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09.10.2012 Salzburg/Welt

Startet Salzburger Felix Baumgartner nach Abbruch am Donnerstag?

Weltrekordsprung aus 36 Kilometer Höhe


Gleich fünf Weltrekorde will der gebürtige Salzburger Felix Baumgarten (33) brechen: Als erster Mensch der Welt will sich der Extremsportler in einem Spezialanzug mit Fallschirm aus 36 Kilometer Höhe in die Tiefe stürzen und die Schallmauer durchbrechen. Nach der Absage des Starts wegen Wind könnte Donnerstag ein neuer Versuch folgen.

+++Aktualisiert+++ Möglicherweise hat der Felix der Tollkühne doch noch eine Chance in dieser Woche. Ursprünglich war bereits Donnerstag als Ersatztermin erwogen worden. Für einen neuen Versuch soll ein Zeitfenster mit besseren Wetterbedingungen abgewartet werden, teilten die Organisatoren auf Twitter mit. Einen Termin wollten sie erst nach weiteren Beratungen nennen. Die hauchdünne Hülle des Heliumsballons kann offensichtlich nicht mehr benutzt werden, nachdem sie während des Auftankens durch einen Windstoß den Boden berührt hat. Es gibt allerdings eine Ersatzhülle. Der Ballon kann nur abheben, wenn die Windgeschwindigkeit unter 3,2 Kilometern pro Stunde liegt. Baumgartner war über den Abbruch sichtlich enttäuscht. Der für den frühen Dienstag morgen (Ortszeit) geplante Start war bereits mehrmals aufgrund des Windes verschoben worden.

 

+++ Aktualisiert+++ Die Zerknirschung ist Felix Baumgart ins Gesicht geschrieben: Nach den bereits angelaufenen Startvorbereitungen - er saß bereits in der Startkapsel - musste die Kommandozentrale in Roswell/New Mexiko den spektakulären Weltrekordversuch am Dienstag um 19.45 Uhr endgültig abgesagen. Starker Wind hatte die mit Helium befüllte Ballonhülle verblasen, zudem gab es Probleme mit der Funkanlage. Das Risiko der tollkühnen Mission erschien dadurch unkalkulierbar. Der Start war bereits mehrmals verschoben worden. Meteorologen sprachen sich aber am Dienstag für einen Start aus.

 

Seit drei Jahren hat sich der wagemutige Basejumper mit einem ganzen Stab an Spezialisten auf den äußerst heiklen Sprung aus der absolut lebensfeindlichen Stratosphäre vorbereitet. Neben einem speziellen Körpertraining musste ein spezieller Fluganzug und eine an einem Heliumballon befestigte Druckkapsel entwickelt und zahllose technische Details geklärt werden. Ärzte, Techniker und Weltraumspezialisten versuchten das Risiko auf ein Minimum zu reduzieren. Zum Beraterstab gehört auch der bisherge Weltrekordhalter Joseph Kittinger.

Mit seinem Sprung will der Österreicher gleich fünf neue Weltrekorde aufsstellen:

- die höchste bemannte Ballonfahrt bis in 36.500 Meter Höhe (bisheriger Rekord: 34.670 Meter, 1961 von Ross/Prather);

- der längste freie Fall (Zeitdauer): geplant sind etwa 5 Minuten und 35 Sekunden (bisheriger Rekord: 4 Minuten und 36 Sekunden, am 16. August 1960 von Joseph Kittinger);

- der längste freie Fall (Entfernung): geplant sind etwa 34.500 Meter (bisheriger Rekord: 24.500 Meter am 1. November 1962 von Jewgeni Nikolajewitsch Andrejew);

- die größte im freien Fall erreichte Geschwindigkeit mit Durchbrechen der Schallmauer: geplant sind 1.100 km/h (bisheriger Rekord: 988 km/h am 1. August 1960 von Joseph Kittinger);

- der höchste Absprung: geplant sind 36.500 Meter Höhe (bisheriger Rekord: 31.332 Meter am 16. August 1960 von Joseph Kittinger);

 

Vor dem Sprung wird Baumgartner in einem dreistündigen Aufstieg in der Druckkapsel in die vorgesehene Höhe aufsteigen. Nach dem Absprung soll der Fallschirm erst in 1.500 Meter Höhe geöffnet werden. Damit beim Aufstieg in so großer Höhe der Stickstoff nicht im Gewebe und den Blutgefäßen ausperlt, atmet der Springer bereits zwei Stunden vor dem Aufstieg (sparsam)  reinen Sauerstoff ein, um Stickstoff aus dem Körper abzuatmen.

Der abfallende Druck ab 18 Kilometer Höhe würde die Gasblasen im Blut ausdehnen und die Adern zum Platzen bringen. Der Absprung in der lebensfeindlichen fast sauerstofffreien Stratosphäre - dreimal so hoch wie ein normaler Passagierjet fliegt - ist äußerst riskant. Der erwartete Temperaturunterschied wird von −70 bis +25 Grad Celsius reichen. Der Luftdruck beträgt weniger als ein Prozent im Vergleich zur Erdoberfläche.

 

Nach dem Plan soll Baumgartner innerhalb einer halben Minute Schallgeschwindigkeit von über 1.000 km/h erreichen, wobei er sich der Erde mit 308 Metern pro Sekunde nähert. In den unteren dichteren Luftschichten verlangsamt sich die Geschwindigkeit. Erst in 1.500 Meter Höhe soll der Fallschirm geöffnet werden. Die Auswirkungen der Bedingungen auf den menschlichen Körper sind bisher nicht erforscht. Dem Extremsportler drohen Erblindung, Blutgerinsel, Genickbruch oder Ohnmacht. Baumgartner kündigte an, dass dies sein letzter Sprung sein werde. Der Sponsor Red Bull will das gesamte Spektakel mit eigens entwickelten Spezialkameras im Internet übertragen. Aufgrund des ungewissen Ausgangs allerdings mit einer Verzögerung von 20 Sekunden.

Am 15. März erfolgte auf der Basis im amerikanischen Roswell/New Mexiko ein erster Testflug bis zu einer Höhe von 21.800 Meter. Baumgartner erreichte dabei eine Geschwindigkeit von 587 km/h, sein freier Fall dauerte drei Minuten und 33 Sekunden. Am 25. Juli folgte ein zweiter Sprung aus 30.000 Meter Höhe. Zu seinen Beweggründen erklärte der Extremsportler: "Es ist nicht Adrenalin und der ganze pseudopsychologische Mist, warum ich das mache. Es ist immer eine Idee, die mich nicht loslässt. Ein Ziel und der Weg dorthin."

Der Sprung war bereits für den 8. Oktober geplant, musste aber aufgrund ungünstiger Windbedingungen verschoben werden. Im Jahr 2003 überquerte Baumgartner bereits als erster Mensch mit Spezialanzug und Carbonflügeln im freien Fall aus knapp 10.000 Meter Höhe den Ärmelkanal von Dover bis Calais auf einer Streckenlänge von 36 Kilometern. Nach dem 2006 in geheimer Mission durchgeführten Sprung vom höchsten Gebäude Skandinaviens in Malmö/Schweden folgte 2007 der Basejump von der 390,2 Meter hohen äußeren Beobachtungsplattform der 91. Etage des 509 Meter hohen Wolkenkratzers Taipeh 101 in Taipeh, der Hauptstadt Taiwans.

Autor: Axel Effner

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