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20.04.2012 Schwandorf

Fast 60 Wirte zeigen Flagge

Nazis werden in Schwandorf nicht bedient

Broschüre "Keine Bedienung für Nazis"
Foto: Keine Bedienung für Nazis
Auf eine Initiative des „Schwandorfer Bündnis gegen Rechtsextremismus“ hin zeigen fortan auch zahlreiche Schwandorfer Gastronomen Neonazis und Rassisten die Rote Karte. Diese Neuigkeit konnte das Bündnis bei seinem letzten Treffen am 18. April bekanntgeben.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Initiatoren der aus Regensburg stammenden Initiative „Keine Bedienung für Nazis“ (siehe Bild oben) in den Kreis des Bündnis gekommen waren, um ihre Erfahrungen weiterzugeben und wertvolle Ratschläge für die Durchführung in Schwandorf zu geben. Damals, im Februar 2012, war die Aktion gerade in der Planungsphase, kurz darauf lief sie an. Immer wieder traf sich das Bündnis, die Zwischenstände wurden besprochen, das weitere Vorgehen geplant. Außerdem wurde vereinbart, erst dann an die Öffentlichkeit gehen zu wollen, wenn 50 Wirte die Erklärung unterzeichnet haben.

 

Heute, rund zwei Monate später, zeigt sich: Die Aktion war ein voller Erfolg und die Resonanz der Wirte, die von den engagierten Bündnis-Mitgliedern aufgesucht wurden, überwältigend. Kaum einer hätte gezögert, viele sogar sofort bereitwillig mitgemacht, erzählten Bündnis-Mitglieder, die bei den Gaststätten für die Aktion geworben haben. Nur vereinzelt hätte es Zweifel oder Unsicherheiten gegeben. Insgesamt haben sich am Ende nahezu 60 Gastwirte klar und deutlich gegen neonazistisches und rassistischen Gedankengut positioniert und die Erklärung unterzeichnet. Damit hat sich ein Großteil der Schwandorfer Wirte an der Aktion beteiligt.

 

Und Gründe für diese Aktion gibt es tatsächlich zu Genüge. Denn auch in Schwandorfer stößt man auf eine eigene rechtsextreme Kameradschaft, einen neonazistischen Online-Versandhandel in Wackersdorf, gelegentliche Aufmärsche und Neonazi-Treffen. Beispielsweise fand im Oktober letzten Jahres der Bezirksparteitag der NPD-Oberpfalz in Schwandorf statt, an dem unter anderem auch der verurteilte Rechtsterrorist Martin Wiese teilgenommen hatte. Wiese wurde im Jahre 2003 wegen eines geplanten Sprengstoffattentats auf die Grundsteinlegung des Jüdischen Kulturzentrums in München zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt. Zudem unterhält die lokale Szene enge Kontakte zu Neonazis in ganz Bayern, wie es auch in der Erklärung heißt.

 

Insbesondere gegen die Ausnutzung von Gaststätten für Neonazi-Treffen sollte mit der Aktion „Keine Bedienung für Nazis“ jetzt etwas unternommen werden. Und die Freude über die großartige Resonanz und die breite Beteiligung war im Bündnis dann auch entsprechend groß. „Wir können stolz auf Schwandorf sein“, sagte etwa Berthold Pirzer, einer der Sprecher des Bündnis.

 

Wie genau es jetzt, nachdem die Wirte die Erklärung unterzeichnet haben, weitergehen wird, wird bald noch konkreter geplant werden. Ebenso überdacht werden muss noch, ob man auch wie in Regensburg über einen Aufkleber mit der Aufschrift „Rassisten werden hier nicht bedient! Schwandorfer Gastronomen zeigen Zivilcourage. Initiative Keine Bedienung für Nazis“ nachdenkt oder ob man sich hier etwas anderes vorstellt.

Autor: Johannes Hartl

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