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01.07.2012 Traunstein

Ein Projekt mit Ecken und Kanten

Wasserkraftwerk Triftweg liefert Strom für 200 Haushalte


Offizielle Einweihung des Wasserkraftwerks Triftige in Traunstein. Reger Besucherandrang beim Tag der offenen Türe.

Offiziell eingeweiht wurde am Samstag Vormittag das Wasserkraftwerk Triftweg in Traunstein. Vor rund 100 Gästen und Besuchern aus der Kommunalpolitik, den beteiligten Firmen, der Geistlichkeit, Behörden aber auch vielen Bürgern, die sich das Kraftwerk anschauen wollten oder einfach bei dem reichhaltigen Programm zum Tag der offenen Tür dabei sein wollen, wurde das neue Wasserkraftwerk eingeweiht, das inzwischen Strom für rund 200 Haushalte in Traunstein liefert. Die Turbine dreht sich bereits seit 6. Januar diesen Jahres, seit Frühjahr 2012 liefert das Kraftwerk Strom.


  Einer der Geschäftsführer der Stadtwerke Traunstein, Stefan Will ging in seiner Rede auf die langfristigen Planungen ein, die im Rahmen des Hochwasserschutzes auch für das Wasserkraftwerk im Jahr 2007 entstanden waren und letztlich in eine Gemeinschaftsaktion zwischen Freistaat, Stadt und Stadtwerke mündeten, was sich auch als Chance für die weiteren Triebwerksbesitzer an der Traun dargestellt hat. Baubeginn war das Frühjahr 2011, der Mühlbach war daraufhin für einige Monate leer, das alte Wehr, das über 90 Jahre das Stadtbild Traunsteins mitprägte, wurde abgerissen. Der Anbindung des alten Werkkanals an den neuen Kanals folgte die Schaffung des Verbindungskanals, der Traunsteiner und Haslacher Mühlbach wurden zusammengeschlossen. Dazu kam der Bau des Wasserkraftwerks, ein "Projekt mit Ecken und Kanten" wie Will ausführte. Schwierigkeiten beim Bau hätten teilweise zu Mehrkosten geführt, und auch von Seiten der Nachbarn habe es Proteste gegeben. Hinzu sei zuletzt noch ein Schaden an der Fischbauchklappe gekommen. Dem gegenüber stünden, die gute Zusammenarbeit in dem Gemeinschaftswerk, ein guter und koordinierter Bauablauf, der auch in der Bauzeit von Hochwasser verschont blieb und eine unfallfreie Baustelle. Das Bauwerk füge sich nathlos in die Umgebung ein. "Es ist technisch und funktional gelungen, ein Symbol moderner Technik".

 

Oberbürgermeister Manfred Kösterke blickte in seiner Rede auf die Geschichte der Region zurück. Reiche doch die Nutzung der Wasserkraft, gerade wenn man an das rund 200 Meter entfernte Griesmeisterhaus denke rund 400 Jahre zurück. Nachdem man in Bad Reichenhall im Jahre 1612 begonnen habe, das Salzvorkommen auszubeuten, habe man in Traunstein die Saline gebaut und an dem Ort mit dem Triftwesen in der Stadt begonnen. 400 Jahre später weihe man nun das Wasserkraftwerk ein. Die Wasserkraft sei eine echte erneuerbare Energie, in der man jede Kilowattstunde ausnutzen wolle, wenn "wir das ökologisch hinbekommen". Impulsgeber für den Bau des Wasserkraftwerks sei letztlich der Hochwasserschutz. Gerade sein Amtsvorgänger Alt-Oberbürgermeister Fritz Stahl habe nach den Jahrhunderthochwassern der Jahre 1999/ 2002 darauf hin gearbeit hier den erforderlichen Schutz zu erhalten. "Herausgekommen ist auch ein wunderschönes Naherholungsgebiet in dem sich die Traunsteiner richtig wohlfühlen können" so der Oberbürgermeister. Das Kraftwerk funktioniere und arbeite technisch und wirtschaftlich, die Turbine drehe sich seit dem 6. Januar. Er erwarte, dass prognostizierte Werte erreicht werden. In seinem Dank an die Beteiligten blickte er langfristig voraus: man wolle das Kraftwerk die nächten 100 Jahre vernünftig betreiben. "Fast 100 Jahre hat das Wehr das Stadtbild geprägt. Das soll jetzt das neue Kraftwerk Triftweg tun."

