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28.09.2012 Traunstein

Gewinner des Architektenwettbewerbs für den Umbau gekürt

Neues Gesicht für die Klosterkirche


Rund 325 Jahre nach dem Bau der Klosterkirche in Traunstein soll das Areal jetzt zu einem Kunst- und Kulturzentrum umgebaut werden. Am Freitag wurden die Preisträger des dafür ausgeschriebenen Architekturwettbewerbs vorgestellt. Das Preisgericht entscheid sich dabei für die unkonventionelle Lösung eines Münchner Büros.

Rund fünf Millionen Euro soll die Aufwertung und Sanierung des denkmalgeschützten und zum Teil sanierungsbedürftigen Klosterkirchenensembles in Traunstein zum Kultur- und Kunstzentrum kosten. Wegen der Bausumme wurde der Realisierungswettbewerbe europaweit ausgeschrieben. Rund 212 Architekturbüros beteiligten sich daran, 30 wurden nach der Vorprüfung zur Teilnahme eingeladen.

 

Rund 13 Stunden hatte die neunköpfige Jury, bestehend aus fünf Architekten, Oberbürgermeister Manfred Kösterke und drei Stadträten, am Montag dieser Woche in mehreren anonymisierten Auswahlrunden über die 25 eingereichten Entwürfe beraten. Am Ende wurden vier Fach- und drei Anerkennungspreise vergeben. Als Gewinner setzte sich dabei der wohl unkonventionellste Entwurf vom Münchner Büro Färbinger Rossmy durch. Von den drei teilnehmenden Architekturbüros aus Traunstein - Lechner + Lechner Architekten, Zeller & Romstötter sowie das Büro Leitenbacher und Spiegelberger - wurde letzteres mit dem vierten Preis ausgezeichnet.

„So intensiv wird selten diskutiert, wir haben uns die Entscheidung nicht leichtgemacht und die Reihenfolge festzulegen, war nicht einfach”, sagte Oberbürgermeister Manfred Kösterke zum Auswahlverfahren. Der sanierungsbedürftige und nicht zeitgemäße Zustand des vor 325 von den Kapuzinern erbauten Areals der Klosterkirche hätten eine Gesamtsanierung und Neuorientierung notwendig gemacht. Nach der Jurierung sei jetzt die Meinung der Bürger gefragt, die die Entwürfe bis 5. Oktober im Rahmen einer Ausstellung im Großen Rathaussaal anschauen und ihre Kommentare in einem Gästebuch als Rückmeldung festhalten können.

 

Siegerprojekt bewies Mut

 

„Das ehemalige Kloster mit seiner Ausstrahlung und seinen Strukturen hat eine sehr differenzierte und komplexe Auseinandersetzung notwendig gemacht”, erläuterte Prof. Klaus Trojan aus Darmstadt als Jury-Vorsitzender zu dem Projekt. Wesentliche Kriterien der Auswahl seien unter anderem die Leitidee des Entwurfs, die städtebauliche Einordnung - speziell mit Blick auf die benachbarte Grundschule - , die Erschließung und Verteilung der Nutzflächen, der Denkmalschutz und die Wirtschaftlichkeit gewesen. Die hohe Qualität der dicht beieinader liegenden Preisentwürfe habe die Entscheidung nicht leicht gemacht.

 

Das aus dem Rahmen der anderen Entwürfe fallende, „mutige” Siegerprojekt sei anfanglich als „Ausrutscher” gesehen worden, habe die Jury dann aber durch seine Komplexität im Zusammenwirken mit dem Umfeld überzeugt. Trojan sprach von einem „spannungsvollen Dialog zwischen Geschichte und moderner Ergänzung”. Der neue Saalbau für Kleinkunst sei als kristalliner Solitär - ähnlich einem gewaltigen Findling - ausdrucksstark und trotzdem in „zweiter Reihe“ zurückhaltend in den ehemaligen Klosterhof komponiert. Es stehe zu erwarten, dass die Konzeption des neuen Kunst- und Kulturzentrums eine überregionale Bedeutung gewinnen kann, so die Jury in ihrer Beurteilung.


Der zweite Preis geht an das Architekturbüro Marte Marte aus Weiler. Der Entwurf überzeugte das Preisgericht durch seine Schlichtheit, seine hohe Funktionalität sowie seine Ästhetik und Modernität. Die hohe Funktionalität der Gesamtanlage werde besonders in der ebenerdigen Anordnung der Veranstaltungsräume deutlich. Hervorgehoben wurde auch der dezente, sensible Umgang mit der unmittelbaren Nähe zum Denkmal.
 


Mit dem dritten Preis würdigte das Preisgericht die Arbeit des Architekten Robert Rechenauer aus München. Sein klares, schlichtes Konzept für das neue Kultur- und Kunstzentrum Klosterkirche, mit einer kräftigen jedoch zeitlosen Architektursprache und einer zurückhaltenden Materialität fügt sich gut in das historische, denkmalgeschützte Ensemble ein, so die Jury.


Der vierte Preis wurde an das Büro Leitenbacher Spiegelberger Architekten aus Traunstein vergeben. In der Beurteilung der Jury heißt es: „Dem Verfasser gelingt es mit einfachen Mitteln einen zeitgemäßen, funktionalen und wirtschaftlichen Entwurf für das Kunst- und Kulturzentrum aufzuzeigen, das in dieser Form auch Ausstrahlung auf die Region haben könnte und bei Umsetzung für die Stadt Traunstein eine Bereicherung wäre.”

 

Kirche, Getreidespeicher, Schul- und Kunstraum

 

Die Klosterkirche mit dem ehemaligen Klostergebäude in der Ludwigstraße prägt das Traunsteiner Stadtbild seit dem 17. Jahrhundert.
Als im Zuge der Säkularisation das Kloster geschlossen wurde, versteigerte man auch das Inventar der Kirche und nutzte sie fortan zunächst als Getreidespeicher, später als Schulraum. 1978 wurde das Gotteshaus endgültig geschlossen. Seit über zwanzig Jahren steht die Nutzung des Gebäudekomplexes nun im Zeichen der Kunst und Kultur: Der noch existierende Teil des Klosters ist Heimat der Städtischen Galerie, die Klosterkirche wird von der Kulturfördervereinigung ARTS als Kunstraum für Ausstellungen und Konzerte genutzt.

 

Die Ausstellung der eingereichten Arbeiten ist noch bis Freitag, 5. Oktober im Großen Saal des Traunsteiner Rathauses zu sehen. Geöffnet ist von Montag bis Freitag jeweils von 12 bis 18 Uhr sowie am Samstag, Sonntag und am Feiertag (3. Oktober) von 10 bis 14 Uhr geöffnet.  Weitere Informationen zu den eingereichten Arbeiten gibt es im Internet unter www.vof-vergabeverfahren.de/KuKK-Traunstein/.

Autor: Axel Effner

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