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21.09.2012 Schwandorf

Wie groß ist die Gefahr?

Experten-Streit um die Mode-Droge Crystal

Crystal Meth
Foto: Polizei
Wie schlimm ist das Auftreten der Modedroge Crystal in der Oberpfalz wirklich? Über diese Frage hat sich zwischen der Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder und einem Experten ein Disput entwickelt.

„Crystal Speed geschmuggelt: 25-Jährige in Haft“, „Haftbefehl wegen 19 Gramm Crystal Speed“, „Crystal Speed in der Babydecke versteckt“ – Meldungen wie diese häufen sich seit Beginn des laufenden Jahrzehnts, Ort des Geschehens ist stets das Grenzgebiet Tschechische Republik – Oberpfalz.

 

Bei Polizei und Politik ist das Problem längst bekannt, der Kampf gegen die Modedroge, deren „korrekter“ Name Kristallines Methamphetemin lautet, ist über alle Parteigrenzen hinweg Konsens. Dennoch hat die Wernberger Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder dieser Tage kräftig Contra bekommen.

 

Hintergrund: Vergangene Woche hatte die SPD-Bundestagsfraktion einen Antrag eingebracht, um das Vorgehen gegen die synthetische Droge Crystal umfassend und vor allem auch grenzüberschreitend zu forcieren. Treibende Kraft war die Landesgruppe Bayern, Mitinitiatorin war Schieder.

 

„Bayern und vor allem die grenznahen Bezirke zu Tschechien werden zunehmend von dem Methamphetamin Crystal überschwemmt. Die Rauschgiftkriminalität nimmt zu, die Symptome sind verheerend, die Anzahl der Drogentoten steigt“, ließ sich die Wernbergerin in einer flankierenden Pressemitteilung zitieren.

 

Womit die Bundestagsabgeordnete sicherlich nicht gerechnet hätte: Ein Wissenschaftler des Centre for Drug Research, auf dessen Studie sich Schieder gestützt hatte, widersprach ihren Ausführungen heftig. In einem offenen Brief monierte Sozialpädagoge Bernd Werse von der Frankfurter Goethe-Universität, dass die Aussagen der Politikerin deutlich übertrieben und teilweise sogar falsch seien.

 

Es sei „kontraproduktiv, immer wieder eine vermeintliche anrollende Meth-Welle zu beschwören“, schrieb Werse beispielsweise. Und: „Über Drogentote aufgrund von Meth gibt es im Übrigen bislang meines Wissens keine verlässlichen Informationen.“

 

Die eklatante Steigerung der polizeilichen Aufgriffe führt er in erster Linie auf die verstärkten Verfolgungsbemühungen der Polizei zurück: „Da ist man in den letzten Jahren deutlich aufmerksamer geworden“, meint Werse, der Schieder obendrein noch mitgibt, dass die von der Bundestagsabgeordneten angeprangerte liberale Drogenpolitik in Tschechien sein Bild von der SPD als „Verbotspartei“ stärke. Mit strikter Repression sei den Betroffenen jedoch am wenigsten geholfen, argumentiert der Experte.

 

Marianne Schieder jedoch ficht diese Kritik nicht an. Der „Herr Professor“ solle lieber einmal mit den Polizeibeamten vor Ort reden oder über die berüchtigten Vietnamesenmärkte in Tschechien gehen, sagte die Wernbergerin gegenüber einem Regensburger Online-Magazin. „Ich denke mir doch so etwas nicht aus“, so Schieder wörtlich.

 

Bestätigt sieht sie sich durch den Drogenbericht der Bundesregierung, demzufolge die beschlagnahmte Menge sowie die Zahlen der gefassten Schmuggler und (Erst-)Konsumenten erheblich gestiegen sind. Und jede weitere Meldung, die den Tenor der eingangs zitierten hat, legt nahe, das Problem künftig massiver zu bekämpfen.

Autor: Rainer Wendl

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