21.01.2014 Wien

Beobachtung gegenseitiger Umgangsweisen ermöglicht Rückschlüsse

Babys erkennen zwischenmenschliche Beziehungen

Baby Hände
Foto: 123rf.com
Babys sind in der Lage zu erkennen, in welcher Beziehung Erwachsene zueinander stehen. Rückschlüsse werden aus der Beobachtung gezogen, ob zwei Personen freundlich miteinander umgehen oder nicht.

Die Studie ist von Forschern der University of Chicago http://uchicago.edu durchgeführt worden. Den Wissenschaftern zufolge ist diese besondere Fähigkeit schon im zarten Alter von neun Monaten ausgeprägt. Die Studienergebnisse sind im Journal of Experimental Psychology: General http://apa.org/pubs/journals/xge veröffentlicht worden.

Wahrnehmung der Stimmung wichtig

"Die Erhebung beweist in erster Linie, dass Babys schon sehr früh erkennen können, in welcher Stimmung andere Menschen sind. Es ist entwicklungspsychologisch ja auch sinnvoll, dass Babys auf die emotionale Befindlichkeit von Erwachsenen adäquat reagieren", erläutert Psychotherapeut Dominik Rosenauer.

"Hier zeigt sich, dass sich Babys wundern, wenn das Verhalten der Erwachsenen nicht zusammen passt. Beim Essen sind die beiden beobachteten Personen freundlich und danach nicht mehr. Diese widersprüchliche Beobachtung löst mehr ein Unverständnis aus", erklärt der Experte. Dass Babys auf die Beziehung Rückschlüsse ziehen, sei seines Erachtens zu weit hergeholt. "Dennoch kann das Baby die Qualität der Beziehung erahnen", wendet Rosenauer ein.

Länge der Betrachtung entscheidend

Für die Erhebung sind 64 neunmonatige Babys in Gruppen eingeteilt worden, um verschiedene Videos anzusehen, in denen zwei Erwachsene je zwei unterschiedliche Nahrungsmittel zu sich nehmen. Dabei haben die Personen entweder positiv oder negativ auf jede der beiden Speisen reagiert. In einigen Videos waren die Erwachsenen einer Meinung in Bezug auf das Essen, in anderen nicht.

In einer späteren Reihe von Ausschnitten haben die gleichen Personen entweder durch freundliches Grüßen und Anlächeln positiv miteinander interagiert oder durch unfreundliche Gesten oder verkreuzte Arme ihre gegenseitige Abneigung zum Ausdruck gebracht. Vorangegangene Studien haben bereits bewiesen, dass die Dauer der Betrachtung einer Situation ausschlaggebend dafür ist, ob diese vom Kind als vertraut oder unerwartet wahrgenommen wird.

Die Forscher haben beobachtet, wie lange die Babys nach Ende des Videos noch auf den Bildschirm fokussieren. Das Ergebnis zeigt, dass die Kinder länger hingesehen haben und somit überrascht waren, wenn Erwachsene, welche übereinstimmend auf dieselbe Speise reagiert haben, plötzlich unfreundlich miteinander umgegangen sind. Erwachsene, die sich über das Essen uneinig waren, sich anschließend aber wie Freunde benommen haben, sorgten auch für Verwunderung sowie langen Blickkontakt.

Autor: pte/ms

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