 

Stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser betonte Stromnetze und Stromleitungen seien "Lebensadern". Strom ermögliche erst unseren heutigen hohen Lebensstandard. Steigende Stromkosten würden es erforderlich machen, mehr und mehr erneuerbare Energien einzusetzen. Ziel des Landkreis sei weiterhin bis zum Jahr 2020 100 Prozent des Stroms für Haushalte, Kommunen und Gewerbebetriebe aus erneuerbaren Energien zu decken."Diese große Herausforderung schaffen wir nur gemeinsam" betonte Konhhäuser. Das Wasserkraftwerk Triftweg sei hier ein wichtiger Baustein. Die Wasserkraft erbringe (Stand 2010) 146 Gigawatt. Diese sollten bis 2020 auf 300 GWh gesteigert werden. Ohne die verstärkte Nutzung der Wasserkraft sei das Landkreis-Ziel nicht zu erreichen. Im Landkreis gäbe es derzeit 115 Anlagen. Konhäuser wies darauf hin, dass man von Seiten des Landkreises derzeit mit der Stadt Traunstein eine weitere Maßnahme am Mühlbach plane (ehemalige Hasslberger Mühle im Bereich des Chiemgau Gymnasiums). "Der Landkreis Traunstein befürwortet zudem grundsätzlich den Ausbau bestehender Anlagen und die Errichtung neuer Wasserkraftwerke, vor allem im Rahmen der Sohlstabilisierung an der Salzach" betonte der Stellvertretende Landrat.

 

 

 

Sorgsamer Umgang mit der Schöpfung

 

Die Weihe des Kraftwerks nahmen Stadtpfarrer Georg Lindl und der evangelische Pfarrer Torsten Fecke vor, die sich in ihrem Gebet dankbar für den Bau des Kraftwerks zeigten. Pfarrer Fecke machte in seiner kurzen Preidgt deutlich, dass der göttliche Auftrag an den Menschen sei, die Schöpfung zu bewahren und verantwortlich mit ihr umzugehen. In dieser Richtung müsse man auch das Thema Erneuerbare Energien sehen. Dabei hätten Christen speziell zur Wasserkraft einen besonderen Bezug wenn man an die Taufe denke, das sei "Gottes größtes Wasserkraftwerk" für die Gläubigen. Das Wasserkraftwerk Triftweg bringe seine Kraft und Energie zum Wohle der Bürger dar.

 

Abschließend zum offiziellen Teil der Weihe übergaben Günther Hartmann vom gleichnamigen Ingenieurbüro ein kleines Präsent und Wolfgang Lechner als planender und bauleitender Architekt symbolisch den Schlüssel für das Kraftwerk an die Stadtwerke Geschäftsführer Stefan Will und Josef Loscar. Lechner machte in seiner kurzen Ansprache deutlich, dass das Wasserkraftwerk "wahrlich keine einfache Aufgabe" gewesen sei. An dem markanten Platz stehe nun ein schiffsähnliches Gebilde. "Das verbaucht aber keine Energie, sondern erzeugt Energie."

 

 


Tag der offenen Tür

 

Im bunten Programm rund um den Tag der offenen Tür zeigte die Taekwando-Abteilung des SB Chiemgau-Traunstein Vorführungen, die vom unter großer Konzentration ausgeführten Holzbretter-zerschlagen zur Selbstverteidigung in Bedrohungssituationen führten. Verschiedene Informationsstände waren entlang der Traun aufgebaut, an dem die Besucher, aber auch so manche Radler, die auf dem gut ausgebauten Weg entlang der Traun unterwegs waren, ins Gespräch kommen konnten. Das Forum Ökologie und der Bund Naturschutz informierten zum Thema Wasserkraft, ein Stand des Chiemgauer zeigte auf, warum sich die Nutzung der Regionalwährung lohnt. Mütterzentrum, Kinderkrippe "Himmelszelt" und Arbeiterwohlfahrt informierten über ihre Arbeit. Der Kreisjungendring hatte mit einer Hüpfburg etwas für die jungen Besucher geboten. Das Wasserwirtschaftsamt und das Ingenieurbüro aquasoli informierten über den Hochwasserschutz an der Traun und das Cafemobil des Café Lenz sorgte für die Bewirtung. Die DLRG zeigte einige spektakuläre Rettungsaktionen in dem Kanal, der so manchen Schwimmer verleiten könnte sich in dem Bach treiben zu lassen, was sich am Rechen alles andere als ungefährlich herausstellen könnte, weshalb hiervor auch von Seiten der DLRG wie auch des Oberbürgermeisters ausdrücklich gewarnt wurde. Die Traunsteiner Stadtmusik sorgte bereits zur Weihe aber auch im Rahmen des Tag der offenen Tür für die gelungene musikalische Begleitung.

 

Ein wenig litt der Besuch der Bürger unter den Hitzewellen des Samstags, die einen noch besseren Besuch des Tag der offenen Tür verhindert hatten. "Es war leider viel zu heiss" betonte Stadtwerke Geschäftsführer Will und konnte sich aber gleichzeitig über eine gelungene Weihe und eines Tag der offenen Tür des Wasserkraftwerk Triftweg freuen, das hoffentlich dauerhaft das tun wird, was man von ihm erwartet: Für die nächsten gut 100 Jahre kontinuierlich ökologisch sauberen Strom für die Bürger der Stadt Traunstein liefern. 

 

Autor: awi

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