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10.10.2012 Neunaigen

Am Sonntag in Neunaigen

Typisierungsaktion: Ein ganzes Dorf will helfen


Wie gut eine Gemeinschaft funktioniert, zeigt sich oft erst in kritischen Situationen. In Neunaigen bei Wernberg-Köblitz ist eine solche eingetreten: Zwei Bewohner (Bild oben) sind nahezu zeitgleich an Leukämie erkrankt.

 

Um ihnen – und darüber hinaus vielen anderen Patienten – zu helfen, hat die Dorfgemeinschaft eine große Typisierungsaktion auf die Beine gestellt, die an diesem Sonntag von 10 bis 17 Uhr im Neunaigener Schützenheim (St.-Vitus-Straße 23) stattfindet.
 
Georg Weber (59), 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Neunaigen, und die 56-jährige Anneliese Ruidisch aus dem Ortsteil Oberndorf leiden an unterschiedlichen Formen der Leukämie. Was sie allerdings gemeinsam haben: Sie brauchten und brauchen dringend einen passenden Stammzellen-Spender. Bei Weber war die Suche danach bereits erfolgreich, im Fall von Anneliese Ruidisch will die Dorfgemeinschaft keine weitere Zeit verstreichen lassen und ruft daher zur Typisierung auf.
 
„Ich rechne auf jeden Fall mit 400 bis 500 Teilnehmern“, sagt Erich Wilfert, der die Aktion in Neunaigen koordiniert. Diese Arbeit ist für ihn und seine Mitstreiter in den letzten Tagen fast ein Vollzeitjob geworden. Sie klappern Firmen ab und infomieren die Bürger, um für die Aktion zu werben und Geld zu sammeln. 
 
Das Echo ist beeindruckend: Allein die Ortsvereine haben bereits 5.300 Euro gespendet, die Vereine der Nachbarorte und zahlreiche Untermehmen zeigten sich ebenfalls großzügig.
 
Weitere Einnahmen soll der Verkauf von Getränken und Bratwurstsemmeln vor Ort am Aktionssonntag bringen. Das Geld wird verwendet, um die Kosten für die Typisierung zu decken. Pro Teilnehmer fallen 50 Euro an, doch Wilfert betont: „Man muss diesen Betrag  nicht selber zahlen!“
 
Denn selbst wenn die Spenden nicht ausreichen sollten, ist die Aktion finanziert. Sie steht nämlich unter dem Dach des Vereins „Hilfe für Anja e.V.“ aus Kirchenthumbach (Landkreis Neustadt/Waldnaab), der seit dem Jahr 2000 zahlreiche Typisierungsaktionen im gesamten nordbayerischen Raum durchgeführt hat.
 
Teilnehmen kann übrigens jeder, der zwischen 18 und 55 Jahre alt und gesund ist. Wer diese Anforderungen erfüllt, kann am Sonntag zwischen 10 und 17 Uhr einfach ohne Anmeldung ins Schützenheim kommen. Der Aufwand ist lächerlich gering, es wird lediglich eine kleine (rund fünf Milliliter) Blutprobe entnommen.
 
Und selbst wenn keiner der Spender mit den beiden Erkrankten aus Neunaigen „kompatibel“ sein sollte, macht niemand vergebens mit: Jeder Typisierte wird nämlich in einer weltweiten Datenbank erfasst und kann somit theoretisch an jedem Ort der Erde zum Lebensretter werden.
 
Diese Aussicht hat die Dorfgemeinschaft von Neunaigen in den letzten Wochen und Monaten beflügelt, die große Aktion am 14. Oktober auf die Beine zu stellen. Die Organisatoren und auch die beiden Schirmherren, Bürgermeister Georg Butz sowie die Wernberger Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder, werden noch bis zum Sonntag kräftig die Werbetrommel rühren, damit der Erfolg dieser guten Tat möglichst groß wird. 
Autor: Rainer Wendl

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