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15.06.2012 Chiemgau

Polizei warnt vor bandenmäßig organisierte Bettelbanden

Profi-Bettler auf Abzocktour


Wie die Heuschrecken fallen derzeit gewerbsmäßig organisierte Bettelbanden im Südostbayern ein. Mit erschreckenden Katastrophenbildern und simulierten Verletzungen drücken sie auf die Tränendrüse.

Offenbar haben die Medien und die Bevölkerung davon nichts mitbekommen: In Osteuropa muss kürzlich ein verheerendes Hochwasser gewütet haben. Und vor ein paar Monaten schon einmal. Und letztes Jahr und vorletztes und…. Nach dem Gebaren der meist aus östlichen Regionen stammenden Bettler, findet eine Art „Dauer-Umweltkatastrophe“ statt. Dieser Eindruck könnte jedenfalls entstehen, wenn man auf die in vielen Gemeinden und Städten auftretenden Bettler trifft, die allesamt dadurch besitzlos geworden sein wollen. Tatsächlich geht es den „von Katastrophen gebeutelten Hilfesuchenden“ nur um eines: Mit Betteln Geld verdienen.

 

Allerorts treten die bandenmäßig organisierten Bettelgruppen mittlerweile wieder verstärkt auf, auch kleine Gemeinden werden nicht verschont. Für ihre Tätigkeit werden die überwiegend aus einer Region im Herzen Rumäniens stammenden Menschen in Ortschaften gekarrt, schwärmen dort meist paarweise aus und zeigen ihre Bettelkarten vor. Darauf ersichtlich sind neben einem Hilferuf wegen des schon erwähnten Hochwasser und dem Verlust der Arbeitsstelle auch plakative Bilder von Hochwasserflüchtlingen und leidenden Menschen.

 

Bündelweise konnten in der Vergangenheit Beamte der Schleierfahndung und der Autobahnpolizei bei Einreisekontrollen in Fahrzeugen von mutmaßlichen Bettlergruppen diese Bettelkarten feststellen. Die große Anzahl ist auch nötig, denn regelmäßig werden den Entlarvten die Karten abgenommen.

 

Eine andere Variante ist das Simulieren von Verletzungen und Behinderungen. Der Berufsbettler stellt sich auch gerne einmal taubstumm, zeigt Zettel mit Spendengesuchen vor und versucht auf diesem Wege Mitleid zu erregen und so die Spendenfreudigkeit zu fördern. Gerne werden verwahrlost aussehende Kinder in schlechter Kleidung an vorderste Front geschoben.

 

Richtig gemein wird es, wenn die Täter neben den zu unrecht erlangten Almosen den Spender auch noch um sein restliches Bares erleichtern. Überschwängliche Freude mit engem Körperkontakt bei der Umarmung machen es möglich! Ruckzuck ist der Geldbeutel leer oder weg. Meist sind die Gruppen gut durchstrukturiert. Ein Fahrer liefert die Bettler ab und lässt sie nach einem vereinbarten Zeitraum wieder zusteigen. Kaum ist das Geld eingesammelt, wird auch schon die nächste Ortschaft angesteuert.



Erst am vergangenen Montag (11. Juni) konnten Polizeibeamte professionelle Bettler im Raum Bruckmühl feststellen und kontrollieren. Sie trafen dabei über 15 dem Spektrum der gewerbsmäßigen Bettler zuzuordnende Personen an. Männer, Frauen und auch Kinder waren darunter. Elf davon hatten Polizeibeamte bereits eine Woche zuvor (Pfingstmontag, 28. Mai) in Miesbach beim Betteln kontrolliert. Wiederum einige davon waren im Mai auch schon in Bernau am Chiemsee, in Trostberg, Traunstein und Breitbrunn angetroffen worden. Anfang Juni  stellten Beamte der Polizeiinspektion Freilassing bei vier jungen Männer und zwei Frauen die Personalien fest. Zuvor hatten sie die Personen observiert und die typische Verhaltensweise mit Bettelkarten festgestellt. Anzeigen wegen Betrugsverdacht wurden erstellt, die Einnahmen beschlagnahmt und Platzverweise erteilt.

 

Im gesamten Zuständigkeitsbereich des Präsidiums Oberbayern Süd konnten derartige Taten in den letzten Monaten festgestellt werden. Dringend wird davon abgeraten, diesen Personen Geld zu „spenden“. Tatsächlich hilfsbedürftige Menschen werden viel eher mit der Unterstützung zertifizierter Hilfsorganisationen erreicht. Denn die hier professionell auftretenden Bettler sind nicht hilfsbedürftig, sondern gehen lediglich der von ihnen gewählten Erwerbstätigkeit nach. Von Beruf: Bettler
 

Autor: Axe Effner

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