungschef Naoto Kan hat vor einem Untersuchungsausschuss sein Vorgehen während des Reaktorunfalls von Fukushima verteidigt, zugleich aber Versäumnisse seiner Regierung eingeräumt. Während der zweieinhalbstündigen Anhörung entschuldigte sich Kan dafür, dass die Regierung die Krise nicht habe stoppen können. Mehrere Entscheidungen seien zu spät gefallen. "Es wäre besser gewesen, das wäre früher getan worden", wiederholte Kan während der Befragung durch die Parlamentarier und Experten mehrmals.

Als sich der Reaktorunfall infolge des Tsunamis am 11. März 20011 ereignet habe, sei der Staat für die Reaktionen verantwortlich gewesen, weil sich der Unfall in einer Anlage ereignet habe, deren Betrieb "Resultat staatlicher Politik" gewesen sei, sagte Kan. Der Ex-Regierungschef musste Stellung zu mehreren umstrittenen Punkten nehmen - zu seinem Besuch in Fukushima am Morgen nach dem Unfall, zu Verzögerungen bei der Belüftung der Anlage zur Verhinderung einer Gasexplosion, zur Notkühlung der Brennstäbe mit Meerwasser sowie zur Ablehnung technischer Hilfe aus den USA in den Tagen nach dem Unglück.

Der Ausschuss unter dem Vorsitz des Wissenschaftlers und ehemaligen politischen Beraters Kiyoshi Kurokawa soll seinen Bericht im Juni vorlegen. Das Kraftwerk Fukushima war beim Erdbeben vom 11. März 2011 und dem anschließenden Tsunami schwer beschädigt worden. Da in den folgenden Wochen große Mengen Radioaktivität freigesetzt wurden, mussten insgesamt 80.000 Menschen die Gegend um das Kraftwerk verlassen. Kan wurde nach dem Unfall zum Atomkraftgegner. Japan ist seit Anfang Mai erstmals seit dem Jahr 1970 ohne Atomenergie, nachdem auch der letzte von 50 Reaktoren des Landes zur Wartung abgeschaltet wurde.

Autor: Tokio (AFP)

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