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06.06.2012 Steinach

Trotz Leben im Rollstuhl

Christian "geht" leidenschaftlich gerne klettern

Chris 2
Foto: Sussbauer
Der Steinacher Christian Alesch sitzt seit 16 Jahren im Rollstuhl und hilft Kindern mit gleichem Schicksal.

Es war ein schwerer Schicksalsschlag für den damals 18 Jahre alten Christian Alesch. Nach einem schweren Autounfall erhällt er die erschütternde Diagnose „Querschnittslähmung“. Sein weiteres Leben wird der Rollstuhl bestimmen. Christian sitzt „in einem ganz tiefen Loch“. Freunde machen sich plötzlich rar, weil sie nicht mit der Situation umzugehen wissen und auch die erträumte Fußballkarriere zerplatzt wie eine Seifenblase.

 


„Im ersten Moment war mein ganzes Leben weg“, so Christian. Aber aufgeben kam für Christian nicht in Frage. Seine damalige Freundin war zum Zeitpunkt des Unfalls schwanger. „Der Wunsch, meinem Kind trotzdem ein guter Vater zu sein, war damals mein größter Antrieb.“ Und so hat Christian im Lauf der Jahre gelernt, mit dem Rollstuhl umzugehen, als ob er ein Teil von ihm wäre. „Die beste Motivation für mich ist mittlerweile, wenn jemand mir erzählen möchte, ich könnte dieses und jenes nicht machen.“

 

 

Und so hat der 33-Jährige im Lauf der Jahre alles umgesetzt, was er angeblich nicht mehr könne. So ist der Sportler und Tierfreund ein begeisterter Freeclimber. „Ich muss halt alles mit den Armen machen, die Beine sind mir keine große Hilfe. Aber das klappt ganz gut.“ Sogar den Großglockner hat Christian bestiegen. „Da bin ich auf dem Hintern hochgerobbt, nur um zu zeigen, dass ich das kann. Zwei Tage hat das gedauert.“ Seitdem bestimmt eine Devise sein Leben: „Geht nicht, gibt’s nicht“.

 

 


Und noch eine bewundernswerte Aufgabe hat Christian im Lauf der Jahre gefunden. Er kümmert sich ehrenamtlich um Kinder, die frisch mit dem Schicksal Rollstuhl konfrontiert wurden. Gerade für Kinder ist es am Anfang sehr schwierig, eine solche Situation zu verarbeiten und zu akzeptieren. Fast noch schwieriger ist es für Eltern und Angehörige. „Die neigen dazu, die Kinder in Watte zu packen und ihnen alles abnehmen zu wollen. Ich zeige den Kids dann, wie sie Alltagsprobleme meistern und mit verschiedenen Situationen umgehen können. Das fängt beim selbstständigen Einsteigen in den Bus an, geht über ein ausführliches Fahrtraining bis hin zum Umgang mit falscher Hilfsbereitschaft und Stärkung des Selbstbewusstseins.“

 


Dabei hilft Christian, dass er weiß, wovon er redet. Schließlich spricht und lehrt er aus Erfahrung. „Kinder vertrauen mir schneller und leichter als beispielweise einem gehenden Sozialpädagogen. Ich habe da einen Glaubwürdigkeitsbonus.“ Vier bis sechs Wochen lang kümmert sich Christian zwei bis dreimal wöchentlich um ein bis zwei Kinder und freut sich, wenn sich nach seinem Kurs Erfolge einstellen.

 


Gerne erinnert er sich an den zwölfjährigen Oliver. Als er zu Christian kam, war der Junge am Boden zerstört, sozial isoliert und die Eltern ob des schweren Schicksals hoffnungslos zerstritten. Als er die Familie nach einem halben Jahr wieder trifft, hat sich vieles zum Guten gewendet. Oliver treibt Sport, hat neue Freunde gefunden und ist viel selbstbewusster. Die ganze Familie ist entspannter und optimistischer.

 


„Das ist genau das, was ich erreichen möchte. Keiner hat gesagt, dass das Leben einfach sein muss. Aber es ist zu schade, es einfach so vorbeiziehen zu lassen.“ Und mit diesem Optimismus widmet sich Christian nun auch seinem nächsten ganz persönlichen Ziel: „Ich bin momentan auf der Suche nach einem Arbeitsplatz.“ Und um mögliche Vorbehalte gleich zu entkräften, hat Chris ein beeindruckendes Video produziert, in dem er zeigt, dass es trotz Handicaps eigentlich nichts gibt, was er nicht hinbekommen würde.

 

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Chris

 

Kontakt mit Chris:
Wer weitere Informationen wünscht oder mit Christian Alesch bezüglich Rollstuhltraining Kontakt aufnehmen möchte, kann das ganz einfach unter seiner E-Mail-Adresse aleschchris@yahoo.de 


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