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08.08.2012 Simbach am Inn

Strecken und Takt

Erster Bahngipfel zum Thema Grenzverkehr


Wie kann man die Anbindung des ländlichen Raumes an den Raum München verbessern und dabei auch grenzüberschreitende Lösungen mit einbeziehen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der erste Bahngipfel in Simbach am Inn.

 

Vertreter des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, Bürgermeister der Städte Simbach und Braunau, der Südostbayernbahn (SOB), der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und des Kundenbeirats der SOB sind der Einladung von Landtagsabgeordneten Reserl Sem zum ersten Bahngipfel gefolgt. Bei intensiven Gesprächen brachten Sebastian Röhrig (StMWiVT), Günter Wöhl und Max Winkler (1. und 2. Bürgermeister Simbach), Brigitte Zeilinger (Vize-Bürgermeisterin Braunau), Christoph Kraller, Matthias Krause (beide SOB), Horst Eibl (ÖBB) und Wilhelm Mack (Kundenbeirat der SOB) Anregungen und Ideen zur Verbesserung der grenzüberschreitenden verkehrlichen Anbindung des ländlichen Raums auf den Weg. Ziel war es, die Möglichkeiten eines Streckenneubaus und einer Taktangleichung zu sondieren.
 
 
„Wer von Nachhaltigkeit und Energieeinsparungen redet, muss auch beim Verkehr vorne dabei sein. Die Zukunft gehört der Schiene. Das muss auch für Ostbayern gelten“, sagte MdL Reserl Sem. Denn Ostbayern ist verkehrstechnisch zu weit von den Leistungszentren wie München entfernt. Annähernd gleichwertige Lebens- und Arbeitsbedingungen seien laut einer Studie nur möglich, wenn jeder Bürger maximal 60 Minuten Fahrdauer von einem Leistungszentrum entfernt ist. Aber: in 60 Minuten vom Rottal nach München – das ist in keinem Fall zu schaffen. Pendler sind länger unterwegs.
 
 
Seit vielen Jahren wird über eine bessere Anbindung in die Landeshauptstadt diskutiert. Mögliche Verbesserungen betreffen die Bahnverbindungen Simbach-Mühldorf-München und Passau-Plattling-München. Bezüglich letzterer kommt auf österreichischer Seite eine Alternativverbindung in Frage. Denn derzeit grenzt die Streckenführung den südlichen Landkreis Rottal-Inn gänzlich aus. Ein Streckenneubau auf zwölf Kilometern zwischen Antiesenhofen und Geinberg würde der gesamten Grenzregion nutzen. Durch die direkte Streckenführung könnte die Fahrtzeit verkürzt werden. 
 
 
Durch einen solchen Anbau erhöht sich die Attraktivität des Schienenpersonenverkehrs auf deutscher und österreichischer Seite. „Die Vorteile für den Personen- und Güterverkehr liegen auf der Hand: wir wären besser angebunden und damit gibt es positive Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft“, sagte Sem. 
 
 
Dabei ist die neue Trasse nicht als Konkurrenzstrecke, sondern als Ergänzung zu sehen. „Es würde einfach viel Zeit gespart werden können“, so Sem. Auch Max Winkler, 2. Bürgermeister Simbachs, plädiert für den Weg über die Landkreisgrenze hinaus: „Mit dieser Abkürzung würden die Fahrgäste etwa 40 Minuten schneller sein. Der Lückenschluss auf der Bahnstrecke hätte viele Vorteile.“
 
Als eine weitere Verbesserung des grenzüberschreitenden Schienenverkehrs wurde die Einrichtung von weiteren Direktverbindungen diskutiert. Momentan fahren nur zwei Züge durch, sonst muss mit zum Teil längeren Aufenthalten in Simbach umgestiegen werden. Ein Vorschlag wäre, die Südostbayernbahn bis ins österreichische Neumarkt-Kallham und die Österreichische Bundesbahn bis Mühldorf durchfahren zu lassen. Das setzt Taktangleichungen der beiden Bahnen voraus. Damit verringere sich ebenfalls die Fahrzeit von Passau über Mühldorf nach München auf unter drei Stunden.  
 
 
Zum Bild: MdL Reserl Sem (4. von links) hat zum ersten Bahngipfel in Simbach geladen: teilgenommen haben unter anderem Bürgermeister Günther Wöhl (6. von links) und 2. Bürgermeister Max Winkler (2. von rechts).
Autor: bf