10.08.2012

London (AFP)

Deutsches Olympia-Team verfehlt Zielvereinbarung klar

Das deutsche Olympiateam hat sein intern formuliertes Medaillenziel in London deutlich verfehlt. Laut Zielvereinbarung zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und seinen Fachverbänden waren für London 86 Medaillen angestrebt worden. Zahlreiche Zielvereinbarungen sind demnach zu optimistisch formuliert worden. So wurde unter anderem mit einer Goldmedaille im Handball spekuliert, die Schwimmer sollten acht Medaillen holen.
Foto: © 2012 AFP Die deutschen Schwimmer sind in London untergegangen
Das deutsche Olympiateam hat sein intern formuliertes Medaillenziel in London deutlich verfehlt. Laut Zielvereinbarung zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und seinen Fachverbänden waren für London 86 Medaillen angestrebt worden.

Das deutsche Olympiateam hat sein hochgestecktes Medaillenziel in London meilenweit verfehlt. Die mit Spannung erwartete Veröffentlichung der geheimen Zielvereinbarungen zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und seinen Verbänden brachte ein Ergebnis zutage, das in seiner Gesamtheit mit der Realität in London wenig zu tun hat und jede Menge Fragen aufwirft. 86 Medaillen sollten es werden, davon 28 goldene. Nach 241 der 302 Entscheidungen kam das deutsche Team nur auf 38 Medaillen (10 Gold, 17 Silber, 11 Bronze).

Die Zielvereinbarung war im Herbst 2008 nach dem Ende der Sommerspiele in Peking getroffen worden. Mit Blick auf die Medaillenbilanz von Peking - dort gab es 41 Medaillen (16/10/15) - mutet die Prognose äußerst optimistisch an. Die Zielvereinbarung, deren Veröffentlichung ein Journalist der WAZ-Mediengruppe erwirkt hat, dient dem Bundesinnenministerium als eine Grundlage für die Vergabe von Fördergeldern.

"Es handelt sich hierbei um Ziele, auf die sich jeder einzelne Sportfachverband mit dem DOSB zu Beginn des olympischen Zyklus vor vier Jahren verständigt hat. Dies sind ausdrücklich keine einseitigen Vorgaben, sondern gemeinsame Einschätzungen der Chancen für London auf Grund der damals zu erwartenden Leistungsentwicklung in den Verbänden", teilte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper mit.

Die Zahlen als "konkrete Medaillenplanwirtschaft" zu interpretieren, ergänzte Vesper, "wäre naiv und ginge an der Sachlage vorbei". Jeder, der sich im Sport auskenne, wisse, dass sich "erfahrungsgemäß nur ein Teil der Jahre zuvor identifizieren Medaillenchancen realisieren lässt".

Vesper hob hervor, dass das System der Zielvereinbarungen "das alte System von Belohnung und Bestrafung abgelöst" habe. Es ermögliche den Verbänden, "den vierjährigen Vorbereitungsprozess auf die Olympischen Spiele gemeinsam mit dem DOSB zielgerichtet anzugehen und in Potenziale zu investieren".

Unter anderem wurde vor vier Jahren mit einer Goldmedaille im Handball spekuliert, die Schwimmer sollten acht Medaillen holen. Die Realität sieht anders aus: Kein Handball-Team qualifizierte sich für London, die Schwimmer holten am Samstag durch Thomas Lurz über 10 km im Freiwasser ihre erste Medaille (Silber). Die einzigen, die die Zielvereinbarungen erfüllen konnten, waren die Tischtennisspieler und die Slalomkanuten (je 2 Medaillen).

Das für den Sport zuständige Bundesministerium hatte in Absprache mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) wenige Minuten vor Ablauf einer gerichtlichen Frist (Freitag, 15.00 Uhr) die bisher geheim gehaltenen Zielvereinbarungen veröffentlicht.

In der vergangenen Woche hatte das Verwaltungsgericht Berlin einer Klage eines WAZ-Journalisten stattgegeben und anschließend dem BMI ein Zwangsgeld in Höhe von 10.000 Euro angedroht, falls es nicht bis Freitagnachmittag seiner Verpflichtung zur Auskunft nachkomme.

"Kurz vor Abschluss der Olympischen Sommerspiele 2012 sehen wir keine Notwendigkeit mehr, die zwischen den Sportfachverbänden und dem DOSB vereinbarten Medaillenziele vertraulich zu behandeln", wurde DOSB-Präsident Thomas Bach in einer Pressemitteilung zitiert. Man hätte die Zahlen im Rahmen der einer DOSB-Analyse aller Ergebnisse von London "ohnehin öffentlich gemacht".

Bach bedankte sich bei Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, dass er sich auch vor Gericht gegen eine vorzeitige Veröffentlichung ausgesprochen und so die "berechtigten Interessen des Sports" verteidigt habe. Im Übrigen gebe es zwischen den Medaillen und der Zuwendung von öffentlichen Fördermittel keinen Automatismus.

Friedrich erklärte, dass es zu seinen Aufgabe gehöre, sich für die schutzwürdigen Belange des Sports einzusetzen. "Dazu gehörte, im Rahmen des presserechtlichen Auskunftsverfahrens die erbetenen Auskünfte nicht zu erteilen", sagte der deutsche "Sportminister". Das Verwaltungsstreitverfahren sei nun beendet. Friedrich: "Nach dem Ausgang der Olympischen Spiele werden wir gemeinsam mit dem Sport nach einer sorgfältigen sportfachlichen Analyse die notwendigen Schlüsse für die zukünftige Sportförderung ziehen."

Autor: London (AFP)

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