25.10.2010 Flossenbürg/Städtedreieck

Jusos aus dem Städtedreieck zu Besuch in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg:

Gemeinsam gegen das Vergessen


Gemeinsamen gegen das Vergessen, Gemeinsamen gegen rechtes Denken, Gemeinsamen für Demokratie - daswar die Botschaft eines Tagesseminars der Jusos Oberpfalz. Zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft 60plus Oberpfalz und der Arbeitsgemeinschaft der vertriebenen Sozialdemokraten diskutierten sie an historischer Stätte über Thema „Rechtsextremismus in Deutschland".

Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, als Ort, der wie kein anderer in der Oberpfalz für die menschenverachtenden Gräueltaten des Nationalsozialismus steht, bildete den geeigneten Rahmen. Auch eine Delegation der Jusos im Städtedreieck befand sich unter den mehr als 50 Teilnehmern.

 

Mit Susann Rüthrich vom „Netzwerk für Demokratie und Courage“ führte eine kompetente Referentin durch die Thematik. Rüthrich zeigte auf, dass in vielen Aussagen unterschwelliger Rassismus, also gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit vorherrsche. „Rassismus ist ein weitverbreitetes Problem, nicht nur in Deutschland“, stellte sie ihren Ausführungen voraus.
Neben allgemeinen Definitionen wurde auch die neue Wortergreifungs- und Präsenzstrategie von Neonazis erklärt. Dabei werde auch versucht, unterschwellig in gesellschaftlichen Gruppen nationalsozialistisches Gedankengut zu verbreiten, sei es beispielsweise durch Engagement in Sportvereinen oder im Bereich des Tierschutzes. „Gerade hier muss man die Augen offen halten“, mahnte Rüthrich.


An der Opfergedenksäule auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte legten die Sozialdemokraten einen Kranz nieder und gedachten der Opfer des Nationalsozialismus. Mit einer Rede erinnerte man auch an die vielen Sozialdemokraten, die während des NS-Regimes Opfer ihrer Überzeugung wurden.


Auch Weidens Oberbürgermeister, der Sozialdemokrat Kurt Seggewiß, sah es als Pflicht und Selbstverständlichkeit, von seinen Erfahrungen im Umgang mit rechtsradikalen Organisationen zu berichten. Seggewiß hielt eine Präsenz bei Nazi-Aufmärschen oder Infoständen für besonders wichtig und notwendig. Stolz blickte er auf das vorbildliche Engagement des Weidener Bündnisses „Weiden ist bunt“ zurück. Nur durch engagiertes Eintreten aller gesellschaftlichen Gruppen einer Stadt, sei den Nazis klar zu machen, dass „wir sie nicht haben wollen!“.


„Auch wir im Städtedreieck müssen hier Zeichen setzen!“, machte Florian Bitterer, der Vorsitzende der Jusos im Städtedreieck, deutlich. Dazu werden die Jusos im Städtedreieck in nächster Zeit den Kontakt mit den politisch Handelnden vor Ort suchen, damit künftig bei jeglicher Art von Nazi-Umtrieben im Städtedreieck eine große bürgerliche Mehrheit mobilisiert wird. „Bei Infoständen oder sonstigen Aktivitäten der Nazis müssen wir Präsenz zeigen“, folgerte Vorsitzender Peter Wein aus den Worten des Weidener Oberbürgermeisters.


Im zweiten Seminarabschnitt befasste sich die Rechtsextremismus-Referentin Rüthrich mit „Lifestyle“, Symbolen und Codes von neonazistischen und rechten Gruppen. Das Schwierige sei heutzutage, dass der Rechtsradikale oftmals nicht mehr anhand von Springerstiefeln und Glatze erkennbar sei. „Man muss auf die Inhalte achten“, folgerte Juso-Vorstandsmitglied Fabian Berger daraus.
Ergriffen vom historischen Kontext und aufgerüttelt vom Thema waren sich die Teilnehmer generationsübergreifend einig: „Wir alle haben dafür Sorge zu tragen, dass Rassismus, Antisemitismus und Hass gegen Minderheiten in unserer Gesellschaft nie wieder Fuß fassen können.“

 


 

Autor: pm / uh