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18.07.2011 Simbach am Inn

Vereidigter Gutachter:

Herr Gerbers Gespür für Geldscheine


Der Wahl-Simbacher Josef Gerber ist ein international gefragter Experte für Banknoten, Spezialgebiet: Gedenkgeldscheine! Da macht dem früheren Spediteur so schnell keiner was vor!

 Seit über 40 Jahren sammelt der ehemalige Spediteur Josef Gerber Geldscheine. Sein erworbenes Wissen über die Banknoten der Welt ist enorm. Als Standardwerk für den speziellen Bereich der Papiergeldkunde gilt sein Buch über Gedenkbanknoten.

 


Über die Banknoten dieser Gebiete kennt sich Gerber am besten aus. Es ist der Nahe Osten: Kuwait, Ägypten, Saudi-Arabien, Iran, Irak, Afghanistan, Syrien und die Türkei. Gerber, der durch seine Arbeit viel in der Welt herumgekommen war, hatte fast wöchentlich in diesen Ländern zu tun.

 


Durch die vielen Reisen kam der Geschäftsmann ständig mit verschiedenen Währungen in Berührung. „Irgendwann öffnete ich im Flugzeug meine Geldbörse und hatte plötzlich 50 verschiedene Geldscheine in der Hand.“

 


Von nun an begann er sich intensiv mit den Banknoten zu beschäftigen, da ihn vor allem die Motive und Darstellungen auf den Banknoten interessierten. Später bezeichnete er diesen Moment als Auslöser für seine Sammelleidenschaft von Papiergeld. Im Laufe der Zeit wurde aus diesem Hobby Berufung.

 


Besonders nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Arbeitsleben vor sechs Jahren konnte der 63-Jährige die Sammeltätigkeit intensivieren. Alle gesammelten Erkenntnisse über Banknoten wurden auch schriftlich festgehalten. Es folgten drei Bücher, darunter auch eines über die letzte Serie der Deutschen Mark.

 


Sein aktuelles Werk befasst sich nun mit Gedenkbanknoten aus aller Welt. Gerber konnte rund 430 der jemals herausgegebenen Banknoten in einem Buch von 450 Seiten zusammenfassen. Für den ehemaligen Kaufmann mit der Sammelleidenschaft ist Papiergeld, das zu einem besonderen Anlass ausgegeben wurde, wie eine Visitenkarte der jeweiligen Länder oder auch ein Teil ihrer Kultur.
Zu nennen gibt es hier die einzige Gedenkbanknote der USA, der Zweidollarschein von 1976 zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung. Bezeichnend auch die Herausgabe einer Gedenkbanknote der nordirischen Bank zu Erinnerung an das 400-jährige Bestehen der Whiskeybrennerei „Old Bushmills“.

 


Dass hinter dieser Idee auch wirtschaftliche Interessen stecken, verdeutlicht der Geldfachmann anhand von Thailand. Dieses Land legt regelmäßig Geldscheine auf, die zwar nominelles Zahlungsmittel sind, allerdings von den Thailändern gehortet werden. „Sie verehren sehr das Königshaus, und König Bhumibol Adulyadej macht sich diesen Umstand zunutze“, erläutert Gerber.
Als Beispiel gibt er hier die Gedenknote von 2004 zum Jubiläum von Königin Sirikit an. Der nominelle Wert betrug 100 Baht, wurde aber von der Notenbank für 700 Baht verkauft. Der Erlös aus solchen Geschäften kommt dem Roten Kreuz zugute. Auf diese Weise kamen laut Gerber 77 Millionen Dollar zusammen. Geld, das jüngst bei der Naturkatastrophe gut eingesetzt werden konnte.

 


Die teuerste Gedenkbanknote ist neben dem unbezahlbaren Unikat von Queen Elisabeth, die Note zur goldenen Hochzeit des Königspaars aus Thailand. Der Nominalwert des Scheins beträgt 10.000 Dollar, mittlerweile wird er für über 30.000 Dollar gehandelt. Den Reinerlös hat der König in ein Staudammprojekt gesteckt.

 


Durch sein Wissen über alle Weltbanknoten dieser Erde ist der Simbacher auch ein gern gesehener Gast als Gutachter bei Banken, Gerichten und Staaten, wenn es um Fragen rund um Währungen und Noten geht. Auf Initiative Gerbers hatte Madagaskar Geldscheine gedruckt, mit denen der Entwicklungsplan des Staatspräsidenten verewigt wurde.

 


Seit 2002 ist er öffentlich bestellter und vereidigter Gutachter für Weltbanknoten. Seit vielen Jahren lebt der Wahlbürger von Simbach auf einer Anhöhe in Beingarten in der Nähe von Stubenberg und schöpft hier inmitten von Wiesen und Wäldern Kraft für neue Aktivitäten und Pläne.

 


So ist für den Herbst im Simbacher Heimatmuseum unter dem Titel „Geld ist Kultur – Die Welt der Banknoten“ eine Ausstellung geplant. Die Ausstellung wird 50 Ausstellungstafeln umfassen, die sich unter anderem mit der Geschichte der Mark bis zur Euroumstellung befassen.

 


Zudem wird die älteste Banknote der Welt aus China aus der Ming Dynastie von 1368 bis 1398 zu sehen sein. Gezeigt werden auch Fälschungen, Fehldrucke und außerordentliche Maße. Dazu gehören auch das regionale Geld des Rottals sowie die Banknoten aus Braunau und Österreich.

 


Rund ums Geld gibt es viele kuriose Geschichten und Anekdoten. Gerber kennt viele davon und weiß sie auch entsprechend zu erzählen. Man merkt im Gespräch die Leidenschaft, die den Sammler immer noch packt, wenn es um Papiergeld geht.

Autor: Walter Geiring