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01.03.2012

Berlin (AFP)

Friedrich besorgt über Integrationsverweigerer

Innenminister Friedrich ist besorgt über eine angeblich mangelnde Integrationsbereitschaft von jungen Muslimen. Eine Studie hatte ergeben, dass 22 Prozent der Muslime von 14 bis 32 Jahren eher die eigene Herkunfskultur betont. (Archivbild)
Foto: © 2012 AFP Muslime in Deutschland
Innenminister Friedrich ist besorgt über eine angeblich mangelnde Integrationsbereitschaft von jungen Muslimen. Eine Studie hatte ergeben, dass 22 Prozent der Muslime von 14 bis 32 Jahren eher die eigene Herkunfskultur betont.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat angesichts einer aktuellen Studie zu Muslimen mangelnde Integrationsbereitschaft beklagt. "Wer Freiheit und Demokratie bekämpft, wird hier keine Zukunft haben", erklärte Friedrich bei der Vorstellung der Untersuchung. Kritik am Innenministerium kam von FDP, Opposition und der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

In der vom Innenministerium in Auftrag gegebenen Studie "Lebenswelten junger Muslime" heißt es, 78 Prozent der befragten Muslime im Alter zwischen 14 und 32 Jahren seien zur Integration bereit. 22 Prozent betonten dagegen eher die eigene Herkunftskultur. Von den nichtdeutschen Muslimen befürworteten sogar nur 52 Prozent die Integration in die deutsche Gesellschaft, während 48 Prozent "starke Separationsneigungen" zeigten.

Die beteiligten Forscher der Universitäten Jena und Bremen sowie weiterer Forschungsinstitute kamen auch zu dem Schluss, dass es eine Gruppe unter den jungen Muslimen gibt, die als "streng Religiöse mit starken Abneigungen gegenüber dem Westen, tendenzieller Gewaltakzeptanz und ohne Integrationstendenz" bezeichnet werden könne. Zu dieser Gruppe wurden 15 Prozent der jungen deutschen Muslime und 24 Prozent der nichtdeutschen gerechnet. Eine Mehrheit der Muslime distanziere sich deutlich von islamistischem Terrorismus, erlebe aber umgekehrt eine Pauschalverurteilung von Muslimen als Terroristen.

"Deutschland achtet die Herkunft und kulturelle Identität seiner Zuwanderer, erklärte dazu Friedrich."Aber wir akzeptieren nicht den Import autoritärer, antidemokratischer und religiös-fanatischer Ansichten." Er warnte zugleich davor, die Einzelbefugnisse der Studie zu verallgemeinern. Die Menschen muslimischen Glaubens lehnten scharf Gewalttätigkeit und Terrorismus ab.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, erklärte, die Studie zeichne "überwiegend ein differenziertes Bild von Muslimen und der Integration". Die Verfasser riefen dazu auf, in der Islamdebatte populistische Verkürzungen zu vermeiden. "Das hätte ich mir auch von den ersten Deutungsversuchen der Studie gewünscht - auch von Seiten des Innenministers", erklärte Lüders.

"Ich muss mich schon wundern, dass das Bundesinnenministerium erneut Steuergelder darauf verwendet, eine Studie zu finanzieren, die Schlagzeilen produziert, aber keinerlei Erkenntnisse", sagte der FDP-Integrationsexperte Serkan Tören der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Die "pauschalisierende Gleichsetzung von Religiosität und Gewaltbereitschaft in dieser Studie" blende die tatsächlichen Lebenswelten junger Muslime aus, erklärte Grünen-Chef Cem Özdemir. "Wir müssen es endlich schaffen, Religiosität und Extremismus nicht ständig miteinander zu verknüpfen", erklärte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Aydan Özoguz.

Autor: Berlin (AFP)