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07.11.2011 Deutschland
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Pippi Langstrumpf ist rassistisch!?!?!?


Es gibt Schlagzeilen, die braucht kein Mensch! Zum Beispiel diese: "Theologin rechnet in Leipzig mit dem Kinderbuch-Klassiker ab: Rassismus-Vorwürfe gegen Pippi Langstrumpf!" – gelesen am Montag, 7. November bei bild.de.

Das Antidikriminierungsbüro Sachsen, dessen Tätigkeit übrigens von uns Steuerzahlern bezahlt wird, hatte die Theologin Dr. Eske Wollrad an die Uni Leipzig zu einem Vortrag und einem Workshop eingeladen. "Offensichtlicher und unterschwelliger Rassismus", schreibt bild.de, gebe es in Pippi Langstrumpf und auch in anderen Kinderbüchern. Und Theologin Wollrad hat auch schon einen Tipp, um hier Abhilfe zu schaffen – nur noch "rassismussensible" Kinderbücher sollten es in die Regale der Kinderzimmer schaffen. Tja, da sehe ich dann in der Tat schwarz, denn ich hab da mal recherchiert und Folgendes herausgefunden:

 

Biene Maja
Da gibt es ja die schlaue Maja und den etwas weniger schlauen Willi … Diskriminierung! Der arme Willi wird von allen ausgelacht und der Lächerlichkeit preisgegeben! Verboten!

 

Aschenputtel
Oh, das geht gar nicht! Kinderarbeit, sage ich da nur. Das arme Aschenputtel muss in der Küche sitzen und Erbsen sortieren. Nein, liebe Kinder, Aschenputtel wird aus dem Bücherregal aussortiert. Verboten!

 

Michel aus Lönneberga
Da fallen ja gleich mehrere tragische Punkte ins Auge: Ein hypersensibler kleiner Junge, der an ADHS leidet, wird verspottet und ausgelacht. Sein Vater droht ihm überdies regelmäßig Prügel an. Der kleine Junge verschanzt sich dann voller Angst in einer kleinen Holzhütte. Kindesmisshandlung! Verboten!

 

Wicki und die starken Männern
Nein, auch Wicki geht nicht! Ein ganz schlechtes Frauenbild, was da vermittelt wird. Die kriegerischen Männer stechen in See, während die Frauen zu Hause brav die Kinder erziehen und auf ihre Männer warten. Im Zeitalter der Emanzipation geht das überhaupt nicht! Verboten!

 

Alf
Das zottelige Monster aus dem Weltall – tja, Alfi, aus und vorbei! Der kleine Alien lügt, dass sich die Balken biegen – und er verleitet seine Gastfamilie, die Tanners, ebenfalls zum Lügen, denn es soll ja keiner wissen, dass es ihn gibt. Eine Lüge nach der anderen, gar kein gutes Vorbild für unsere Jugend! Verboten!

 

Heidi
Die kleine Heidi ist ein armes, kleines Kind, das in die Berge zu ihrem grantigen Opa abgeschoben wird. So kann man doch mit Kindern nicht umgehen. Man muss sich doch kümmern, wo die arme Heidi hinkommt, sie einfach so bei ihrem Großvater in den unwirtlichen Bergen zu lassen, das geht einfach nicht! Verboten!

 

Familie Feuerstein
Da klopft doch dieses ungezogene Kind – ich glaube, es hieß Bam Bam – dem Nachbarsmädchen immer mit der Keule auf den Kopf. Sie ahnen es, geht gar nicht! Verboten!

 

Diese Liste der Kinderbuchklassiker könnte man endlos fortsetzen, doch diese kleine Auswahl reicht schon, um zu sehen, wie lächerlich diese Analysen in Wahrheit sind. Jedes Buch entsteht in seiner Zeit – und spielt eben dann auch im Umfeld dieser Zeit. Literatur – und dazu gehören eben auch Kinderbücher – muss immer im Zusammenhang mit der Entstehungszeit betrachtet werden. Wer hier eins zu eins das Geschriebene ins Hier und Jetzt versetzt, der liegt falsch. Also, liebe Frau Wollrad, bitte lassen Sie uns unsere Kinderbücher. Es gäbe so viele wichtige Bereiche, in denen man Rassismus und Diskriminierung bekämpfen muss – in Kinderbuchklassikern aber sicher nicht!

 

P.S. … Mir fällt grad noch was ein … Struwwelpeter … grauslich … Verboten!

Autor: Ursula Hildebrand

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