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27.05.2012

Basel (AFP)

DFB-Team nach Bruchlandung in Basel konsterniert

Zwei Wochen bleiben Bundestrainer Joachim Löw noch, um die deutsche Nationalmannschaft EM-tauglich zu machen.
Foto: © 2012 AFP Was nun, Jogi Löw?
Gegen Frankreich 1:2 verloren, in der Schweiz 3:5 unter die Räder gekommen: Nach zwei bitteren Niederlagen 2012 ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft weit von einer Favoritenrolle bei der EURO in Polen und der Ukraine entfernt.

Als kurz vor der Landung in Nizza die prominenten Passagiere des Sonderflugs LH 343 noch einmal kurz von heftigen Turbulenzen heimgesucht wurden, fühlte sich Joachim Löw unwillkürlich an den vorangegangen Auftritt seiner Mannschaft erinnert. Denn bei der historischen 3:5 (1:2)-Niederlage der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Basel gegen die Schweiz hatte vor allem die Abwehr des vermeintlichen EM-Favoriten noch mehr gewackelt als der Airbus 320, mit dem die DFB-Auswahl in der Nacht zum Sonntag wieder ihr Trainingslager in Südfrankreich erreichte.

"Das Ergebnis ist ärgerlich, das hätten wir nicht gedacht. Darüber kann man sich natürlich nicht freuen. Wir haben viel zu viele Fehler in unserem Spiel gemacht. Es gibt nun einiges aufzuarbeiten, denn es sind sehr viele Dinge passiert, die muss man noch mal in Ruhe vor sich ablaufen lassen und dann analysieren", sagte Löw, der mit seinem Trainerstab den geplanten Besuch des Formel-1-Rennens in Monaco kurzfristig absagte und stattdessen lieber Video-Analyse betrieb.

Während des Tests gegen die Eidgenossen hatte der 52-Jährige immer wieder die Hände vor das Gesicht geschlagen angesichts der teilweise stümperhaften Vorstellung seiner Mannschaft, die am 9. Juni ihr erstes Gruppenspiel bei der EURO in Polen und der Ukraine gegen Portugal bestreitet.

Löw zieht nun ausgerechnet all seine Hoffnung auf Besserung aus der Verstärkung durch den achtköpfigen Bayern-Tross, der nach seiner denkwürdigen Frustsaison erst am Samstag an der Côte d'Azur eintraf. Nachdem Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Co. eine Woche zuvor nach ihrem verlorenen Champions-League-Finale mit Bayern München gegen den FC Chelsea noch tagelang als Problemfälle mit möglichen Folgeschäden galten, werden sie nun ohne eigenes Zutun als Heilsbringer gehandelt.

"Grundsätzlich machte ich mir keine Sorgen, denn wir haben noch zwei Wochen Zeit. Einige Spieler haben gefehlt, die unser Spiel prägen. Mit den Bayern-Spielern gehen wir zur Normalität über. Ab Montag beginnt die Vorbereitung auf die EM", sagte Löw und rief eine neue Zeitrechnung aus. Auch Teammanager Oliver Bierhoff gab Entwarnung: "Sorgen mache ich mir nicht, weil ich weiß, welche Qualität in der Mannschaft steckt. Wir wissen, dass wir noch viel arbeiten müssen, aber wir haben auch noch 14 Tage Zeit bis zum EM-Start."

Die FCB-Profis, die am Donnerstag bei der EM-Generalprobe des DFB-Teams gegen Israel in Leipzig spielen sollen, düsten am Sonntag zunächst einmal mit dem Großteil der Schweiz-Versager per Hubschrauber Richtung Monte Carlo, um den Großen Preis von Monaco zu verfolgen. Am Montag beginnt dann "die heiße Phase" der EM-Vorbereitung, einen Tag später muss der Bundestrainer sein endgültiges 23-köpfiges bei der UEFA benennen. Wer von den 27 Profis des vorläufigen EURO-Aufgebotes durch den Rost fällt, darf bis dahin gerätselt werden.

Dass es Torwart Marc-André ter Stegen nach dessen verunglückter Premiere gegen die Schweiz trifft, scheint beschlossen. "Er darf jetzt den Kopf nicht hängen lassen. Bei den ersten zwei Toren wurde er ganz kalt erwischt, sieht dann in der ein oder anderen Situation unglücklich aus. Er ist ein großartiger Torhüter mit viele gute Anlagen, viele gute Qualitäten. Er wird seinen Weg machen", sagte Löw tröstend in Richtung des Gladbacher Lehrlings. Wahrscheinlich muss in Julian Draxler ein weiterer Debütant am Dienstag seine Sachen packen. Ilkay Gündogan, die Bender-Zwillinge Sven und Lars sowie Cacau und möglicherweise auch Marcel Schmelzer könnte es ebenso treffen.

Nach der Vorstellung von Basel könnte Löw aber auch seine komplette Abwehr austauschen, die jegliche EM-Tauglichkeit vermissen ließ. "Man muss weiter hart an sich arbeiten, sonst wird das nichts mit der EM", gab der ebenso wie Mats Hummels völlig indisponierte Per Mertesacker zu. Und Sami Khedira sagte: "So schnell wird man vom Favoriten zum Außenseiter." Der spanische Meister enttäuschte ebenso auf der ganzen Linie wie sein Real-Kollege Mesut Özil. Und auch Ersatz-Kapitän und Torjäger Miroslav Klose ist nach seiner Verletzungspause noch meilenweit von seiner Bestform entfernt.

Der Neu-Hoffenheimer Eren Derdiyok (21./23./50. Minute) mit einem Dreierpack sowie Stephan Lichtsteiner (67.) und Admir Mehmedi (76.) hatten gegen die DFB-Elf leichtes Spiel und sorgten für den ersten Sieg ihres Landes gegen den Nachbarn seit 1956 (3:1 in Frankfurt). Mats Hummels mit seinem ersten DFB-Tor (45.), André Schürrle (64.) und Marco Reus (72.) betrieben vor 27.381 Zuschauern lediglich Ergebniskosmetik gegen die noch nicht mal für die EM qualifizierten Schweizer.

Autor: Basel (AFP)