31.01.2013 Nabburg

Schwache Auslastung

Krankenhaus Nabburg schließt zum 1. April

Krankenhaus Nabburg
Foto: pm
Das Aus für das Nabburger Krankenhaus ist besiegelt. Zum 1. April schließt die Klinik, wie das Betreiber-Unternehmen Asklepios am Donnerstag bekannt gab. Insgesamt stehen 62 Arbeitsplätze im Feuer.

„Alle Wege, das Krankenhaus zu retten, sind ausgeschöpft“, gab Regionalgeschäftsführer Dr. Boris Rapp bei einer Pressekonferenz am Donnerstag bekannt. Der Krankenhausbetrieb in seiner jetzigen Form habe keine Akzeptanz mehr gefunden und neue Konzepte ließen sich nicht verwirklichen, nannte der Regionalgeschäftsführer die Gründe. Erst im Dezember hatte der Krankenhaus-Planungsausschuss am Bayerischen Gesundheitsministerium den Antrag, eine Psychosomatik-Abteilung einzurichten, zum zweiten Mal zurückgestellt.

 

Asklepios verlegt die Planbetten des Krankenhauses Nabburg an den Standort Lindenlohe und beendet zum 1. April den Klinikbetrieb. „Wir bedauern diesen Schritt sehr, mussten ihn aber gehen.“ Weiter zu machen wie bisher, sei nicht mehr möglich: Aufgrund des Ärztemangels haben sich für Nabburg keine festangestellten Mediziner finden lassen, so dass inzwischen bis auf eine Assistenzärztin nur noch Honorarärzte vor Ort arbeiten. Sie bleiben oft nur wenige Wochen oder Monate. „Bis sie das Haus kennen, sind sie schon wieder weg“, erklärt der Regionalgeschäftsführer. „Wir können mit ihnen deshalb nicht die nötigen Qualitätsstandards garantieren.“

 

Man habe zwar mit einem Belegarzt einen verlässlichen Partner, der mit seinen Patienten zusätzlich Betten fülle, doch auch das reiche nicht: „Die Zahlen sind deutlich gesunken. Im letzten Jahr waren im Schnitt zehn Betten belegt, in den Wochen vor Weihnachten sogar nur drei. Die Ambulanz wird nahezu überhaupt nicht mehr genutzt.“ Auch das sind laut Dr. Rapp Tatsachen, die man nicht außer Acht lassen dürfe.

 

Bei so wenigen Patienten hätte es passieren können, dass die 30 internistischen Betten komplett aus dem Krankenhausplan gestrichen werden. Damit wären sie dauerhaft für die Region verloren gewesen. „Deshalb haben wir jetzt die Konsequenzen gezogen und uns dafür entschieden, die im Krankenhausplan ausgewiesenen Planbetten von Nabburg nach Lindenlohe zu
verlegen, um die Versorgung der Menschen in der Region zu gewährleisten.“

 

Diese Lösung habe sich angeboten, da man in Lindenlohe die nötige Infrastruktur und qualifiziertes Personal vor Ort habe und weniger Probleme bestünden, solches zu finden. Man sei zudem in Gesprächen mit dem Belegarzt, die Kooperation in Lindenlohe fortzusetzen. „Die Patienten erwartet dort das gleiche Leistungsspektrum wie in Nabburg bei verlässlichen Qualitätsstandards“, erklärt Dr. Rapp.

 

Auch die 15 Minuten Fahrtzeit von Nabburg nach Lindenlohe seien vertretbar. Die Klinik dort profitiere ebenfalls von der Lösung. „Durch die Erweiterung um die internistische Abteilung wird der Standort deutlich gestärkt“, so Dr. Rapp. Zudem hätten Patienten, die in Lindenlohe ein neues Hüft- oder Kniegelenk bekommen, aufgrund ihres Alters häufig internistische Begleiterkrankungen, die zukünftig noch besser behandelt werden können.

 

Von den Umstrukturierungen besonders betroffen sind die insgesamt 62 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 42 davon sind derzeit im „aktiven" Dienst. „Wir sind uns der Problematik bewusst, die die Schließung der Klinik für sie darstellt“, sagt Dr. Rapp.
Deshalb arbeite man intensiv daran, für alle eine einvernehmliche Lösung zu finden; betriebsbedingte Kündigungen soll es nach Möglichkeit nicht geben. Das Ziel sei, möglichst viele an den anderen Asklepios-Standorten in Lindenlohe, Burglengenfeld, Oberviechtach oder Bad Abbach unterzubringen.

 

„Bis Ende Februar möchten wir für jeden Einzelnen eine Lösung gefunden haben“, zeigt Dr. Rapp die Zeitschiene auf. Um Konflikte von vorneherein zu vermeiden, habe man sich dazu entschlossen, dem Betriebsrat direkt eine Einigungsstelle für Interessensausgleichsverhandlungen anzubieten. „Wir halten dies für einen guten Weg, einen gemeinsamen Nenner zu finden“, erklärt der Regionalgeschäftsführer.

 

Zu konkreten Plänen, wie die Klinikräume zukünftig genutzt werden, konnte sich Dr. Rapp noch nicht äußern, da noch mehrere Abstimmungsgespräche laufen. Zum einen seien förderrechtliche Aspekte zu beachten, zum anderen Regelungen aus dem Kaufvertrag; dazu gehöre beispielsweise eine Klausel, die ein Rücknahmerecht des Landkreises im Falle einer Einstellung des Klinikbetriebs vorsieht.

 

Für das weitere Vorgehen wolle man sich konzeptionell eng mit dem Landkreis abstimmen. Dr. Rapp bat deshalb um Verständnis, versicherte aber: „Wir stehen zu unserer Verantwortung und Nabburg als medizinisch-pflegerischem Gesundheitsstandort.“ Auswirkungen auf die vier bestehenden Praxen im Gebäude und die Demenzstation St. Johannes haben diese Planungen nicht. Ziel ist es, unter Einbeziehung von Kooperationspartnern, den Weg für neue und zusätzliche
Angebote in Nabburg zu bereiten.

Autor: pm / ra

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