21.09.2012 Prien


Mordfall Metzler - Jetzt spricht der Ermittler






Der kaltblütige Mord an dem Bankierssohn Jakob von Metzler sorgte im September 2002 bundesweit für Aufsehen. Der Polizei wurden damals Foltermethoden beim Verhör des Angeklagten vorgeworfen. Zehn Jahre danach rollen das Buch des Ermittlungsbeamten Ortwin Ennigkeit und ein aktueller Film im ZDF-Film den Fall neu auf.

Als im September 2002 der junge Jakob von Metzler, Sohn einer angesehenen Frankfurter Bankiersfamilie auf abscheuliche Art ermordet wurde, bewegte dies ein ganzes Land. Zehn Jahre nach der grausamen Tat rückt das Geschehen nochmals in das öffentliche Blickfeld. Grund hierfür sind ein Buch und ein Film, der am Montag, 24. September anlässlich der 10. Wiederkehr des Geschehens um 20.15 Uhr im ZDF gezeigt wird.

 

Das Buch verfasste Ortwin Ennigkeit, der bei den Vernehmungen des eiskalten Kindsmörders Verantwortung übernahm. Während der letzten drei Wochen und damit genau auch an den Tagen, an denen das Verbrechen wieder richtig in Erinnerung gerufen wurde, hielt sich Ortwin Ennigkeit in Prien am Chiemsee zur Kur auf. Bei einem Gespräch in seiner Ferienwohnung schilderte er eindrucksvoll seine gemachten Erfahrungen und Erinnerungen.

 

Die tragische Geschichte des Kindes ist hinlänglich bekannt: Jakob wurde, nachdem sich der spätere Mörder sein Vertrauen erschlichen hatte, von diesem entführt und unmittelbar danach heimtückisch und auf unvorstellbare Weise grausame Weise in der Wohnung des Mörders Magnus Gäfgen erwürgt. Für Familie und Polizei begann ein Wettlauf mit der Zeit, denn aufgrund eines Erpresserbriefes und einer Lösegeldübergabe von einer Million Euro war man der Hoffnung, der Elfjährige sei noch am Leben.

 

Der mutmaßliche und letztlich auch tatsächliche Mörder konnte gefasst werden, doch dieser verweigerte jegliche Angaben zum Entführten und wollte sich mit Lügen und Phantastereien aus der Verantwortung ziehen. Aber die Zeit lief den Ermittlern davon, Jakob von Metzler war bereits vier Tage verschwunden. Da ließ ein Vorgesetzter durch einen Vernehmer gegenüber dem Täter schmerzhafte Gewalt ankündigen, um damit die Preisgabe des Aufenthaltes vom entführten Kind zu erfahren. Gewalt wurde zwar nicht angewendet, aber der Täter – und sein Anwalt – nutzten allein die Ankündigung dessen drei Monate später zu einer beispiellosen Verhandlungsetappe bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

 

Ortwin Ennigkeit und sein Vorgesetzter Wolfgang Daschner wurden sogar verurteilt. Was Ennigkeit am meisten weh tat, war, dass bei der Urteilsverkündigung des Landgerichtes Frankfurt die Greueltaten der Nazis mit den angekündigten verhärteten Verhandlungsmaßnahmen im Fall Metzler verglichen wurden.

 

Soweit die Geschichte, die allgemein bekannt ist. Aber, so Ortwin Ennigkeit in seinen persönlichen Erläuterungen in Prien-Siggenham,  es galt und gilt Vieles klarzustellen. Die schlimmen Eindrücke des Geschehens ließen ein sofortiges schriftliches Festhalten der Gedanken nicht zu. Aber die verzerrte und falsche Darstellung des wahren Vernehmungs-Verlaufs in den Medien und Gerichten drängten den Polizisten Ennigkeit dazu, zur Feder zu greifen.

 

Mit Hilfe von Barbara Höhn, einer guten Bekannten und gebürtigen Münchnerin, machte er sich in den Jahren 2009 und 2010 daran, das jetzt 270 Seiten starke Buch mit dem Titel „Um Leben und Tod – wie weit darf man gehen, um das Leben eines Kindes zu retten?“ fertigzustellen. Das Buch im Verlag Random House in München erschienen (ISBN: 978-3-453-17216-6).

 

 

Details und Zusammenhänge wurden aus Sicht von Ennigkeit in der öffentlichen Berichterstattung falsch widergegeben. Der Mörder und sein Anwalt wurden in der Aufarbeitung der gerichtlichen Maßnahmen zum genauen Ablauf der Vernehmungen durch Ortwin Ennigkeit befragt – aber nicht Ennigkeit selbst! Viele Gutachten über den Mörder wurden angefertigt. Diese bestätigten, dass dieser nicht im psychiatrischen Sinne krank ist, sondern sich selbst als Opfer betrachtet. „Der Mörder hat auch lange nach der Tat noch nicht realisiert, was er angerichtet hat. Er hat einen unschuldigen Jungen umgebracht und dessen großes Familien- und Freundesumfeld um Lebensfreude gebracht.“ In seinem eigenen Buch mit dem Titel „Allein mit Gott“ hat der Mörder sich und seine Tat verharmlost.

 

 

Als sich der Entführungsfall zuspitzte und angenommen werden musste, dass der Bub am vierten Tag nach seiner Entführung um sein Leben irgendwo im Frankfurter Raum kämpft, gingen die vernehmenden Polizisten vom Schlimmsten und kündigten schmerzhafte Maßnahmen an. „Ich fasste den Angeklagten nicht an, aber ich sprach sein Gewissen an und schaute ihm in die Augen“, so Ortwin Ennigkeit. „Und ich sagte ihm, dass ihn das ermordete Kinde nie wieder loslassen werde, dass er sein Leben lang Alpträume haben werde“ – so Ennigkeit weiter. Daraufhin gab der Mörder den Ort des versteckten Leichnams preis.

 

Insgesamt 1.000 Leute, ein Teil davon verdeckt Ermittelnde, waren vor zehn Jahren im Einsatz. Dies hat auch die schmerzhaft betroffene Familie von Metzler gewürdigt. Gerade aufgrund der damals verzerrt dargestellten Inhalte und wegen der Klagen des Mörders, der sich als Opfer „präsentierte“, hat die Familie Metzler die Herausgabe des Buches von Ortwin Ennigkeit und der Verfilmung des Schicksals ihres Sohnes zugestimmt. Der Film „Der Fall Jakob von Metzler“ wird am Montag, 24. September ab 20.15 Uhr im Zweiten Deutschen Fernsehen gezeigt.

Autor: Anton Hötzelsperger
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