22.02.2012
Schwandorf
Ein Familienvater klagt an
Kinder als Hemmnis bei Wohnungssuche?

Foto: Wendl
„Mit Hund und Katze kriegt man leichter was als mit Kind“, schimpft Jan Bejera. Seit Jahren sucht der dreifacher Familienvater vergeblich eine Wohnung in Schwandorf. Als Grund dafür vermutet er Kinderfeindlichkeit.
Mobilität und Kinderfreundlicheit sind zwei Schlagworte, die in gesellschaftspolitischen Diskussionen oft Verwendung finden. Das eine gilt als unerlässlich für das berufiche Vorankommen, das andere wird stets gefordert, um einem eher fortpflanzungsfaulen Volk auf die Sprünge zu helfen.
Jan Bejera aus Schwandorf hat seine ganz eigenen Erfahrungen mit den beiden Begriffen gemacht: Er ist nicht mobil, weil er keinen Führerschein hat. Und den Glauben an die Kinderfreundlichkeit hat er weitgehend verloren – weil er seit Jahren in Schwandorf keine Wohnung für sich und seine Familie findet.
„Es scheitert immer an den Kindern, es gibt sonst kein Problem“, sagt der 46-jährige gebürtige Siebenbürgener, der als Aluminium-Schweißer beim Autozulieferer Benteler in Schwandorf arbeitet. Auch seine Frau, eine gelernte Altenpflegerin, hat einen Job; allerdings in Hohenfels, wo sie mit den drei Söhnen Denis (10), Alois (8) und Jonas (6) wohnt.
Sie würde sofort aufhören und sich im Raum Schwandorf eine Stelle suchen, doch die Familienzusammenführung will mangels Wohnung einfach nicht gelingen. Jan Bejera hat schon dutzende Male Wohnungssuchanzeigen im Wochenblatt aufgegeben und im Anschluss daran auch oft genug erfolgversprechende Besichtigungstermine vereinbaren können.
„Doch wenn wir mit unseren Kindern aufgekreuzt sind, haben die Vermieter immer sehr schnell abgesagt“, erzählt er und betont, dass sich seine Buben bei diesen Terminen keineswegs wie Rabauken aufgeführt hätten. Der Familienvater will vielmehr eine grundsätzliche Kinderfeindlichkeit erkannt haben und schimpft daher: „Mit Hund oder Katze kriegt man eher was als mit Kind.“
Aus Bejera spricht der Frust, der sich nach der jahrelangen vergeblichen Suche aufgebaut hat. Dabei hätte er sogar mehr zu bieten als die pünktliche und zuverlässige Zahlung der Miete: „Ich übernehme auch Hausmeister-Arbeiten. Schnee räumen, Holz schlichten, Rasen mähen – mache ich alles gerne“, sagt er.
Neuerdings hat der 46-Jährige so etwas wie politische Unterstützung: Bei einem Hallenfußball-Turnier ist er mit Schwandorfs drittem Bürgermeister Dieter Jäger ins Gespräch gekommen, der sich gewundert hat, warum Bejeras Jungs für den TSV Hohenfels kicken. Da er nun das Problem der Familie kennt, will er auf der Suche nach einer – möglichst im Schwandorfer Süden gelegenen – Wohnung helfen.
Auch Wochenblatt-Leser können dies tun. Wer eine passende Bleibe für die Familie hätte, kann sich melden, der Kontakt wird hergestellt. Für Vater Bejera zählt im Jahr 2012 nämlich nur dies: „Ich will näher bei meinen Kindern sein!“
Autor: Rainer Wendl
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