28.05.2012

Damaskus (AFP)

Annan äußert sich in Syrien "schockiert" über Massaker

Der UN-Sonderbeauftragte Kofi Annan hat sich bei einem Besuch in Syrien schockiert über das Massaker von Hula mit mehr als hundert Toten gezeigt. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte das Blutbad.
Foto: © 2012 AFP UN-Sondergesandter Annan
Der UN-Sonderbeauftragte Kofi Annan hat sich bei einem Besuch in Syrien schockiert über das Massaker von Hula mit mehr als hundert Toten gezeigt. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte das Blutbad.

Überschattet von dem Massaker im syrischen Hula hat der Syrien-Sonderbeauftragte Kofi Annan seine Vermittlungsbemühungen mit einem erneuten Besuch in Damaskus fortgesetzt. Er sei "persönlich schockiert und entsetzt" von den Vorfällen in Hula, sagte Annan. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte das Blutbad und machte die syrische Regierung für den Tod von mehr als hundert Menschen in der Ortschaft mitverantwortlich.

Annan sprach nach seiner Ankunft in Damaskus von einem "Abscheu erregenden Akt mit weitreichenden Konsequenzen". In der zentralsyrischen Ortschaft Hula waren nach Angaben von UN-Beobachtern am Freitag mindestens 108 Menschen getötet und etwa 300 weitere verletzt worden. Dem Chef der UN-Beobachtermission in Syrien, Robert Mood, zufolge sind unter den Todesopfern 49 Kinder und sieben Frauen. Die meisten Opfer seien durch Granatsplitter oder Schüsse aus nächster Nähe getötet worden. Es gebe Spuren von Panzer- und Mörserfeuer.

Das Blutbad wirft die Bemühungen um eine Beilegung des seit mehr als einem Jahr andauernden Konflikts in Syrien weit zurück. Zu dessen Beendigung hatte Annan einen Sechs-Punkte-Plan vorgelegt, der unter anderem eine Waffenruhe ab Mitte April vorsah, die jedoch nicht eingehalten wird.

Annan wollte während seines Besuchs in Damaskus mit Präsident Baschar al-Assad, Oppositionsvertretern und General Mood zusammenkommen, wie Regierungssprecher Ahmad Fausi sagte. Es ist Annans zweiter Besuch in Damaskus seit dem Beginn seiner Vermittlungsmission im Auftrag von Vereinten Nationen und Arabischer Liga vor rund drei Monaten.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte einstimmig "die durch Beobachter der Vereinten Nationen bestätigten Tötungen Dutzender Männer, Frauen und Kinder und die Verletzungen hunderter weiterer (Menschen) in der Ortschaft Hula bei Homs durch Angriffe, die mit anhaltendem Artillerie- und Panzerbeschuss durch Regierungseinheiten auf eine Wohngegend einhergingen". Erneut verlangte das Gremium, dass alle Parteien jegliche Gewalt beenden müssten.

Die UN-Vetomacht Russland machte sowohl Damaskus als auch die Opposition für das Massaker verantwortlich. In Hula hätten "offensichtlich beide Parteien" an dem Blutbad mitgewirkt, sagte Außenminister Sergej Lawrow nach einem Treffen mit seinem britischen Kollegen William Hague in Moskau. Die internationale Gemeinschaft sollte den Annan-Plan umsetzen und keinen "Regimewechsel" in Syrien betreiben.

"Dem Assad-Regime muss unmissverständlich klar gemacht werden, dass es jeden Kredit verspielt hat und mit solchen Taten das Unheil nur noch verschlimmert", erklärte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP). Die Führung in Peking zeigte sich "tief schockiert" und forderte eine Untersuchung.

Damaskus selbst wies jede Verantwortung zurück und gab "Terroristen" die Schuld an dem Massaker. So werden von der Führung des Landes allgemein die seit März 2011 gegen Assad kämpfenden Aufständischen im Land bezeichnet. Im ganzen Land protestierten am Sonntag nach Angaben von Aktivisten tausende Menschen wegen des Massakers.

Bei neuer Gewalt wurden an den Pfingsttagen in Syrien insgesamt fast sechzig Menschen getötet, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Autor: Damaskus (AFP)

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