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23.04.2012 Landkreis Traunstein

Grüne Jugend antwortet auf Breitseite der JU

A8-Ausbau: Polit-Nachwuchs im Wortgefecht


Der sechsstreifige Ausbau der Autobahn A8 hat erneut zu einer heftigen Kontroverse im Landkreis geführt. Mit deutlichen Worten und dem Vorwurf einer „Zermürbetaktik” antwortete JU-Kreisvorsitzender Hans-Peter Dangschat (kl. Foto) auf einen Bericht der Bürgerinitiative „Ausbau A8 - Bürger setzen Grenzen”. Das wiederum wollte die Grüne Jugend Südost nicht unwidersprochen lassen.

Mit heftigen Wortgefechten ist neue Bewegung in die Auseinandersetzungen um den sechsstreifigen Ausbau der Autobahn A 8 gekommen. Anlass war ein Bericht über die Jahreshauptversammlung der landkreisübergreifenden Bürgerinitiative „Ausbau A 8 - Bürger setzen Grenzen" in Rohrdorf. Darin hatte ein Vertreter der Aktionsgemeinschaft gegen den Neubau der A 94 im Isental erklärt: „Wir haben die Isental-Autobahn 30 Jahre verzögert!” Durch ein Hinauszögern des Ausbaus würden die Mittel und die Akzeptanz für einen 36 Meter breiten Vollausbau beständig abnehmen. Laut Aussage des BI-Sprechers Heiner Müller-Ermann bei dem Treffen in Rohrdorf habe der Gutachter der Autobahndirektion, Prof. Kurzak, ebenfalls die Verlagerung von einem Drittel des Verkehrsaufkommens von der A8 hin zur neuen A94 prognostiziert. Diese Entlastung sei für die Berechnung der A8 aber nicht mehr angesetzt worden.

 

Der erst vor kurzem neu gewählte Kreisvorsitzende der Traunsteiner JU, Hans-Peter Dangschat aus Traunreut, meldete sich auf den Bericht hin mit deutlichen Aussagen zu Wort. „Ich finde es beklemmend und empörend, dass diese Anti-Ausbau-Initiative die Dreistigkeit besitzt, sich auch noch damit zu rühmen, dass sie dem Fortschritt und Wachstum der Region mit ihrer Zermürbetaktik entgegensteht”, erklärte der 26-Jährige in einer Pressemitteilung.

 

Sein Stellverteter Josef Mayer jun., der zugleich Vorsitzender des CSU-Arbeitskreises Umweltsicherung und Landesentwicklung ist, sagte ergänzend: „Um den Wohlstand und das wirtschaftliche Wachstum in unserer Region zu garantieren, ist ein gut ausgebautes Fernstraßennetz von integraler Bedeutung.” Zur langfristigen Sicherung von Arbeitsplätzen und des Tourismusstandortes Chiemgau sei ein „unverzüglicher Ausbau der A8 auf sechs Fahr- und zwei Standstreifen essentiell”. Mit der Einrichtung eines Arbeitskreises „Schienennetz” zeige die Junge Union zudem, das sie sich auch für den intelligenten Ausbau der Bahnstrecken in der Region stark mache. Statt auf eine „beschämende Blockadetaktik” sollte die BI lieber auf kooperative Sacharbeit setzen.

 

Auf den JU-Angriff antwortete prompt auch die BI „Bürger setzen Grenzen”. Die Pressemitteilung der JU sei ihren Worten nach Teil der üblichen Strategie, Feinbilder aufzubauen, teilte die Vorsitzende Marlis Neuhierl-Huber in einer Stellungnahme mit. „Das war so zu erwarten. Logisch ist auch, dass Jungpolitiker diesen Part übernehmen. Sie dürfen sich damit profilieren und gerne auch mal im Ton vergreifen.” Durch die einseitige Konzentration auf bestimmte Aussagen würden Sachverhalte bewusst verzerrt und die Bevölkerung gespalten.

 

Mit „großer Verwunderung” meldete sich auch Alexander Reitzenstein, Sprecher der Grünen-Jugendkreisverbände in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land zu Wort. Seiner Aussage nach sei der JU-Artikel mit „viel Emotion und wenig Sachlichkeit” verfasst worden. Kritisiert wird insbesondere, dass die Meinung Andersdenkender in einer pluralistischen Demokratie zu akzeptieren sei. „Anders denken, anders arbeiten und öffentliche Projekte zu verhindern, ist nicht dreist, sondern demokratisch und insbesondere basisdemokratisch.” Reitzenstein hält dem JU-Schreiben auch vor, „grundverschiedene Projekte” wie im Fall der A 8 und der A 94 argumentativ über einen Kamm zu scheren.

 

Es sei nicht hilfreich, wenn man das Aufrüsten der Infrastruktur grundsätzlich als Wachstumstumsfaktor betrachte und Faktoren wie ökonomische Notwendigkeit, soziale Verträglichkeit und ökologische Nachhaltigkeit durch Generalsierung vernachlässige. Nachhaltiges Wirtschaften im 21. Jahrhundert habe nichts mehr mit überdimensionierten Infrastrukturprojekten zu tun.

Autor: Axel Effner

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