Wochenblatt
09.07.2012

Den Haag/Sarajevo (AFP)

Erster Zeuge sagt gegen Mladic aus

Zwei Tage vor dem Jahrestag des Massakers von Srebrenica ist der vorübergehend ausgesetzte Prozess gegen den früheren bosnisch-serbischen Armeechef Ratko Mladic fortgesetzt worden.
Foto: © 2012 AFP Mladic nahm die Zeugenaussage ungerührt auf
Zwei Tage vor dem Jahrestag des Massakers von Srebrenica ist der vorübergehend ausgesetzte Prozess gegen den früheren bosnisch-serbischen Armeechef Ratko Mladic fortgesetzt worden.

Zwei Tage vor dem Jahrestag des Massakers von Srebrenica ist der vorübergehend ausgesetzte Prozess gegen den früheren bosnisch-serbischen Armeechef Ratko Mladic fortgesetzt worden. Dabei hörte das UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien erstmals einen Zeugen der Anklage. In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo erwiesen derweil tausende Menschen weiteren identifizierten Opfern von Srebrenica die letzte Ehre.

Unter Tränen schilderte der Muslim Elvedin Pasic dem Gericht, wie er 1992 als 14-Jähriger mit seinem Vater und seinem Onkel auf der Flucht vor den Truppen Mladics war. Nachdem im Frühjahr 1992 ihr Dorf bombardiert worden sei, hätten sie Zuflucht in Grabovica im Norden Bosniens gefunden, sagte er. Im November 1992 hätten sie aber auch von dort fliehen müssen. Die serbischen Truppen verübten dort ein Massaker an 150 Menschen.

Als in der Nacht auf den 3. November 1992 bei der Flucht aus Grabovica die ersten Schüsse gefallen seien, habe er sich wie "versteinert" gefühlt, sagte der heute 34-Jährige. An jedem Baum, an dem sich die fliehende Gruppe habe verstecken wollen, habe er den Eindruck gehabt, Einschusslöcher zu sehen. An einem verminten Fluss seien zehn Menschen ums Leben gekommen. Seinem Freund Besim seien durch eine Mine die Beine abgerissen worden, schilderte Pasic. Dieser habe nach einer Waffe geschrien und darum gebettelt, getötet zu werden.

Mladic nahm die Zeugenaussage auf der Anklagebank augenscheinlich völlig ungerührt auf. Dem 70-Jährigen werden Völkermord sowie Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 zur Last gelegt. Der Prozess war am 17. Mai für knapp zwei Monate wegen "Unregelmäßigkeiten" ausgesetzt worden, nachdem die Verteidigung der Anklage die Zurückhaltung von Dokumenten vorgeworfen hatte.

Gegen Mladic liegen elf Anklagepunkte vor. Die Staatsanwaltschaft macht seine Truppen für etliche Angriffe auf bosnische Ortschaften, darunter auch Grabovica, verantwortlich, wo tausende Muslime und Kroaten getötet, gefoltert, gefangengehalten und missbraucht wurden. Mladic wird vor allem für das Massaker von Srebrenica verantwortlich gemacht, bei dem im Juli 1995 rund 8000 muslimische Jungen und Männer ermordet worden waren.

Das Massaker jährt sich am Mittwoch zum 17. Mal. Bei den Gedenkfeiern, zu denen 30.000 Muslime erwartet werden, sollen die 520 im vergangenen Jahr identifizierten Toten von Srebrenica auf dem Friedhof im nahegelegenen Potocari beigesetzt werden. Ihre Särge wurden am Montag mit Lastwagen durch Sarajevo gefahren, wo tausende Menschen die Straßen säumten und Blumen warfen. In Potocari wurden bisher 5137 identifizierte Opfer das Massakers beigesetzt.

Autor: Den Haag/Sarajevo (AFP)

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