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23.08.2012 Schwandorf/München

15-jähriges Talent wagt großen Sprung

Alina aus Schwandorf wirbelt beim FC Bayern

Alina
Foto: Wendl
Es gibt zwar einige Fußballprofis, die aus dem Landkreis Schwandorf stammen, doch beim großen FC Bayern spielt nur sie: Die 15-jährige Gymnasiastin Alina Mailbeck, die jetzt den Sprung nach München gewagt hat.

Es ist beileibe nicht so, dass es keine Bezüge zwischen dem Landkreis Schwandorf und dem „großen“ Fußball gäbe. Wolfgang Hesl beispielsweise, Torwart vom Bundesliga-Aufsteiger Greuther Fürth, kommt als Altfalter. Und das aus Schwarzhofen stammende Verteidiger-Talent Philipp Ziereis ist momentan eine feste Größe beim Zweitliga-Neuling Jahn Regensburg. Doch eine steckt sie alle in die Tasche, denn sie ist seit 1. August beim Nonplusultra des deutschen Fußballs aktiv: Alina Mailbeck (15) hat den Sprung zum FC Bayern München gewagt, genauer gesagt in dessen U17-Mädchenmannschaft.

 

Jetzt, während der Saisonvorbereitung, gondelt Familie Mailbeck dreimal wöchentlich zum Training nach München. „Die Fahrt dauert eineinhalb Stunden, wenn‘s gut geht. Wir hatten aber auch schon den Genuss von fast drei Stunden auf der Autobahn“, erzählt Vater Karl, der diese Strapaze aber gerne auf sich nimmt.

 

Nicht nur, weil er als Vorstand des SC Ettmannsdorf fußballverrückt ist und seit Jahrzehnten mit dem FC Bayern als Fan mitfiebert, sondern weil er das München-Abenteuer seiner Tochter als wertvolle Erfahrung fürs ganze Leben einschätzt: „Die große Stadt, die neue Mannschaft, das Trainingsgelände an der Säbener Straße, die professionelle Organisation im Verein – von alledem profitiert Alina als Persönlichkeit, auch wenn sie es sportlich nicht schaffen sollte.“

 

Alina selbst, die schon mit fünf gegen den Ball trat und beim SC Ettmannsdorf stets mit Jungs zusammen spielte, geht die Herausforderung in München als eine von insgeamt zwölf Neuzugängen gelassen an: „Ich habe mich gut in die neue Mannschaft eingefunden“, berichtet sie, sogar eine „Umschulung“ auf dem Fußballplatz hat ihr nichts ausgemacht: „Bisher habe ich immer im Mittelfeld oder Sturm gespielt. Doch weil es im Bayern-Kader zu wenig Spielerinnen für die Defensive gab, bin ich jetzt eben als rechter Verteidiger eingeplant.“

 

Auf dieser Position will sie sich bis zum Start der Bayernliga-Saison am 15. September unentbehrlich machen. Das große Ziel ist ohnehin der „Aufstieg“ ins erste U17-Team der Bayern-Mädels, das in der Bundesliga spielt: „Klar will ich da hin“, sagt Alina selbstbewusst.

 

„Entdecker“ Philipp Rettig (im Bild links) traut ihr dies auf jeden Fall zu: „Was Technik und taktisches Verständnis angeht“, kann sie sich auch bei den Bayern durchsetzen. Nur an ihrer Laufbereitschaft muss sie arbeiten, aber das weiß sie auch“, sagt der 24-jährige Jugendtrainer des SC Ettmannsdorf, der den Kontakt zum FC Bayern hergestellt hatte.

 

Zweimal reiste Alina zum Probetraining an die berühmte Säbener Straße, dann waren auch die Münchner von der Schwandorferin überzeugt. „Für mich war das nicht überraschend“, meint Rettig, der Alinas Weg schon länger verfolgt. „Ich fand es schon immer beeindruckend, dass ein Mädchen aus einer Mannschaft mit 15 Jungs hervorsticht.“

 

Das Thema Schule – Alina kommt in die zehnte Klasse des Schwandorfer Gauß-Gymnasiums – geht der Bayern-Neuzugang übrigens ebenso entspannt an: „Das lässt sich schon vereinbaren“, meint sie, wohingegen es für andere Hobbys eng werden könnte: Auch als Tischtennis-Ass gehört die 15-Jährige nämlich zu Bayerns Besten und ist eine Stütze der DJK Ettmannsdorf: „Der Trainer versucht schon ganz verzweifelt, die Spieltermine um die Fußball-Termine herum zu legen“, lacht Karl Mailbeck.

 

Doch die Fahrten an die Säbener Straße gehen vor. Und hier freut sich Alina schon auf das nächste Highlight: Die Begegnung mit ihrem Lieblingsspieler Toni Kroos, die sich früher oder später zwangsläufig ergeben wird.

Autor: Rainer Wendl

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