Die letzte Eick-Inszenierung
Grandiose „Jungfrau" am Theater an der Rott

Sieben Schauspieler in 26 Rollen, über 1.000 Kostüme in einem spannenden Verwandlungsthriller um Macht, Intrigen und Wahnsinn: Keine Frage, das Theater an der Rott wagte mit Schillers Schauspiel-Drama „Die Jungfrau von Orleans“ ein Experiment – das aber absolut gelungen ist. Bei der Premiere am vergangenen Samstag erhielt die Inszenierung von Intendant Mario Eick verdientermaßen großen Applaus und erntete Bravo-Rufe.
Die Inszenierung verlangt den Schauspielern viel ab, müssen sie – teilweise mitten im Spiel auf der Bühne – in eine andere Rolle schlüpfen. In der Hauptrolle spielt Liza Sarah Riemann eine sensible Jungfrau, die auf dem Schlachtfeld zur Furie wird. Man kann ihre Leistung nur mit einem Wort beschreiben: grandios. Wie es überhaupt dem gesamten Ensemble, das zum letzten Mal unter der Intendanz von Mario Eick gemeinsam bei einem Schauspiel auf der Bühne steht, gelingt, die Zuschauer in den Bann zu ziehen.
Eick straffte Schillers Drama, mit 150 Minuten Spieldauer ist es freilich nach wie vor ein Mammutstück, das jedoch keinesfalls langweilig wirkt. Mondäne Musik, für die Schauspieler Erich Maier verantwortlich zeichnet, sorgt für eine gespenstische Untermalung. Kampfgetümmel wird im Hintergrund teils durch Schwarz-Weiß-Film dargestellt.
Viele Requisiten braucht's in Eicks Inszenierung nicht und auch beim Bühnenbild haben Werner Klaus und Simone Sommerer für eine schlichte Lösung entschieden, die deshalb aber nicht minder genial ist: Kleidungsstücke, die an Seilen herabgleiten sorgen für unterschiedliche räumliche Darstellungen. Spielt die Szene im Palast des Dauphin, dominieren blaue und gelbe Farben, ist es ein Wald so sieht man braune und grüne Kleider. Da hängen auch schon mal ein Abendkleid, ein Bademantel, Handtaschen oder gar ein BH. Das Bühnenbild ist ein echter Hingucker.
Fazit: Die Eggenfeldener Jungfrau ist eine spannungsgeladene Inszenierung voller Überraschungen, mit einem wie entfesselt aufspielendem Ensemble, das sogar einige humorvolle Dialoge bereit hält. Wer sich dieses Stück nicht anschaut, hat wirklich etwas verpasst!
Weitere Aufführungen finden statt am 11. und 12. Februar, 3. und 4. März.
Beginn an Samstagen jeweils um 19.30 Uhr, an Sonntagen um 18.30 Uhr.
Karten beim Theater an der Rott unter Tel. 08721-1268980 oder via info@theater-an-der-rott.de.
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