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16.08.2012 Straubing

"Samstagnacht war die Hölle"

Eine Nacht in der Notaufnahme

Notaufnahme
Foto: Sussbauer
Das Gäubodenvolksfest bedeutet für die Schwestern und Pfleger der Notaufnahme am Straubinger Klinikum elf Tage Schwerstarbeit. Wir haben die Helden im Hintergrund besucht.

Während der Volksfestzeit in Straubing herrscht Ausnahmezustand. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste haben alle Hände voll zu tun. Auch in der Notaufnahme des Straubinger Klinikums wird Schwerstarbeit geleistet. Doch im Gegensatz zu den Helfern am Festplatz selbst, findet das Team der Notaufnahme in der Öffentlichkeit kaum Beachtung. Grund genug, die heimlichen Helden, eine (Volksfest-) Nacht von Sonntag auf Montag lang zu begleiten.

 


20.30 Uhr ist Dienstbeginn für die Schwestern und Pfleger der Nachtschicht. Bis 6.30 Uhr kümmern sie sich um Leute, für die der Volksfestbesuch nicht ganz so optimal verlaufen ist. „Vom Fest selbst bekommen wir hauptsächlich Patienten mit Platzwunden oder solche, die zu viel Alkohol erwischt haben“, verrät Udo Ritzenberger, einer von drei Schichtleitern der Notaufnahme. „Aber natürlich ist da auch noch die ganz normale Arbeit. Das Volksfest kommt on top dazu. Unser Aufgabenspektrum reich vom kleinen Kratzer bis zu lebensbedrohlichen Verletzungen.“

 


Wir treffen die Schwestern in der Stationsküche. „Samstagnacht war die Hölle“, wird uns erzählt. „Allein in der Nacht kamen 58 Patienten“ Ein paar der Schwestern wünschen sich, das Volksfest möge doch bitte schon vorbei sein. Andere freuen sich darauf selber einmal „privat“ runterzugehen. Doch in dieser Nacht wird aus dem Vergnügen nichts. Gegen 21 Uhr ist die Übergabe mit der Spätschicht beendet und es werden die ersten Vorbereitungen für den „Gästeansturm” getroffen. Für die Promille-Sünder hat man auf der Notaufnahme einen separaten Raum vorbereitet: Matratzen werden auf den Boden ausgelegt. „So kann uns keiner aus dem Bett fallen“. Man muss halt praktisch denken in Extremsituationen.

 

Notaufnahme 2
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Ein Laken dazu, ein Spucknapf, fertig. In stabiler Seitenlage können die Bieropfer ihren Rausch ausschlafen. „Schlimm ist es, wenn die Betrunkenen renitent werden und um sich schlagen“, plaudert Ritzenberger aus dem Nähkästchen, „wenn gar nichts mehr hilft, müssen wir in so einem Fall die Polizei rufen.“ Ebenfalls ein Fall für die „Freunde und Helfer“: Patienten die in der Nacht aufwachen, sich selbst die Infusion herausreißen und davonlaufen. „Die müssen gesucht werden, denn in ihrem Zustand können sie selbst- und fremdgefährdend sein.“

 


Überhaupt brauchen die Schwestern ein dickes Fell und starke Nerven. „Neben den üblichen Beschimpfungen kommt es durchaus auch vor, dass man angespuckt wird“, weiß Schwester Magdalena zu berichten. Wobei es auch schon vorgekommen ist, dass ein Betrunkener in die Stationsküche marschiert ist und sich in einen Personalspind erbrach. Das Team ist also einiges gewohnt und nicht mehr leicht aus der Ruhe zu bringen. Spannend sind für die Helfer im Klinikum immer die Geschichten, die der Rettungsdienst zu den Patienten zu erzählten weiß. „Da sind teilweise echt kuriose Sachen dabei. Ein Patient wurde einmal betrunken aus dem Allachbach gefischt, ein anderer musste von einer Garage gerettet werden, die er im Vollrausch erklommen hatte, um sich dort auszuschlafen.“
Auch menschliche Dramen spielen sich auf den Gängen der Notaufnahme ab. Es kommt vor, das aufgebrachte Frauen hier ihre Männer wiederfinden, die am Festplatz eigentlich nur mal eben zur Toilette wollten, den Weg zurück ins Zelt dann aber nicht mehr schafften und stattdessen in der Notaufnahme aufwachten.

 


Wenn das noch mit etwas Humor genommen werden kann, fehlt bei einer anderen Begebenheit jedes Verständnis: Ein 15-Jähriger hat es geschafft, sich in nur drei Stunden sage und schreibe drei Promille anzutrinken. Mit Vorkommen solcher Art neigt sich eine ”ganz normale“ Volksfest-Nachtschicht dem Ende.

 


Die dritte Nacht ist geschafft, sieben weitere folgen noch … dann ist wieder Normalbetrieb. 

Autor: ss

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