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15.06.2012 Waging am See

Photovoltaik: Anlagenbetreiber warten bis zu zwei Jahre auf Geld

Katastrophale Zahlungsmoral bei E.on


Der Run auf Solaranlagen hat seinen Preis: Nach der Installation müssen Betreiber bis zu zwei Jahre auf die Einspeisevergütung warten. Die Sendung Quer deckte jetzt krasse Fälle in der Region auf. E.on selbst entschuldigt sich mit „Computerproblemen”.

„I wart‘ zehn Monat auf mein Geld. Die verarschen mich und sagen nicht einmal warum.“ Monika Messner aus Hellmannsberg in der Gemeinde Wonneberg macht aus ihrem Ärger über die E.on kein Hehl. Vor gut einem halben Jahr hat sie ihre Photovoltaikanlage installiert bekommen und seither noch keinen Pfennig Vergütung gesehen. Noch schlimmer ergangen ist es der Familie Berger in Gepping. Da hat es fast zwei Jahre gedauert, bis die Vergütung, die zwischenzeitlich auf rund 30.000 Euro angewachsen war, gezahlt wurde. Und noch immer stehen etliche tausend Euro aus – interessanterweise der Betrag für die ersten sechs Monate, das zweite Halbjahr 2010 (!). Denn die Anlage war schon am 1. Juli 2010 in Betrieb gegangen.

 

Der Hintergrund ist bekannt. Die Energieversorgungsunternehmen – in unserer Region zumeist die E.on – „müssten denen, die alternativen Strom erzeugen und ins Netz einspeisen, ja Geld überweisen“. So einfach ist der Sachverhalt, und mit diesen Worten brachte es auch Christoph Süß auf den Punkt, Kabarettist und vor allem bekannt als Moderator von „Quer“. Denn die „katastrophale Zahlungsmoral“ – Originalton „Quer“ – hat es inzwischen auch ins Fernsehen gebracht, in die bekannte Sendung im Bayerischen Rundfunk. Ein Fernsehteam war bei den Bergers auf ihrem Hof in Gepping oberhalb von Waging.

 

„E.on schuldet uns 30.000 Euro”

 

Hier ist die Situation besonders merkwürdig. Denn die Familie des „Geppinger-Anwesens“ hat eine sehr große Anlage, die auf Vater und Sohn aufgeteilt ist. Während Vater Johann sein Geld von Anfang an problemlos überwiesen bekommen hat, musste sich Sohn Johann jun. (19) bis vor wenigen Wochen gedulden. Den Fernsehleuten gegenüber hatte er zu Protokoll gegeben: „E.on schuldet uns jetzt schon rund 30.000 Euro. Das ist eine riesengroße Schweinerei. Wir rechnen ja mit Geld, wir müssen auch alle anderen Sachen begleichen.“

 

Immerhin hatte die gesamte Anlage - insgesamt über 60 kW - rund 100.000 Euro gekostet. In einem Gespräch mit dem Wochenblatt schildern die Bergers ihren fast zweijährigen Leidensweg. Wer je in die Verlegenheit gekommen ist, bei der E.on anrufen zu müssen, weiß ja, wie das läuft. Bis man nach minutenlangem Warten, dem Drücken verschiedener Tasten, dem Beantworten von Fragen des Telefonautomaten und dem geduldigen Anhören von Telefoninfos oder Unterhaltungsmelodien endlich an einen zuständigen Sachbearbeiter gekommen ist, das dauert nicht nur, das kostet auch Nerven. Von daher ist es kein Wunder, dass die Bergers mit ihrer Geduld am Ende waren beziehungsweise sind.

 

Keine Zahlung trotz Bekanntsein der Daten

 

Immer wieder bekamen sie Schreiben, in denen lediglich festgestellt wurde, dass die Konto- oder Vertragsnummer oder sonstige Details nicht bekannt seien. Und dann folgte unvermeidlich die Anmerkung, die den Bergers die Zornesröte in die Gesichter trieb: „Die Abschlagszahlungen würden wir Ihnen gerne überweisen, wenn…“ Bei - geglückten - Rückrufen stellten die Bergers dann erstaunt fest, dass die Infos durchaus vorhanden waren.  Faxe, Briefe mit Einschreiben und immer wieder Telefonate wurden fast zwei Jahre lang in regelmäßigem Abstand gewechselt, bis vor kurzem ohne Erfolg.

