06.04.2011 Schwandorf
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Besondere Aktion für trauernde Eltern:

Schmetterlingskinder kommen im Schlafsack in den Himmel

Schmetterlingskinder St. Barbara
Foto: pm
"Jeder Mensch – und sei er noch so klein – verdient es, würdevoll bestattet zu werden. Und dazu gehört auch, dass er nicht nackt beerdigt wird." Michaela Weihrauch und Christine Wild, Hebammen am Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf sind sich in diesem Punkt einig.

Bislang konnte das Krankenhaus tote Schmetterlingskinder mit einem Geburtsgewicht von wenigen 100 Gramm oft nur in schlichte weiße Tücher einschlagen. Deshalb freuten sie sich, als sie am vergangenen Montag über die "Klinikaktion der Schmetterlingskinder" winzig kleine bunte Schlafsäcke, Einschlagtücher und Stofftiere als Grabbeigaben für einen würdevollen Abschied erhielten.

 

Carolin Erhardt-Seidl, ehrenamtliche Helferin des Vereins Frauenworte e. V., der die "Klinikaktion für Schmetterlingskinder" 2008 ins Leben gerufen hat, weiß, wofür sie sich engagiert. Sie hat selbst eine Tochter in der 22. Schwangerschaftswoche verloren und wäre froh gewesen, wenn sie sich von ihrem eigen Fleisch und Blut nicht nackt oder in Puppenkleidern hätte verabschieden müssen. Seither engagiert sie sich für die Schmetterlingskinder – oft auch Sternenkinder genannte, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Schwangerschaft tot geboren werden oder kurz nach der Geburt sterben.

 

Nach der Regensburger Hedwigsklinik, die diese Ausstattung bereits vor einigen Wochen erhalten hat, übergab sie nun am Montag auch eine Schmetterlingskinder-Box ans Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf. Sowohl die Mützchen als auch die Mini-Schlafsäcke und die Kerzen mit Aufschrift "Engel" oder "Schmetterlingskind", die während der Verabschiedung angezündet werden, wurden in liebevoller Handarbeit gefertigt und dem Verein gespendet. Über hundert Frauen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, berichtete Carolin Erhardt-Seidl, beteiligen sich mit Handarbeiten mittlerweile an diesem Projekt.

 

Jedes Jahr kommen im Krankenhaus St. Barbara laut den beiden Hebammen Michaela Weihrauch und Christine Wild ein bis zwei Schmetterlingskinder zur Welt. Die Dunkelziffer an Schmetterlingskind-Geburten im Landkreis dürfte allerdings höher liegen. "Viele dieser Schmetterlingskinder werden zu Hause und ohne die Hilfe einer Hebamme oder eines Arztes geboren", berichtet Michaela Weihrauch. Da nur die wenigsten Frauen in dieser Situation wüssten, dass sie auch Anspruch auf die Hilfe einer Hebamme haben oder aus Scham schweigen, würden diese Frauen medizinisch wie psychologisch nur schlecht betreut. "Wenn man ein Kind verliert, spricht man nicht darüber. Das ist in unserer Gesellschaft leider immer noch ein Tabu-Thema", erklärt Michaela Weihrauch betroffen.

 

Wie wichtig es sei, das Erlebte bewusst zu verarbeiten, betont die Hebamme Christine Wild. Sie möchte Frauen, die ein Kind in der Schwangerschaft verloren haben, ermutigen, das Gespräch zu suchen. "Auch wenn sie erst ein Jahr danach mit jemandem reden, es ist nie zu spät." Die Klinikbox für Schmetterlingskinder enthält deshalb auch Umschläge mit Informationen zur stillen Geburt, zum Bestattungsrecht und zu Selbsthilfegruppen vor Ort. Denn Carolin Erhardt-Seidl, Christine Wild und Michaela Weihrauch wissen, dass man ein solch trauriges Erlebnis erst verarbeiten muss, bevor man sich auf eine neue Schwangerschaft einlassen kann.

 

Hintergrundinfos:
Die "Klinikaktion der Schmetterlingskinder" wurde Anfang 2009 gegründet. Mittlerweile sind bereits etwa 250 Krankenhäuser in ganz Deutschland mit Bekleidung, Grabbeigaben, Kerzen und Abschiedskarten für Schmetterlingskinder ausgestattet. Die Kleidung wird von ehrenamtlichen Helfern genäht und gestrickt und dem Verein gespendet. Strick- und Nähanleitungen findet man auf der Internetseite des Vereins. Der Verein Frauenworte e.V. freut sich auch über Geldspenden: Kreissparkasse Gotha, Konto-Nummer 525003967, BLZ 82052020. Alle Informationen im Internet gibt es unter www.klinikaktion-der-schmetterlingskinder.de



Autor: pm / uh

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