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22.10.2012 Traunstein

Köstliche Verwechslungskomödie beim Salztheater Traunstein

Wer verführt hier wen?


Dumme Sache, wenn der totgeglaubte Ehemann nach fünf Jahren ins traute Heim zurückkehrt - und die vermeintliche Witwe gerade das neue Hochzeitsglück vorbereitet. Und dann taucht auch noch eine junge Verführerin auf: Köstliche Verwechslungskomödie im Salztheater Traunstein.

Mit seinem 1983 erstmals in Deutsch uraufgeführten Stück „Ankomme Dienstag - Fall nicht in Ohnmacht” landete der Theaterautor Jean Stuart einen echten Publikumshit auf deutschen Boulevard-Bühnen. Temporeich und mit viel Schwung und Witz hat Regisseur und Schauspieler Gerhard Brusche das Stück jetzt für das Salztheater Traunstein inszeniert.

Alles könnte so schön sein für Jacqueline (sehr wandlungsfähig: Michaela Lucke). Den Tod ihres Gatten Michel nach einem Flugzeugabsturz über dem Pazifik hat sie gut verkraftet. Statt Trübsal zu blasen, hat sie bereits einen neuen Ehemann in spe gefunden, Pierre, den überkorrekten und etwas tolpatschigen Direktor der Fluggesellschaft (Hans Brandl), die seinerzeit den Absturz von Ehemann Nummer 1 zu verantworten hatte. Just als die unternehmungslustige Witwe das Ferienhaus für ein beschwingtes Tete-à-tete vorbereitet hat, nimmt das Schicksal seinen Lauf.

 

Statt Pierre steht nämlich unverhofft der totgeglaubte Michel mit dem Koffer im Haus. Dessen Seitensprünge während der Ehe mit Jacqueline dämpfen die Wiedersehensfreude anfangs verständlicherweise ein wenig. Fünf Jahre, so erzählt es Michel, musste er mutterseelenallein auf einer einsamen Insel im Pazifik schmachten, Begleitung bot nur ein verspieltes „Klammeräffchen”.

Zeigt Jacqueline dem Ex anfangs noch die kalte Schulter, so gibt der seine Seitensprünge reuig zu, gelobt Besserung und geht angesichts der Konkurrenz gnadenlos in die Charmeoffensive. Ein wahres Wechselbad der Gefühle beginnt für Jacqueline, als der zukünftige Gatte Pierre im trauten Feriendomizil eintrifft und zeitgleich mit ihm auch noch die vor Sexappeal strotzende junge Lizzy (Silke Brandl). Diese versteht sich offensichtlich besonders gut darauf, einsame Männerherzen mit zärtlicher Hand zu trösten. Die neue Situation wiederum bringt Michel gehörig ins Schwitzen, weshalb der seinen Zwillingsbruder Pascal auf den Plan ruft.

 

Damit wird das Durcheinander sowohl bei Tag als auch in der Nacht so turbulent, dass es schlußendlich auch dem guten Geist des Hauses, der Haushälterin Susanne, zu viel wird. Nichts ist mehr so, wie es zu sein scheint. Angesichts der Doppelgänger, rhetorischen Achterbahnfahrten und rasanten Verwicklungen glaubt Suzanne, Halluzinationen zu haben und packt schließlich die Koffer.

 

Gerhard Brusche ist mit seinem Salztheater-Ensemble ein temporeiches Stück bester Boulevard-Unterhaltung gelungen. Bemerkenswert, wie er als Regisseur und Schauspieler mit Witz und Verwandlungskunst die schnellen Wechsel der Doppelrolle Michel/Pascal  meistert. Genauso bravourös behauptet sich Michaela Lucke mit Raffinesse, Spiellust und mimischer Ausdruckskraft im Wechselbad extremer Gefühle zwischen Ehemännern und listenreichen Zwillingsbrüdern. Als betörende und wohlgeformte Blondine weiß auch Silke Brandl (die Tochter von Hans Brandl) als Neuling auf der Bühne zu überzeugen. Köstlich auch, wie Susanne Hansen mit trockenem Witz und österreichischem Schmäh die Eskapaden des ständigen Männertauschs kommentiert.

 

Für Zeit zum Durchatmen sorgten Anna Plaul-Weingärtner und Horst Kammel als Bühnenbauer/-bäuerin mit eigenem Witz. Weitere Vorstellungen im Studio 16 in Traunstein sind noch am 26., 27. und 28. Oktober um jeweils 20 Uhr. Kartenvorbestellung ist unter Tel. 0861-8431 bzw. Email: Info@nuts-diekulturfabrik.de.

Autor: Axel Effner

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