 

Zuletzt – das war schon vor der „Quer“-Sendung bekannt – ging dann im Hause Berger sogar die Mitteilung ein, dass Geld überwiesen wurde. Trotzdem kam Vater Johann Berger über Wochen hinweg mit Bankauszügen nach Hause, auf denen mitnichten das Geld eingegangen war. Und, wie gesagt, auch jetzt steht immer noch ein erklecklicher Betrag aus.

 

Funktionierende Anlage wurde nicht angeschlossen

 

Ähnlich erging es Monika Messner. Ihre Anlage ist seit August 2011, also seit knapp einem Jahr schon ans Netz angeschlossen, aber sie hat bisher noch keinerlei Vergütung erhalten. Ihre Klage bei der BR-Sendung: „Ich habe noch keinen Pfennig Geld gekriegt, muss aber 400 Euro im Monate abzahlen.“ Da sie inzwischen in Rente sei, tue ihr das so richtig weh.

 

Und dann gibt es da auch noch Hermann Babl aus Aich, ebenfalls Gemeinde Wonneberg. Bei ihm hapert es an der Technik – mit der gleichen Konsequenz wie bei seinen Leidensgenossen: Er darf nicht einspeisen, bekommt also auch kein Geld. „Meine Solaranlage steht seit zwei Monaten“, erzählte er bei der „Quer“-Sendung, „nur ist sie noch nicht angeschlossen. Ich kann nicht einspeisen, weil das Kabel von der E.on noch nicht gemacht worden ist. 700 Euro pro Monat entgehen mir, Geld, das ich fest eingeplant hatte.“

 

Die Anlage von Hermann Babl war Anfang April gerade mal einen Tag in Betrieb gewesen. E.on-Mitarbeiter hatten damals nach Fertigstellung der Photovoltaikanlage den Zähler gesetzt und ihm dann Grünes Licht gegeben, die Anlage einzuschalten. Schon einen Tag später aber erhielt Babl einen Anruf von E.on, dass er seine Anlage wieder abschalten müsse, weil die Netzerweiterung noch nicht gemacht sei.

 

Computerprobleme: E.on klagt über „soviele Anträge wie noch nie”

 

Babl wartete und wurde immer wieder vertröstet. Zunächst hatte es geheißen, in drei, vier Wochen könne er wieder einspeisen. Aber nie habe er eine genaue Antwort bekommen, wann genau die Kabelverlege-Arbeiten stattfinden würden. Inzwischen haben die Arbeiten begonnen. Babl erzählt: „Schon am Tag nach der Sendung haben sie angerufen, dass ich bis spätestens Ende Juni einspeisen kann.“ Und das wird jetzt wohl auch funktionieren, denn die Grabungsarbeiten zwischen den Ortschaften Aich und Aichberg auf einer Länge von geschätzten 700 Metern sind in vollem Gange.

 

In der „Quer“-Sendung kommt natürlich auch die andere Seite zu Wort. E.on-Vorstandsvorsitzender Thomas Barth erklärte die Zahlungsverzögerungen – allein in unserer Region gibt es Dutzende von Fällen – mit Computerproblemen. „Auf einen solch unglaublichen Boom waren wir nicht vorbereitet“, klagt er ins BR-Mikro.  In einem Monat, so fügt er noch an, seien so viele Anträge auf Anschlüsse von PV-Anlagen bei seiner Firma eingegangen, wie bei anderen im ganzen Jahr: „Allein 5.000 im Dezember, das schafft man nicht mehr“, stellt er fest. Eine Feststellung, die Marc Sturm, ein Rechtsanwalt, der sich schwerpunktmäßig mit Zahlungsverzügen von E.on befasst, wie folgt kommentiert: „So ein Weltkonzern kann sich nicht ein Jahr lang mit EDV-Problemen entschuldigen.“

Autor: Hans Eder

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