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14.06.2012 Deutschland

Kabelverträge sollen gekündigt werden

Bald kein ARD und ZDF mehr?


Weil ARD und ZDF ihre Kabelverträge kündigen wollen, sitzen viele Millionen Kabelkunden in Deutschland vielleicht bald nicht mehr in der ersten Reihe ...

Medienberichten zufolge eskaliert der Streit um die Kabelgebühren. ADR und ZDF haben damit gedroht, ihre Verträge mit wichtigen Betreibern von Kabelnetzen Ende Juni zum Jahresende 2012 zu kündigen. Ein großer Teil der 17,3 Millionen deutschen Kabelhaushalte würde dann nicht mehr „in der ersten Reihe” sitzen.

 

Hintergrund: ARD und ZDF sind nicht länger bereit, Jahr für Jahr rund 60 Millionen Euro Einspeisegebühr zu zahlen, damit ihr Programm-Angebot im Kabelnetz übertragen wird. Wie berichtet wird, haben die öffentlich-rechtlichen Sender diesen Betrag aus ihren Bedarfsanmeldungen für das kommende Jahr gestrichen.

 

Betroffen wären in erster Linie Kunden von Kabel Deutschland, Kabel BW und Unitymedia. Adrian von Hammerstein, Chef von Kabel Deutschland, zeigt sich unbeeindruckt: „Alle TV-Sender zahlen Einspeiseentgelte für die Verbreitung bei Kabel Deutschland. Wir sehen keine Veranlassung, daran etwas zu ändern."

 

Für Kabel Deutschland geht es um 27 Millionen Euro pro Jahr. Das ist kein Pappenstiel.

 

Brigitte Busch, Chefin von ARD-Digital, erklärt: Wenn wir unsere Verträge kündigen, werden wir dies fristgerecht bis zum Monatsende Juni tun".

 

Die öffentlich-rechtlichen gehen selbst bewust davon aus, dass ARD und ZDF schlicht und einfach wichtig für die Kabelbetreiber seien. Sie sind überzeugt davon, dass die Kabelfirmen es ihren zahlenden Kunden nicht erklären werden können, wenn plötzlich wichtige Sender fehlen.

 

Wie wichtig ARD und ZDF sind, sieht man daran, dass die öffentlich-rechtlichen sich bei der aktuell laufenden Fußball-Europameisterschaft die Übertragungsrechte für alle wichtigen Spiele gesichert haben. Zudem übertragen die öffentlich-rechtlichen Sender Filme werbefrei, worauf viele Zuschauer sehr viel wert legen. Von den Nachrichten-Magazinen und Dokumentationen ganz zu schweigen.

 

ZDF-Sprecher Alexander Stock betont außerdem, dass keine gesetzliche „Must Carry"-Regel gäbe, wonach die Verbreitung der öffentlich-rechtlichen Sender in den Kabelnetzen vorgeschrieben sei.

 

Die Drohgebärden scheinen Wirkung zu erzielen: Kabel-Deutschland-Sprecher Marco Gassen signalisiert zeigt sich gesprächsbereit: „Wir wollen mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten verhandeln", beteuert er. Weitere Gespräche seien vereinbart, allerdings noch ohne konkreten Termin, sagt Gassen.

 

Einen Artikel zum Thema lesen sie auch auf Welt.de: „ARD und ZDF wollen Kabel-Verträge kündigen”

Autor: Jürgen Unterhauser

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