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24.04.2012 Chieming / Seebruck

Im Gespräch mit Lebensretterin Nicole (17)

Das coole Gefühl, Leben zu retten


Nicole (17) ist in den eiskalten Chiemsee gesprungen, um zwei Verunglückten das Leben zu retten. Jetzt ist sie eine Heldin. „Nicht zu helfen kam für mich nicht in Frage”, sagt die junge Frau.

Wir haben bereits ausführlich darüber berichtet, dass eine Schülerin der Internatsschule Gut Ising am Montag, 23. April, um etwa 20.30 Uhr zwei gekenterte Kajak-Fahrer aus dem eisig kalten Wasser des Chiemsees gerettet hat.  (Lesen Sie hier den Artikel.)

 

„Es ist schon ein cooles Gefühl, Lebensretterin zu sein. Ich bin stolz auf mich”, erklärte Nicole am Dienstag, 24. April, nachmittags im Rahmen einer Pressekonferenz in der Internatsschule Gut Ising. Nicole stammt aus Poing und feiert am 24. April ihren 17. Geburtstag.

 

Das Mädchen erzählt, dass sie am Montag Abend zusammen mit fünf Schulfreunden in Seebruck war, „um den letzten Abend als 16-Jährige zu genießen. Plötzlich hörten sie vom Ufer des Chiemsees laute Hilferufe. Zwei ältere Herrschaften standen am Ufer und deuteten ins Wasser. Dort waren etwa 250 Meter vom Ufer entfernt zwei Kajakfahrer mit ihrem Boot gekentert.

 

Nicole zögert nicht lange. Sie zieht sich bis auf die Unterwäsche aus und stürzt sich in das sieben Grad kalte Wasser. Um den beiden Männern zu helfen, begibt sie sich selbst in Lebensgefahr. Auch ihre Freundin Conny (16) will zum gekenterten Boot hinausschwimmen. Weil das Wasser so verflixt kalt ist, verlässt die Bad Reichenhallerin den Chiemsee jedoch bald wieder.


Nicole lässt sich von der Kälte nicht beeindrucken. Sie schwimmt zum Kajak, redet beruhigend auf die Gekenterten ein und zieht das Boot schließlich zusammen mit den beiden zu diesem Zeitpunkt bereits stark unterkühlten Männern so weit in Richtung Ufer, bis sie wieder stehen kann. Wenig später werden Nicole und die Verunglückten von einem Rettungsboot der Wasserwacht Seebruck aufgenommen und an Land gebracht. Dort wartet bereits der Rettungsdienst. Nicole ist inzwischen ebenfalls unterkühlt und kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Zusammen mit den Geretteten wird sie in die Klinik gebracht.
 

Als der 17. April anbricht – Nicoles 17. Geburtstag – liegt die Lebensretterin im Traunsteiner Krankenhaus. Sie schläft keine Minute. „Mir ging das Geschehen immer wieder durch den Kopf”, erklärt die Schülerin aus Poing bei München wenig später im Gespräch mit der Presse.

 

Es ist kaum vorstellbar: Noch vor wenigen Stunden hatte Nicole keine Ahnung davon, dass sie bald in den eiskalten Chiemsee springen wird, um zwei Leben zu retten. „Nicht zu helfen kam für mich nicht in Frage”, sagt Nicole. „Ich hätte mir das auch nie verzeihen können. Ein Arzt hat gesagt, dass die zwei gestorben wären, wenn ich nicht geholfen hätte.”
Auf die Frage, wie man sich als Lebensretterin denn so fühlt, antwortet die adrette junge Dame lächelnd: „Es ist ein cooles Gefühl, Lebensretterin zu sein. Ich bin stolz auf mich.” Stolz sind auch Nicoles Vater, ihre Lehrer und ihre Mitschüler. Nicole ist eine Heldin!

 

 

Nicole und Conny - beide wollen nicht, dass ihre Familiennamen genannt werden - sind seit Beginn des Schuljahres im Internat der Schule Gut Ising. Sie besuchen zusammen die 11. Klasse des Gymnasiums.

Autor: Jürgen Unterhauser

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