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04.07.2012 Eggenfelden

Prozess

Zweieinhalb Jahre Knast für Ausraster gegen Polizisten


Bei Polizisten sieht ein 34-Jähriger nur noch rot. Jetzt landete er für seine Ausraster vor Gericht.

 

Bei Begegnungen mit Polizeibeamten sieht ein 34-Jähriger aus Eggenfelden nur noch rot, rastet aus, wird verbal ausfällig und handgreiflich. Die Beamten der Polizeiinspektion können jetzt aufatmen: Die nächsten zweieinhalb Jahre verbringt der 34-Jährige hinter Gitter.
 
 
Am 9. März letzten Jahres hatte der Gelegenheitsarbeiter wieder einmal zu tief ins Wodkaglas geschaut – der spätere Alkoholtest ergab 2,5 Promille – und vergnügte sich gegen 23 Uhr damit, in der Landshuter Straße zur Leerung bereitgestellte Mülltonnen auf die Straße zu stoßen. Als er von einer Polizeistreife zur Rede gestellt und kontrolliert wurde, rastete er aus und wurde aggressiv. Als ihm die Polizisten daraufhin die Gewahrsamnahme erklärten, wurde er zunächst verbal ausfallend.
 
 
Trotzdem konnte er in den Streifenwagen bugsiert werden, wo er dann versuchte, einen neben ihm sitzenden Beamten in die Hand zu beißen. Als er schließlich auf der Dienststelle in eine Haftzelle gebracht werden sollte, trat er mit den Füßen nach den beiden Polizisten. Selbst als er zu Boden gebracht wurde, trat er weiter zu und traf einen der Beamten am Oberschenkel und beleidigte ihn und seinen Kollegen mit Schimpfwörtern aus der untersten Schublade der Fäkalsprache. Außerdem drohte er, „er werde sie alle umbringen, in 14 Tagen fliege die Dienststelle in die Luft.”
 
 
In der Haftzelle brachte sich der Gelegenheitsarbeiter dann selbst eine Verletzung oberhalb des Auges zu. Als er mit einem Rettungswagen in das Kreiskrankenhaus gebracht werden sollte, spuckte er einen Beamten gezielt ins Gesicht. Später verweigerte er die Behandlung und wurde deshalb ins Bezirkskrankenhaus Mainkofen gebracht. Auf der Fahrt dorthin drohte er einen der Beamten, dass „er ihn ohne mit der Wimper zu zucken erschießen  würde, wenn er eine Pistole in die Finger bekomme.”
 
 
Am 24. April sorgte er dann auf dem Festgelände der Gerner Dult für Rabatz. Mehrere Polizeieinsätze kommentierte er lautstark und unflätig, außerdem filmte er die Einsatzkräfte. Als er dann kurz nach Mitternacht aufgefordert wurde, seinen Personalausweis auszuhändigen, sah er wieder einmal rot und wurde aggressiv. Deshalb erklärten ihm die Beamten wieder einmal die Gewahrsamnahme. Das kommentierte er mit nicht druckreifen Beleidigungen und auf dem Transport zur Dienststelle  trat er mit den Füßen um sich. Bei diesem Ausraster war er für seine Verhältnisse fast noch nüchtern: Rund 1,3 Promille ergab der Alkotest.
 
 
Für das Verfahren vor Strafrichter Alfred Zimmerer beim Landshuter Amtsgericht brachte der 34-Jährige bereits eine schwere „Hypothek” mit: Erst im August letzten Jahres war er u.a. wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, versuchte vorsätzliche Körperverletzung, Beleidigung in mehreren Fällen zu einer Freiheitsstrafe von 17 Monaten verurteilt worden. Seit September verbüßt er diese Strafe in der Haftanstalt Bernau, nachdem er zuvor für einige Monate untergetaucht war.
 
 
Die von Staatsanwalt Klaus Kurtz vertretene Anklage listete gegen den vielfach und einschlägig vorbestraften Gelegenheitsarbeiter wieder eine ganze „Latte” von Straftatbeständen von Widerstand über Beleidigungen und Bedrohungen bis hin zur versuchten Körperverletzungen vor. Hatte er im Vorfeld des Prozesses die „Ausraster” noch weitgehend bestritten, änderte er Anraten seines Anwalts Thomas Fauth seine Verteidigungsstrategie und legte ein umfassendes Geständnis ab. Damit sicherte er sich im Rahmen einer Verständigung zwischen den Prozessbeteiligten ein relativ moderates Strafmaß: In die zweieinhalb Jahre Gesamtstrafe, die jetzt verhängt wurden, ist die Eggenfeldener Verurteilung mit einbezogen.
 
Um die vom psychiatrischen Sachverständigen angesichts des „ausgeprägten Hangs zum Konsum von Alkohol” befürwortete Unterbringung in einer Entziehungsanstalt kam der Gelegenheitsarbeiter herum. Nachdrücklich hatte er erklärt, dass er eine Mitarbeit im Rahmen einer Alkoholtherapie ablehne.
Autor: ws