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16.03.2012 Regensburg

Viereinhalb Jahre

Ex-OB-Kandidat Kass: Gut gelaunt in den Knast

Kass vor Gericht
Foto: Stöckel
Am Freitag verurteilte das Landgericht Regensburg den einstigen Schwandorfer OB-Kandidaten Uwe Kass (46) zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren wegen versuchten Betrugs, Betrugs in einem besonders schweren Fall und Urkundenfälschung in fünf Fällen.

 

Den bereits im Januar 2009 erlassenen Haftbefehl hielten die Richter aufrecht. Gelöst, ja sogar gut gelaunt erschien Uwe Kass – vorgeführt von zwei Polizeibeamten – zur Urteilsverkündung. Er wollte sogar der Staatsanwältin – die am Dienstag noch eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren forderte – zur Begrüßung die Hand reichen, was diese jedoch geflissentlich übersah.
 
Seine Verteidiger Michael Haizmann und Jörg Meyer hatten auf eine Freiheitsstrafe von maximal vier Jahren plädiert. Die Wirtschaftsstrafkammer unter Vorsitz von Richterin Elke Escher entschied sich salomonisch für die Mitte.
 
Wie berichtet, wurde Kass vorgeworfen, die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich unter Verwendung gefälschter Unterlagen um annähernd eine Million Euro betrogen zu haben. Der Versuch, weitere 800.000 Euro zu ergaunern scheiterte an der Aufmerksamkeit eines Bankangestellten.
 
Zudem hatte er sich von einem ehemaligen Geschäftsmann aus Pfreimd – ebenfalls mit gefälschten Dokumenten – drei Millionen Euro erschlichen. Rund drei Jahre war Kass wie vom Erdboden verschluckt, ehe im Juli vergangenen Jahres in Düsseldorf die Handschellen klickten.
 
Bereits zu Prozessauftakt am Dienstag stellte die Wirtschaftsstrafkammer den Betrugsvorwurf zu Lasten der Raiffeisen Landesbank auf Anregung der Verteidiger ein. Zu unzureichend waren die Ermittlungen der Fahnder in den Augen von Verteidigung und Gericht, um hier zu einer Verurteilung zu kommen. Die weiteren Strafvorwürfe hatte Kass am Dienstag unumwunden gestanden und sich bei allen Beteiligten für sein Fehlverhalten entschuldigt.
 
 Für den Angeklagten sprach – so Vorsitzende Elke Escher – das bisher straffrei geführte Leben des Angeklagten, dass er die Verantwortung für seine Taten übernommen und Reue und Schuldeinsicht gezeigt habe. Schwer wog hingegen die an den Tag gelegte kriminelle Energie und das dreiste Verhalten des Angeklagten.
 
Zudem wertete die Strafkammer die Darlehenserschleichung als strafverschärfenden „Betrug in einem besonders schweren Fall“ wegen der Höhe des Vermögensschadens – auch wenn dieser für den Unternehmer „kein allzu großer Schaden“ sein dürfte. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.
Autor: Heinz-Alfred Stöckel

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