23.02.2012 Deutschland

Surfst Du noch oder fastest Du schon?

Datenschützer fordert 40-tägige kollektive Facebook-Auszeit


Während der Fastenzeit verzichten viele Menschen auf etwas, das ihnen lieb ist: Alkohol, Fleisch oder Süßes. Aber bis Ostern auf Facebook verzichten? Auf so eine Idee ist bis jetzt noch niemand gekommen. Bis jetzt.

Der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte Edgar Wagner schlug bei der Präsentation seines Jahresberichtes ein kollektives Facebook-Fasten vor: 40 Tage, von Aschermittwoch bis Ostern, sollen Internetnutzer auf das soziale Netzwerk verzichten, wie die Bild-Zeitung berichtete.

 

Daten über Daten über Daten

Die große Anzahl der von Facebook gesammelten Daten stelle einen „Angriff auf unsere Kultur“ dar, so Wagner. Das Unternehmen nutze den menschlichen Kommunikationsdrang dazu aus, um Persönlichkeits- und Verhaltensprofile zu erstellen. Dadurch könne man leicht erkennen, wie die Internetnutzer in der Vergangenheit agierten und genauso voraussagen, wie sie sich in der Zukunft verhalten werden, wie es auf der offiziellen Internetseit des Datenschutzes und der Informationsfreiheit Rheinlandpfalz heißt. Facebook diene weder einem sozialen Nutzen, noch, wie allgemein angenommen, dem Knüpfen von Freundschaften, sondern lediglich einer „umfassenden Kommerzialisierung des Lebens, insbesondere der Privatsphäre“, so Wagner weiter.
 
 
Virtuelles Abbild der Person
Wer auf das große Facebook-Fasten keine Lust hat, solle sich zumindest tiefgründig über die gespeicherten Daten informieren. Per Mail an datarequests@fb.com können Nutzer diese Auskünfte beantragen. Auch sollten die Mitglieder der Internetplattform überdenken, ob sie ihr Profil wirklich unter ihrem echten Namen führen wollen oder lieber einem Pseudonym. Je mehr Zeit auf Facebook verbracht werde, desto klarer werde das Abbild der eigenen Person im Internet sichtbar, so der Datenschutzbeauftragte.
 
 
Keine offiziellen Facebook-Seiten
Auch die Profile und Seiten von staatlichen Behörden oder Medien auf der sozialen Plattform hält der Rheinland-Pfälzer wegen der datenschutzrechtlichen Probleme für unangebracht. Politiker sollten sich von Fanseiten auf Facebook distanzieren und – das Wochenblatt berichtete bereits darüber – Polizeifahndungen über das Netzwerk seien problematisch und zur Aufklärung von Fällen eher unpassend.
 
 
Das große Fasten
Der Aschermittwoch diente als Anlass für diese Idee. Beim Facebook-Fasten sei die Ausbildung von Tugenden, wie Selbstdisziplin und Selbstkontrolle, ausschlaggebend. Nicht unbedingt der Verzicht auf das Glas Wein, sondern eben auch auf Facebook stelle sich schließlich nicht von selbst ein. Man solle die eigene Rolle auf Facebook – Konsument des Dienstes oder als Ware mit der Facebook Millionen scheffelt – in der Auszeit überdenken. Die „Antwort liege auf der Hand“, die nötigen Schlussfolgerungen daraus seien zu ziehen. „Genau darum gehe es beim Facebook-Fasten“, auch wenn es nicht gerade leicht sei.
 
 
Keine Schokolade dafür Facebook?
Alkohol (67 Prozent), Süßigkeiten (60 Prozent) und Fleisch (41 Prozent) sind laut einer von der Bild-Zeitung genannten Forse-Umfrage der DAK die Top drei auf der Verzichtsliste zur Fastenzeit. Danach kommen Zigaretten (35 Prozent), Fernsehen (34 Prozent) und Handy (31  Prozent). Ganz im Sinne von Edgar Wagner lassen sogar 13  Prozent die Finger von Computer und Internet. 
 
 
Interessant wäre hier nur zu wissen, wie viele auf Computer und Smartphone – und somit wirklich komplett auf Facebook – verzichten.
Autor: Christine Resch

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