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18.10.2012 Rottal-Inn

Prozess

Hat ein Rentner seine Stiefenkelin sexuell missbraucht?

Amtsgericht und Landgericht Landshut
Foto: Grießer
Angeklagter bestreitet vor der 4. Strafkammer des Landgerichts die Vorwürfe: „Nur weil kein Geld mehr geflossen ist”.

 

Die angeblichen sexuellen Übergriffe eines heute 76-jährigen Rentners, der früher in Landau und seit 2000 in der Gemeinde Gangkofen lebt, auf seine Stiefenkeltochter liegen schon zehn und Jahre zurück. Jetzt sitzt der aus Südtirol stammende Mann vor der 4. Strafkammer des Landgerichts Landshut auf der Anklagebank, wo er die Vorwürfe rigoros bestreitet.
 
 
Der Rentner hatte viele Jahre in Landau gelebt und als Lackierer gearbeitet, bis auch seine zweite Ehefrau starb. Ende 1999 hatte er dann seine jetzige Lebensgefährtin kennen gelernt und war zu ihr nach Gangkofen gezogen. Jetzt holte ihn die Vergangenheit ein: Seine 1991 geborene Stiefenkelin – inzwischen 21 Jahre alt – wirft ihm vor, sie in ihrer Kindheit mehrfach missbraucht zu haben.
 
 
Laut Anklage wohnte die Stiefenkelin zwischen 1995 und 2000 in Mamming. Dort soll sie der Rentner bei Besuchen in mindestens zwei Fällen aufgefordert haben, in ihr Kinderzimmer zu gehen. Dahin soll er ihr dann gefolgt sein, sich selbst ausgezogen, auf das Kind gelegt und in sie eingedrungen sein. Zwischen Juni 2000 und April 2005 – da lebte die Familie des Mädchens in Malgersdorf – soll es zu sechs weiteren gleichgelagerten Übergriffen mit Geschlechtsverkehr gekommen sein. 
 
 
Das Schweigen des Kindes soll sich der 76-Jährige mit geschenktem teueren Spielzeug „erkauft” und es aufgefordert haben, niemand was zu erzählen.
 Zum Prozessauftakt bestritt der Rentner die Vorwürfe nachdrücklich: „Sowas war gar nicht möglich, die Anschuldigungen werden nur erhoben, weil ich meine finanziellen Zuwendungen an die Familie eingestellt habe.” 
 
 
Früher habe er beispielsweise einmal dem Vater des Mädchens, also seinem Stiefsohn, 5.000 Euro für einen Autokauf geschenkt, ihm auch für Reparaturen und der Familie immer wieder Geld zugesteckt, teilweise vierstellige Beträge. „Es gab immer wieder einen Grund dafür, dass ich den Geldbeutel aufgemacht habe. Vor ein paar Jahren sei dann Schluss gewesen: „Weil ich es mir nicht mehr leisten konnte.” 
 
 
Zuletzt habe er seiner Stiefenkelin 500 Euro zum Führerschein beigesteuert: „Die wollte aber, dass ich ihn ganz übernehme.” Früher habe er sie auch immer wieder zu Ausflügen zusammen mit seiner neuen Lebensgefährtin mitgenommen. Auch damit sei dann Schluss gewesen. Der Rentner räumte ein, dem Mädchen bei Besuchen auch immer wieder teuere Puppen und Spielsachen gekauft zu haben: „Ich konnte einfach nicht nein sagen.”
 
 
Manchmal habe er die Geschenke zusammen mit der Stiefenkelin in ihrem Zimmer ausgepackt und wenn es notwendig gewesen sei, beispielsweise Batterien eingelegt. Die sexuellen Übergriffe seien aber gar nicht möglich gewesen, schließlich sei zumindest immer die Mutter im Haus gewesen, wenn er zum Kaffeetrinken zu Besuch gewesen sei. 
 
 
Die Vernehmung der heute 21-Jährigen fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Prozess wird mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Plädoyers und Urteil sind für den 25. Oktober geplant.
Autor: ws