02.03.2017 Bayern/Deutschland

Stickoxid-Ausstoß

Diesel-Autos droht die Rote Karte

ADAC Umweltzone
Foto: ADAC-Presse
Macht ein Diesel noch Sinn? Dieselautos soll die Einfahrt in die Umweltzone verboten werden.

Jahrzehntelang wurde Vielfahrern ein Diesel ans Herz gelegt. Besonders in ländlichen Gegenden, wie dem Landkreis Deggendorf, fahren viele Dieselfahrzeuge. Ihnen droht jetzt, dass Städte die Hängebrücke hochziehen und sie mit ihren Autos nicht mehr in die Städte dürfen.


Beispiel München: Der Freistaat Bayern hat eine Gnadenfrist bis Ende des Jahres bekommen. Dann muss ein Konzept vorliegen, wie die Luft vor allem in der Landeshauptstadt verbessert werden kann. Der Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH) vom 1. März 2017 sieht ein Fahrverbot vor.


Somit wird wohl wegen des Stickoxid-Ausstoßes Dieselautos die Einfahrt in die Umweltzone verboten werden. Der ADAC Südbayern spricht deswegen von einem „herben Schlag für die Verbraucher“, sagt Verkehrspolitischer Sprecher Alexander Kreipl. „Der Richter hat unmissverständlich deutlich gemacht, dass es zu einer schnellstmöglichen Einhaltung des Immissionsgrenzwerts für Stickstoffdioxid drängt. Daran führt in Zukunft auch kein Weg vorbei, bis zum 31. Dezember 2017 muss ein vollzugsfähiges Konzept zur Fortschreibung des Luftreinhalteplans veröffentlicht werden.“ Kreipl appelliert an die Verantwortlichen in der Politik, „mit Augenmaß zu reagieren und nicht mit überzogenen Zwangsmaßnahmen“.

 

"Fahrzeughalter zahlen die Zeche von Politik und Auto-Industrie"

„Hier muss die Verhältnismäßigkeit gegenüber Diesel-Fahrzeugen im Bestand gewahrt bleiben“, warnt Kreipl. „Viele Pendler und Bürger sind auf das Fahrzeug angewiesen. Die jetzt bedrohten Automobile galten noch vor kurzem als sauberste mögliche Dieseltechnologie. Diesen Missstand sollte der Verbraucher nicht ausbaden müssen“, stellt Kreipl klar. Zur Verdeutlichung: „Hier kann es sich um Fahrzeuge handeln, die bis zum 31. August 2015 als Neuwagen verkauft wurden – und nicht nur um ,alte Stinker'.“ Der Verbraucher dürfe nicht die Zeche dafür zahlen, dass die Politik und die Autoindustrie die Weichen falsch oder zu spät gestellt hätten. Deutschlandweit sind aktuell 62 Städte von der Luftreinhalte-Problematik betroffen.


Macht ein Diesel noch Sinn?

Der ADAC Südbayern rät allen Autofahrern, sich beim Kauf eines Neuwagens genau zu überlegen, ob für sein persönliches Nutzungsverhalten ein Diesel-Modell noch Sinn mache. Oder ein anderes Modell besser wäre, um potenziellen Fahrverboten zu entgehen. Auf alle Fälle ist beim Kauf von gebrauchten Diesel-Autos Vorsicht geboten, falls man auch künftig innerhalb der Münchner Innenstadt damit unterwegs sein will.


Als sinnvolle und wirksame Maßnahmen zur Reduzierung der Schadstoffe durch den Pkw-Verkehr sieht der ADAC Südbayern folgende Ansatzpunkte:

 

  • Neue Diesel-Fahrzeuge müssen mit wirksamer und modernster NOx-Minderungstechnik ausgestattet sein.
  • Realitätsnahe Abgasprüfzyklen und möglichst zeitnahe Einführung zusätzlicher Messungen im Realbetrieb mit strengem Konformitätsfaktor.
  • Verkehrsverflüssigung durch Einsatz von „Grünen Wellen“, adaptiver Verkehrssteuerung und intelligenten Verkehrsleitsystemen.
  • Nutzung alternativer Antriebe in Fahrzeugflotten mit hoher innerstädtischer Fahrleistung (siehe Taxi-Absatz unten).
  • Ein attraktiver ÖPNV-Ausbau, insbesondere von S-Bahn (2. Stammstrecke) und U-Bahn (Linie 5), kann die laut aktueller ADAC Umfrage ohnehin schon auf Platz 1 liegenden Münchner in punkto Nutzung Öffentlicher Verkehrsmittel noch mehr zum Umstieg bewegen.
  • Der ADAC weist wiederholt darauf hin, dass CNG-Fahrzeugmodelle (Erdgas) in ausreichender Auswahl zu bezahlbaren Preisen auf dem Markt angeboten werden müssen.


Der Automobilclub leistet schon seit 2010 einen Beitrag für bessere Luft in München: In dem Münchner Eco-Taxi-Pilotprojekt werden besonders umweltschonende Taxifahrzeuge von Regionalclub Südbayern ausgezeichnet. Inzwischen gibt es rund 300 zertifizierte Umwelttaxis, die kaum Stickoxide oder Feinstaub ausstoßen. Münchner Firmen und Bürger können diese bestellen und damit alternative Antriebe in München unterstützen und somit für bessere Luft sorgen. Derzeit läuft ein Projekt des ADAC Südbayern mit der Landeshauptstadt München, dem Flughafen und der Messe an, dass die Etablierung von Elektro-Taxis fördern soll.

Autor: pm/lr