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26.05.2011 Chiemgau / Südostoberbayern

Betrugswelle rollt über Südostbayern

Abzocke: Senioren um Tausende Euro erleichtert


„Gratulation, Sie haben gewonnen. Bitte zahlen Sie Gebühr” – Dreiste Telefon-Betrüger bringen Senioren um ihr Erspartes.

Ist das nicht eine tolle Überraschung - Sie haben einen Luxuswagen gewonnen! Sie haben 50.000 Euro gewonnen! Herzlichen Glückwunsch, jetzt müssen Sie uns nur noch 2.000 für Transportkosten, Steuern und Gebühren überweisen, dann gehört das alles ihnen!” So oder ähnlich tönt es derzeit zahlreichen Senioren im Bereich der Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Telefon entgegen. Die Region wird nämlich wieder einmal von einer groß angelegten Betrugswelle überrollt. Mehrere Fälle wurden bereits bei den Polizeiinspektionen in unserer Region angezeigt.

 

Die Betrüger gehen immer nach der gleichen Masche vor, die Scamming genannten wird und unter dem Begriff „Nigeria Connection” zu trauriger Berühmtheit gelangte. Durchwegs ältere Menschen wurden meist telefonisch und in einigen wenigen Fällen auch per Fax über ihren unglaublichen Gewinn - ein Luxuswagen im Wert von 50.000 Euro oder ein hoher Geldbetrag - informiert. Die Anrufer gaben sich meist als Rechtsanwalt oder Notar im Auftrag eines Gewinnspielbetreibers aus.

 

Aufmerksame Bankangestellte griffen ein

 

Größtenteils reagierten die Angerufenen genau richtig: Weil sie nie an einem solchen Gewinnspiel teilgenommen hatten, ignorierten sie die Gewinnmeldung einfach. Es gab aber auch solche, die auf die Masche herein fielen. Jene hatten die „gute Nachricht” noch nicht verdaut, da wurden sie auch schon gebeten, eine gewisse „Gebühr” auf ein Konto zu überweisen.

Eine 86-Jährige aus dem Landkreis Traunstein wurde so zu zwei Überweisungen in Höhe von mehreren Hundert Euro auf Konten in Thailand und der Türkei überredet. Zu weiteren Überweisungen kam es nicht, weil ein Bankangestellter aufmerksam wurde und die Annahme einer dritten Überweisung verweigerte. Die Seniorin jedoch rief den ominösen „Rechtsanwalt” des Gewinnspielbetreibers an und bat diesen um Hilfe.

 

Krass: Ominöser Anwalt organisierte ein Taxi

 

Und man stelle sich vor: Der organisierte der Dame dreist ein Taxi, das sie zu einer anderen Bank chauffieren sollte. Der Taxifahrer jedoch wurde misstrauisch und informierte die Polizei. Erst ein Gespräch mit dem Beamten hielt die 78-Jährige davon ab, noch mehr Geld zu überweisen.

Auf beinahe identische Art wurden vier weitere Senioren im Alter zwischen 80- und 90-Jahren aus den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land um ihr Erspartes gebracht. Teils wurden sie selbst stutzig, teilweise griffen aufmerksame Bankangestellte ein.

Unvorstellbar: 85-Jährige zahlt über 10.000 Euro

Unglaublich: Eine 85-Jährige aus dem südlichen Landkreis Traunstein wurde zwischen Februar und April um über 10.000 Euro gebracht. Eine ältere Dame aus dem Landkreis Weilheim-Schon überwies insgesamt 6.000 Euro, eine Seniorin aus dem Landkreis Rosenheim fast 2000 Euro.


In diesem Zusammenhang bittet das Polizeipräsidium Oberbayern Süd insbesondere ältere Menschen, die zur Hauptzielgruppe dieser betrügerischen Banden zählen, größte Vorsicht bei Aufforderungen zu „Vorausüberweisungen“ jeglicher Art walten zu lassen.

Weitere Informationen erteilten die Seniorenberater des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd und jede örtliche Polizeidienststelle.

Weitere Informationen und Warnhinweise finden Sie im Internet unter www.polizei-beratung.de

Autor: Polizei / Jürgen Unterhauser

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