Wochenblatt
12.06.2012

Stuttgart (AFP)

Bundesanwaltschaft: Becker an Buback-Mord beteiligt

Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker ist nach Auffassung der Bundesanwaltschaft mitschuldig am Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahr 1977 und muss deshalb bestraft werden.
Foto: © 2012 AFP Becker war laut Bundesanwaltschaft nicht die Schützin
Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker ist nach Auffassung der Bundesanwaltschaft mitschuldig am Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahr 1977 und muss deshalb bestraft werden.

Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker ist nach Auffassung der Bundesanwaltschaft mitschuldig am Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahr 1977 und muss deshalb bestraft werden. Ob Becker wegen Mittäterschaft oder Beihilfe verurteilt werden soll, ließen die Bundesanwälte in ihren Plädoyers vor dem Oberlandesgericht Stuttgart zunächst ebenso offen wie ihre Strafforderung.

Bundesanwalt Walter Hemberger und seine Kollegin Silke Ritzert betonten mit Blick auf den Nebenkläger und Sohn des Opfers, Michael Buback, allerdings ausdrücklich, dass es keine Beweise für dessen These gebe, Becker sei die Todesschützin bei den Morden an Buback und seinen beiden Begleitern am 7. April 1977 gewesen. Hemberger warf dem Nebenkläger in diesem Zusammenhang vor, er wolle Becker als Täterin "zurechtbiegen" und unterstelle dazu den damals ermittelnden Beamten, Zeugenaussagen unterschlagen und belastende Beweise manipuliert zu haben.

Hemberger wies zudem die früher behauptete Vermutung Bubacks zurück, der Verfassungsschutz habe bei den damaligen Ermittlungen zu dem Attentat seine schützende Hand über Becker gehalten, weil sie Informantin des Geheimdienstes gewesen sein soll. "Die Hauptverhandlung hat bestätigt, dass der Anschlag nicht unter staatlicher Aufsicht oder gar Verantwortung erfolgte", sagte Hemberger. Auch sei seine Aufklärung nicht von staatlicher Seite behindert worden.

Hemberger zufolge sind in 91 Verhandlungstagen alle Beweismittel "mit großer Akribie ausgeschöpft worden". Es habe sich aber keinen Hinweis auf eine Beteiligung Beckers an dem unmittelbaren Mordanschlag am 7. April 1977 ergeben. Im Gegenteil: Sekret- und Haarspuren an der von den Tätern getragenen Motorradkleidung stammten nicht von Becker und wiesen auf Männer hin. Allerdings habe die Frage, wer damals vom Sozius des von den Tätern genutzten Motorrads geschossen hatte, in dem Verfahren nicht geklärt werden können. "Becker kommt als Schützin jedenfalls nicht in Betracht", betonte Hemberger.

Die Bundesanwälte halten die inzwischen 59-jährige Becker gleichwohl für überführt, an dem Anschlag im Vorfeld beteiligt gewesen zu sein. Becker hat sich laut Anklage bei zwei Planungstreffen der RAF für das Attentat im Harz und in den Niederlanden für den Anschlag ausgesprochen und gefordert: "Der General muss weg".

Für Beckers Beteiligung sprechen laut Ritzert auch Tagebuchaufzeichnungen in welchen die Angeklagte schrieb: "Ich weiß noch nicht, wie ich für Herrn Buback beten soll. ... Natürlich würde ich es heute nicht mehr machen." Becker ist den Angaben zufolge auch an dem Versand von Bekennerbriefen beteiligt gewesen, wie DNA-Spuren ergaben.

Vorerst blieb offen, welches Strafmaß die Bundesanwaltschaft für Becker fordern wird. Sie wird am Donnerstag ihre Plädoyers fortsetzen. Zudem wird der Nebenkläger Buback am Donnerstag und Freitag seine These zur Tatbeteiligung Beckers darlegen. Die Verteidigung plädiert kommende Woche, das Urteil wird für den 6. Juli erwartet.

Autor: Stuttgart (AFP)

Das könnte Sie auch interessieren

Festnahme, Handschellen

Mitwisser?

Festnahme im Zusammenhang mit der Amoktat: 16-Jähriger verwickelte sich in Widersprüche

Am Sonntag, 24. Juli, gegen 18.15 Uhr, wurde von Kräften des Sondereinsatzkommandos eine Wohnung im Münchner Stadtteil Laim auf Anordnung der Staatsanwaltschaft München I betreten. In der Wohnung wurde ein 16-jähriger Afghane festgenommen. Bei der Person handelt es sich um einen Jugendlichen, der in einer freundschaftlichen Beziehung zu dem toten 18jährigen deutsch-iranischen Amokschützen stand. mehr ...

Attentäter

Amoklauf

Mitschülerin behauptet: Der Münchener Amokläufer war Autist und wurde gemobbt

Nach dem Amoklauf des 18-jährigen David Ali S., der 10 Menschenleben gefordert hat, meldet sich auf facebook jetzt eine angebliche Mitschülerin zu Wort. mehr ...

Viele Verletzte bei Explosion in Ansbach - Spezialeinsatzkraefte vor Ort

Eilmeldung

Schwere Sprengstoffexplosion in Ansbach, mindestens ein Toter, zehn Verletzte

Sonntagnacht, 24. Juli, hat es in Ansbach in Mittelfranken eine schwere Explosion gegeben. mehr ...

Am frühen Sonntagabend, 24. Juli, mussten die Regensburger Wasserretter zu einem Einsatz an die Donau ausrücken. "Person im Wasser", so das Stichwort.

Einsatz

Person im Wasser: Regensburger Wasserretter mussten am Sonntag ausrücken

Am frühen Sonntagabend, 24. Juli, mussten die Regensburger Wasserretter zu einem Einsatz an die Donau ausrücken. "Person im Wasser", so das Stichwort. mehr ...

mehr Bilder ansehen
Schießerei im Olympia-Einkaufszentrum in München

Amoklauf

Mitschülerin des Amokläufers erhebt schwere Vorwürfe gegen die Schule

Eine Mitschülerin des 18-jährigen Amokläufers Ali David S. erhebt auf Facebook schwere Vorwürfe. Der Deutsch-Iraner sei gemobbt worden, Lehrer hätten ihn nicht wegschicken dürfen. mehr ...

Legend Of Tarzan 3D

Legend Of Tarzan 3D

John Clayton, Lord Greystoke, auch unter dem Namen Tarzan bekannt, hat den afrikanischen Dschungel schon vor Jahren hinter sich gelassen. Doch eines Tages wird er vom Parlament als Sonderbotschafter für Handelsfragen zurück in den Kongo berufen. Dabei ahnt er noch nicht, dass hinter diesem Vorhaben der habgierige und rachsüchtige Belgier Leon Rom steckt. mehr ...