19.06.2017

Washington (AFP)

Abschuss von syrischem Jet verschärft Spannungen zwischen Moskau und Washington

Der Abschuss eines syrischen Kampfjets durch die US-Luftwaffe verschärft die Spannungen zwischen Washington und Moskau. Das russische Verteidigungsministerium drohte, Flugzeuge der US-geführten Militärkoalition ins Visier zu nehmen.
Foto: © 2017 AFP US-Generalstabschef Dunford
Der Abschuss eines syrischen Kampfjets durch die US-Luftwaffe hat die Spannungen zwischen Washington und Moskau verschärft. Das russische Verteidigungsministerium drohte am Montag, Flugzeuge der US-geführten Militärkoalition ins Visier zu nehmen.

Der Abschuss eines syrischen Kampfjets durch die US-Luftwaffe hat die Spannungen zwischen Washington und Moskau erheblich verschärft. Das russische Verteidigungsministerium drohte am Montag, Flugzeuge der US-geführten Militärkoalition ins Visier zu nehmen. Das Ministerium setzte außerdem eine Sicherheitsvereinbarung mit den USA aus, die Kollisionen im syrischen Luftraum vermeiden soll. Das Pentagon signalisierte, dass es sich rasch um Deeskalation bemühen wolle.

Der Kommunikationskanal mit dem russischen Militär habe "in den vergangenen acht Monaten sehr gut funktioniert", sagte der Generalstabschef der US-Streitkräfte, Joe Dunford. Deshalb solle in den kommenden Stunden auf diplomatischer und militärischer Ebene darauf hingewirkt werden, diesen Kanal wieder zu eröffnen.

Das Verteidigungsministerium in Moskau hatte zuvor angekündigt, dass nun "alle Flugobjekte, einschließlich Flugzeuge und Drohnen der internationalen Koalition", die westlich des Euphrat-Flusses entdeckt würden, von der russischen Flugabwehr und Luftwaffe verfolgt und als "Ziele" betrachtet würden.

Russland ist im syrischen Bürgerkrieg der wichtigste Verbündete von Staatschef Baschar al-Assad. Bereits im April hatte Moskau gedroht, die Sicherheitsvereinbarung mit den USA auszusetzen - damals als Reaktion auf einen von US-Präsident Donald Trump angeordneten Raketenangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt.

Beim jetzigen Vorfall schoss die US-Luftwaffe am Sonntag im Norden Syriens ein Flugzeug der syrischen Regierungsarmee ab. Assads Strteitkräfte bezeichneten das als Akt der "Aggression". Die USA hätten die Maschine abgeschossen, als diese einen Einsatz gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) geflogen habe.

Die US-geführte Koalition sprach dagegen von "Notwehr". Der syrische Jet habe Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) bombardiert. Das SDF-Bündnis besteht aus kurdischen und arabischen Einheiten und belagert mit Unterstützung der Militärkoalition sowie von US-Spezialkräften die IS-Hochburg Raka im Norden Syriens.

Derweil griff der Iran nach eigenen Angaben erstmals IS-Stellungen mit Raketen an, was den Konflikt weiter verkomplizierte. Die iranischen Revolutionsgarden sprachen von einer "erfolgreichen Operation" in der ölreichen Region Deir Essor. Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens wurde dabei auch der IS-Kommandeur Saad al-Hosseini getötet, der als Abu Saad bekannt ist.

Den Revolutionsgarden zufolge war der Angriff eine "Vergeltung" für Attentate im Zentrum Teherans am 7. Juni. Bei den Angriffen auf das iranische Parlament und das Mausoleum von Ayatollah Khomeini waren 17 Menschen getötet worden. Der IS beanspruchte die Angriffe für sich.

Der überwiegend schiitische Iran unterstützt im Syrien-Konflikt Assad gegen die sunnitische IS-Miliz. Es war das erste Mal seit dem Krieg gegen den Irak vor rund 30 Jahren, dass der Iran Raketen auf Ziele im Ausland abfeuerte. Die iranische Armee erklärte, die Verteidigung beschränkte sich angesichts der Bedrohung "durch Terroristen und andere Feinde" nicht mehr auf die Grenzen des Landes.

Die UNO äußerte nach den jüngsten Entwicklungen ihre "tiefe Besorgnis", dass der Syrien-Konflikt weiter eskalieren könnte. Dieses Risiko werde gesteigert, wenn der Kampf gegen den IS und andere extremistische Gruppierungen nicht mit der Suche nach einer "umfassenden politischen Lösung" für das Land verbunden werde, sagte UN-Sprecher Stephane Dujarric.

Eine neue Runde der auf Initiative Russlands, des Iran und der Türkei stattfindenden Syrien-Verhandlungen im kasachischen Astana soll am 4. und 5. Juli stattfinden, wie das Außenministerium von Kasachstan mitteilte. Die Astana-Verhandlungen zielen vor allem auf einen dauerhaften Waffenstillstand ab. Sie finden parallel zu den bereits seit 2014 laufenden Genfer Gesprächen statt, die sich stärker um die politische Zukunft Syriens drehen.

Autor: Washington (AFP)

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