Die Wochenblatt App
24.10.2012 Schwandorf

Ein Schwandorfer als Komparse

David Garrett flehte: „Brecht mir nicht die Hand!"


Mit Kino- und TV-Stars auf Du: Der Schwandorfer Lothar Walz geht als Komparse regelmäßig auf Tuchfühlung mit den Größen der deutschen Show-Welt. Zuletzt stand er mit David Garrett in „Der Teufelsgeiger" vor der Kamera (Bild).

 

 
Manchmal kann man auch auf dem Weg zurück vom Klo ein Schlüsselerlebnis haben. Dem Schwandorfer Lothar Walz ging es so, als er im Jahr 1997 im Restaurant „Planet Hollywood“ in New York City aus der Toilette marschierte und dem Action-Star Jean-Claude van Damme in die Arme lief. Der Muskel-Berg raunte Walz zu, dass er sehr stark aussehe – und seit dieser Begegnung dachte sich der Schwandorfer, dass es doch recht lässig wäre, öfter mit solchen Show-Größen zusammen zu treffen.
 
Aus diesem Gedanken ist längst ein fester Lebensinhalt für den 69-Jährigen geworden; er steht regelmäßig als Kleindarsteller und Komparse vor der Kamera, erst kürzlich wieder für den Film „Der Teufelsgeiger“ mit dem Violin-Virtuosen David Garrett.
 
„Diese Dreharbeiten sind immer wieder echte Höhepunkte für mich. Was man da alles erlebt, ist unbezahlbar“, schwärmt Walz von seinem ungewöhnlichen „Nebenjob“. Sein markantes Gesicht ist überaus gefragt, wenn es kleine Rollen im Bereich „drahtiger, älterer Mann“ zu besetzen gilt. Seit er vor mehr als einem Jahrzehnt in einer Episode der Krimiserie „SOKO 5113“ mitwirkte, wird er immer wieder gebucht. Bis hin zu Bully Herbigs Kassenschlager (T)Raumschiff Surprise reicht die Liste der Produktionen mit Walz als Darsteller.
 
Und so hat sich der ehemalige Sportlehrer, der in Schwandorf als parteiloser Stadtrat bekannt wie ein bunter Hund ist, auch in der Film-, Fernseh- und Werbebranche einen gewissen Status erarbeitet. „Bei den Komparsen trifft man ja immer wieder auf die gleichen Leute. Da haben sich schon richtige Freundschaften entwickelt“, erzählt Walz.
 
Das wirklich Aufregende an seiner liebsten Freizeitbschäftigung aber ist der hautnahe Kontakt zu den Stars. Ob Moritz Bleibtreu, Veronica Ferres, Max von Thun, Heike Makatsch, Iris Berben, Till Schweiger oder Hannelore Elsner: Der Schwandorfer Kleindarsteller hat schon mit allen zusammengearbeitet. Jetzt erweitert David Garrett diese illustre Liste.
 
Der Star-Geiger, der mit bürgerlichem Namen David Bongartz heißt, spielt die Hauptrolle in dem im Herbst 2013 ins Kino kommenden Streifen „Der Teufelsgeiger“. Er verkörpert dabei den berühmten Niccolò Paganini (1782 bis 1840), der die Menschen im 19. Jahrhundert mit seinen furiosen Geigenkünsten begeisterte und vor allem auch bei der weiblichen Zuhörerschaft einen „Schlag“ hatte. Im London des Jahres 1832 bereitete ihm sein Hang zu jungen Mädels Schwierigkeiten, er wurde wegen angeblicher Unzucht mit Minderjährigen verfolgt.
 
Die Szene, in der der mutmaßliche italienische Sittenstrolch hochgenommen wird, ist Walz‘ großer Auftritt: Er spielt einen von fünf englischen Moralhütern, die Paganini in einem Hotel verhaften wollen. „Wir mussten die Szene 16-mal wiederholen und waren alle schon fix und fertig. Nur mit Wasser und Vitamintabletten haben wir das geschafft“, blickt der Schwandorfer auf den anstrengenden Dreh in Halle 12 der Bavaria-Filmstudios in München zurück. „Garrett selbst hat zum Schluss nur noch geschrien ,Brecht mir nicht die Hand!‘, weil wir ihn immer wieder so fest packen mussten.“
 
Doch es ist alles gut gegangen. Der Geiger blieb körperlich unversehrt und erhält in menschlicher Hinsicht nur Lob von seinem Film-Kollegen: „Das ist ein absoluter Kumpel-Typ,  mit dem man prima auskommt.“ Überhaupt hat Lothar Walz die Erfahrung gemacht, dass die großen Stars in aller Regel sehr umgängliche und geerdete Zeitgenossen sind. „Je höher der Standard, desto lockerer“, lautet seine Faustregel.
 
Eine Ausnahme gibt es natürlich auch hier. Auf die Frage, ob unter all den Promis denn wirklich kein Unsympath dabei ist, sagt Walz kurz und bündig: „Doch, der Till Schweiger.“ Hätte man sich fast denken können …
Autor: Rainer Wendl

Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: