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06.09.2012 Regensburg

Oommh statt Brum-Brum

Konzentrationstraining gegen ADHS und ADS

Motorsportler Phillip Öttl  Konzentrationstraining
Foto: ADAC
Bis zu acht Prozent der deutschen Schulkinder leiden an Auf­merksamkeitsstörungen. Krankheiten wie ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) oder ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Störung) gehören in Kindergärten und Klassenzimmern zum Alltag von Erziehern und Lehrern. Doch nicht immer ist der Einsatz von Medikamenten wie dem umstrittenen Ritalin notwendig.

„Konzentrationsfähigkeit lässt sich trainieren“, betont Prof. Dr. Manfred Döpfner, ADHS-Experte an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie für Kinder und Jugendliche der Universität Köln. Döpfner weiß, dass eine negative Grundeinstellung, Stress und Überlastung, mangelndes Interesse und emotionale Belastungen zu Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität führen. „Gezielt eingesetztes Konzentrations­training kann Kindern und Jugendlichen helfen, Blockaden zu lösen, Motiva­tion aufzubauen und Aufmerksamkeit zu schulen“, ist der Verhaltensforscher überzeugt. Wie gut das wirkt, zeigen auch die Erfolge junger Motorsportler: Für die ist es eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolge auf der Rennstrecke. Wie auch für Phillip Öttl (Foto).

 

Bezug zur Realität schaffen
Während Kinder mit ADS oft auffallend ruhig und häufig geistig abwesend wirken, stören Kinder mit dem sogenannten „Zappelphillip-Syndrom“ ADHS häufig den Unterricht durch Hyperaktivität und ausgeprägtem Rededrang. Plötzlich auftretende Aggressivität, leichte Irritierbarkeit, ausgiebiges Trödeln am Morgen, mangelhafte Selbstorganisation und die Unfähigkeit, aus Fehlern und Erfahrungen zu lernen, sind weitere Symptome. Die psychische Störung hat jedoch nicht nur negative Seiten. Ideenreichtum, künstlerische Kreativität, Begeisterungsfähigkeit, Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeitssinn sind als posi­tive Eigenschaften ebenfalls vorhanden. Wie leistungsstark Kinder mit Auf­merksamkeitsstörungen sein können, weiß Dipl.-Sportwissenschaftler Roland Fabisch, Talentscout für den FC Bayern München und ADAC Motorsport: „Durch gezieltes mentales Training können große Veränderungen bei verhal­tensauffälligen und -unauffälligen Kids erreicht werden. Vor allem, was Reife und Selbstkritik angeht. Sie lernen, Informationen besser zu verarbeiten, wovon auch das Gedächtnis profitiert.“

 

Positives Denken fördert innere Stärke
In der heutigen Zeit sind Kinder einem enormen Leistungsdruck ausgesetzt. Was in ihren Köpfen vorgeht, spiegelt sich häufig in ihren Körpern und auch in ihrem Ver­halten wieder. Um im Sport oder im schulischen Bereich Ihr Leistungspotenzial ideal auszuschöpfen, müssen sie lernen, achtsam mit ihren Gedanken umzugehen. „Negatives Kopfkino programmiert Menschen auf Misserfolge. Das Selbstvertrauen wird untergraben und der Glauben an sich selbst“, sagt Roland Fabisch. Ängste und Blockaden beginnen sich zu formen, die später instinktiv bei Testsituationen auf­treten und zu weiteren Angstblockaden führen. Da angstbesetzte Vorstellungen im Kopf entstehen, muss auch dort gegen sie vorgegangen werden. Mentale Übungen wie meditieren, beten und visualisieren schärfen den Verstand und den Bezug zur Gegenwart. Die Reaktionsfähigkeit wird optimiert, eine nicht nur im Rennsport unab­dingbare Fähigkeit. Die ungeteilte Aufmerksamkeit kann sich auf alle wichtigen Ein­zelheiten des Augenblicks richten und filtert überflüssige Zukunftssorgen oder unauf­gearbeitete Ereignisse aus der Vergangenheit aus. Das schafft mentale Sicherheit, Ruhe und Gelassenheit.

 

Kurse im Kolpinghaus
Wie Kinder und Erwachsene ihren Körper und Geist trainieren können kann man in den Seminaren und Kursen von ADAC gelbhilft im Kolpinghaus in Regensburg in der Adolph-Kolping-Straße 1 lernen. Darüber hinaus gibt es Vorträge rund um das Thema Gesundheit. Verständlich, lebendig und kompakt aufbereitet eignen sich die Themen auch für Schulklassen, Vereinsabende oder Betriebs­versammlungen. Informationen dazu findet man auch im Internet unter www.adac-gelbhilft.de.

Autor: pm