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26.10.2012 Traunstein

Neu: High tech im Klinikum Traunstein

OP-Saal für Schlüsselloch-Chirurgie


Schlüsselloch-Chirurgie in modernen Zeiten: Klinkum Traunstein hat jetzt den ersten integrierten OP-Saal Südostbayerns in Betrieb genommen.

Im Klinikum Traunstein wurde der erste integrierte High-Tech-OP im südostbayerischen Raum in Betrieb genommen. Die Vorteile des völlig neu konzipierten Operationssaals kommen ganz besonders bei laparoskopische Operationen („Schlüsselloch-Chirurgie“) zum Tragen. Derzeit werden in der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Minimalinvasive Chirurgie jährlich allein in Traunstein ca. 900 von insgesamt 2.300 Operationen in der Schlüssellochtechnik durchgeführt; von der einfachen Blinddarmentfernung bis hin zu Operationen an der Leber. „Damit geht ein lange gehegter Wunsch für uns in Erfüllung“, freut sich Chefarzt PD Dr. Schauer zusammen mit seinem Kollegen Dr. Deuble.


Der OP ist zwar ganz auf die Bedürfnisse für laparoskopische Operationen der Abteilung ausgelegt, jedoch können, besonders in Notfallsituationen, prinzipiell alle operativen Fächer auf diesen zugreifen. Die Kosten für den integrierten OP betrugen rund 160 000 Euro. Die Dr. Johannes-Heidenhain-Stiftung in Traunreut hat das Projekt großzügig mit 150 000 Euro unterstützt. Der neue OP wird zudem als Referenz-OP für die Lieferfirma Trumpf Medizin Systeme GmbH in Saalfeld national und international präsentiert.


Ein wesentliches Merkmal des OPs ist, dass alle für den Operateur wichtigen und notwendigen Geräte und Monitore rund um den OP-Tisch frei beweglich an der Decke befestigt sind und in jede gewünschte Position gebracht werden können. Für den Operateur hat dies den Vorteil, dass er viel ergonomischer arbeiten kann, weil er sich nicht mehr wie früher bei minimal-invasiven Operationen zu einem fest installierten Monitor „verdrehen“ muss. „Studien aus den USA belegen nämlich, dass laparoskopisch tätige Operateure durch diese unnatürliche Haltung gesundheitliche Schäden bis hin zur Berufsunfähigkeit davontragen können“, so Dr. Schauer.


Die Tatsache, dass die gesamte notwendige Technik zur Durchführung der Operationen an der Decke fest angebracht ist, hat gleich mehrere Vorteile. Die Reinigung des OPs wird dadurch wesentlich erleichtert. Zudem müssen zwischen den einzelnen OPs keine Geräte mehr hinein- und hinausgeschoben werden. Dies dient nicht nur einer verbesserten Hygiene im OP, sondern auch der Arbeitssicherheit für sämtliches OP-Personal und verkürzt damit die „Rüstzeiten“ zwischen den einzelnen Eingriffen.


Der OP ist mit dem Krankenhausinformationssystem (KIS) des Klinikums komplett vernetzt. Darum auch die Bezeichnung „integrierter OP“. Durch eine Bild- und Videoaufzeichnung erfolgt die Datensicherung und Dokumentation der OPs für die elektronische Krankenakte des Patienten. Dies wiederum dient ganz erheblich der Transparenz bei den durchgeführten Operationen. In umgekehrter Richtung kann sich der Operateur während der OP bereits vorhandene Bilder aus dem PACS (Picture Archiving and Communication System), ein Bildarchivierungs- und Kommunikationssystem des Klinikums auf der Basis digitaler Rechner und Netzwerke, auf den OP-Monitor holen, was zur Verbesserung der intraoperativen OP-Planung führt. Auch die Anästhesisten werden über einen separaten Monitor jederzeit über den Stand der OP informiert. Ferner können andere Ärzte bei Bedarf via Monitor in das OP-Geschehen über Datenleitung („Telemedizin“) eingeklinkt werden.


Die Bilder können aber auch direkt oder als Aufzeichnung für wissenschaftliche Studien und Vorträge oder für die Ausbildung von Ärzten verwendet werden. „Das Bildmaterial kann zeitgleich überall hin übertragen werden, zum Beispiel als Live-OP in den Seminarraum“, weist Dr. Schauer auf die besseren Kommunikationsmöglichkeiten hin. Dadurch wird eine Effizienzsteigerung in der Ausbildung von Assistenzärzten sowie von Gastärzten und Studenten aus dem In- und Ausland erreicht.

Autor: bjr

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