31.08.2012


Griff rechte Hand des Bürgermeisters in die Stadtkasse?



Foto: Wendl



Aus heiterem Himmel ist die Idylle in der Stadt Neunburg vorm Wald (Landkreis Schwandorf) in Gefahr geraten. Gegen Stefan Schmid (li.), die rechte Hand von Bürgermeister Martin Birner (re.) wird ermittelt. Das Arbeitsverhältnis hat man bereits gelöst.

Hätte man in letzter Zeit eine „Aufsteiger-Kommune“ im Landkreis Schwandorf küren wollen, wäre Neunburg vorm Wald ein heißer Anwärter auf diesen Titel gewesen. Die Revitalisierung der Innenstadt, zwei Triumphe binnen drei Jahren beim Bayerischen Stadtmarketingpreis oder die Eröffnung der spektakulären Schwarzachtalhalle legen nahe, dass es in der kleinen Pfalzgrafenstadt mächtig vorwärts geht.

 

Neben Bürgermeister Martin Birner nahm die Öffentlichkeit bei all diesen Erfolgen immer einen Mann wahr, der es vom „einfachen“ Mitarbeiter der Stadtverwaltung zum City-Manager, Organisationsbeauftragten der neuen Halle, Referenten für Stadtentwicklung, Pressesprecher und rechten Hand des Stadtoberhaupts gebracht hatte: Stefan Schmid.

 

Damit ist es jetzt vorbei. Seit gut zehn Tagen ist Schmid nicht mehr Beschäftigter der Stadt. Birner gab die Trennung bekannt und verabschiedete sich unmittelbar danach bis einschließlich 5. September in Urlaub. Selten hat die Floskel „Nach Diktat verreist“ besser gepasst – und selten steckte mehr Sprengstoff hinter dem Inhalt des „Diktats“.

 

Gegen Stefan Schmid wird nämlich ermittelt. Warum? „Die Kasse soll nicht stimmen“, drückt es der Amberger Leitende Oberstaatsanwalt Harald Riedl gegenüber dem Wochenblatt aus. Konkret wird gemunkelt, dass es Unregelmäßigkeiten in der Kasse des Ordnungsamtes gibt, mit denen der einstige City-Manager in Verbindung gebracht wird.

 

Die Kripo Amberg geht derzeit diesem Verdacht nach. „Drei, vier Wochen wird das auf jeden Fall dauern“, macht Riedl deutlich, dass die Ermittler hier ein größeres Stück Arbeit vor sich haben.

 

Die Ergebnisse der Kripo bleiben ebenso abzuwarten wie die Antwort auf die Frage, ob Bürgermeister Birner dieser Fall (politisch) schadet. Schmid ist nämlich nicht nur optisch ein Schwergewicht, er war es aufgrund seines Enthusisamus‘ für die Stadtentwicklung und seines Ideenreichtums auch im übertragenen Sinne. Der jüngste Erfolg von Neunburg vorm Wald wirkte auf Außenstehende stets wie die Frucht der Arbeit dieses kongenialen Duos aus dem Rathaus. Eine Idylle, die jetzt völlig unerwartet einen schweren Schlag verkraften muss.

Autor: Rainer Wendl
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