Die Wochenblatt App
18.06.2012 Traunstein

Nach Totschlag: Afrikaner (40) erhängte sich in JVA

Suizid vor Gerichtsprozess

JVA Traunstein
Foto: Axel Effner Gefängnis, Knast, hinter gittern
Wegen Totschlags an seiner Ex-Lebensgefährtin hätte sich am Dienstag dieser Woche der Äthiopier Hailu B. (40 ) vor dem Traunsteiner Landgericht verantworten müssen. In der Nacht zum Montag erhängte er sich in der JVA Traunstein.

Obwohl sie sich bereits getrennt hatten, lebte Hailu B. noch bei seiner ehemaligen Lebensgefährtin, der 55-jährigen Agnes M. in deren Mietwohnung im Traunsteiner Ortsteil Kotzing. In der Nacht zum 12. Dezember 2011 kam es nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft in der Wohnung zu einem heftigen Streit zwischen beiden. B. traktierte die Frau mit Faustschlägen, würgte sie und stach ihr in den Mund. Obwohl sich die Frau offenbar heftig zur Wehr zu setzen versuchte, starb sie schließlich am Erstickungstod. Verwandte der Frau hatten die Polizei verständigt, nachdem Agnes. B. ohne Nachricht nicht zur Arbeit erschienen und auch nicht zu erreichen war. Noch in der Nacht wurde der ehemalige Lebensgefährte festgenommen.

 

Bereits kurz nach der Tat hatte sich Hailu B. mit dem Messer verletzt und suizidale Tendenzen gezeigt. Hintergrund der Tat war möglicherweise Eifersucht, nachdem sich die verstorbene Agnes M. beziehungsmäßig anderweitig orientiert hatte und B. gebeten haben soll, auszuziehen. Wie vom Verteidiger von B., Rechtsanwalt Harald Baumgärtl aus Bernau, zu erfahren war, war der Äthiopier nach der Tat zunächst auf der psychiatrischen Abteilung in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Straubing behandelt worden.

 

Nachdem er einen stabilen Eindruck gemacht hatte, war er wieder in die JVA nach Traunstein verlegt worden. Um eine gewisse Überwachung zu gewährleisten, war Hailu B. in einer Mehrfach-Zelle untergebracht. Dort hatten ihn am frühen Montag Morgen dieser Woche Vollzugsbeamte erhängt vorgefunden. Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen war dem ehemaligen Lageristen nicht mehr zu helfen. Drei weitere Zelleninsassen, die räumlich bedingt keinerlei Sicht auf den Bereich des 40-Jährigen hatten, wollen von dem Suizid nichts bemerkt haben. Der Prozess wegen Totschlags war für Dienstag dieser Woche angesetzt.

 

Bei der Lebenshilfe in Traunstein hatte der gewaltsame Tod von Agnes M. im Dezember 2011 große Bestürzung ausgelöst. Seit fast vier Jahrzehnten hatte sich die Verstorbene als „Engel der Behinderten” rührend und engagiert um Schwerbehinderte gekümmert. Die gelernte Kinderpflegerin war die dienstälteste Mitarbeiterin und hatte drei Jahre nach der Gründung 1972 bei der heilpädagogischen Tagesstätte der Lebenshilfe begonnen. Agnes M. hatte 1974 geheiratet. Aus der Ehe entstammen ein Sohn und eine Tochter.

Autor: Axel Effner

Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: