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17.10.2012 Straubing

Reiner "Calli" Calmund zu Gast beim VfB Straubing

"Mensch, da kommt der Bruder von Buddha"

Reiner Calmund
Foto: Casdorf
Fußball-Experte und Entertainer – „Calli“ war am Freitag beim VfB Straubing zu Gast

 

Reiner Calmund ist an diesem Abend glänzend aufgelegt. Das liegt nicht nur an dem „wunderbaren Schweinebraten“, der dem ausgewiesenen Feinschmecker in der Vereinsgaststätte des VfB Straubing serviert worden ist. Dazu kommt: Der Rheinländer, der über viele Jahre als Manager von Bundesligist Bayer Leverkusen das nationale Fußball-Geschehen mit prägte, bewegt sich in Niederbayern auf vertrautem Terrain. Als Kind, lässt der 63-Jährige durchblicken, habe er im Bayerischen Wald Urlaub gemacht – und außerordentlich genossen. Und dann ist da noch eine offenkundige Wertschätzung für Bert Hierl. Das Mitglied des VfB-Wirtschaftsausschusses hat nämlich im Sommer den prominenten Besuch eingefädelt. Dass ihn Calmund launig als  „kleinen Drecksack“ bezeichnet, darf getrost als Sympathiebekundung gewertet werden. „Wir beide funken auf einer Wellenlänge“, erklärt der Stargast.
 
Calmund, Spitzname „Calli“, ist an diesem Freitag für einen Vortrag zum Thema „Kompetenz und Leidenschaft ist die Formel für den Erfolg“ angereist, in dem er Profi-Fußball und Wirtschaftsleben vergleicht. Die Kernaussage: Gutes Marketing, ein durchdachtes Nachwuchskonzept und Know-how sind Erfolgsfaktoren. Jedoch, führt Calmund weiter aus, seien Begeisterung, Herzblut und Motivation bei den handelnden Personen unverzichtbar – und „wichtiger als eine intelligente Schlaftablette“. Ex-Nationalspieler und Titelsammler Jürgen Kohler, technisch-spielerisch eher mäßig begabt, sei „ein Beispiel, was man alles mit Leidenschaft leisten kann.“
 
Calmund, seit dem Leverkusen-Abschied 2005 als TV-Gourmet und Werbe-Ikone in der deutschen Medienlandschaft omnipräsent, ist an diesem Abend eigentlich eher Entertainer als Referent. Besonders unterhaltsam ist er, wenn er aus dem Nähkästchen plaudert. Ob es um die amourösen Abenteuer deutscher Nationalspieler während der WM 1990 in Italien („Die haben da nicht nur Spaghetti gegessen“) oder um die Trinkgewohnheiten von Trainer-Legende Udo Lattek („Ich trinke Wodka Feige ohne Feige, dann passt mehr Wodka ins Glas“) geht – die rheinische Frohnatur hat die Lacher auf ihrer Seite. Auch, weil er sich selbst auf die Schippe nimmt. So thematisiert er schelmisch sein Gewicht („Ich könnte sagen, es liegt an den Drüsen, an den Genen oder den schweren Knochen. Richtig ist: Ich esse zu viel und bewege mich zu wenig“), seinen Thailand-Urlaub („Wenn ich da hinkomme, sagen alle: Mensch, da kommt der Bruder von Buddha“) oder seinen Auftritt mit hautengem Rennanzug bei Stefan Raabs Wok-WM  („Ich sah aus wie eine Kaulquappe, ich konnte mich nicht mal am Arsch kratzen“).
 
Bei dem Feuerwerk an amüsanten Anekdoten muss der Vortrag, normalerweise eineinhalb Stunden lang, deutlich gestrafft werden. Zum einen, um nicht mit der Übertragung des WM-Qualifikationsspiels der deutschen Mannschaft in Irland zu kollidieren. Zum anderen, wie Calmund süffisant anmerkt, damit „die Jungs hier nicht einschlafen.“
 
Nun, eingeschlafen ist niemand. Denn der Calmund'sche Auftritt an diesem Freitagabend in der Fußball-Provinz macht richtig Laune. Calmund ist einer, der etwas zu erzählen hat. Und dem man gerne zuhört.
Autor: Dominic Casdorf

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